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Für die Umwelt: Für die Reinhaltung des Ruhbachs

Für die Umwelt : Für die Reinhaltung des Ruhbachs

Gute Nachrichten für das Ruhbachtal im Grenzgebiet zwischen Schüren, Spiesen-Elversberg und Schnappach. Die Kläranlage ist saniert.

Endlich ist Ruhe im Karton: „Ich habe fertig“, bemühte Reiner Pirrung am Donnerstagnachmittag vergnügt das legendäre, auch schon wieder 20 Jahre alte Giovanni-Trapattoni-Zitat. Grund zur Freude gibt es allemal: Kann der Bürgermeister mit der Inbetriebnahme der sanierten Kläranlage Ruhbachtal doch endlich unter das prekäre Kapitel Abwasser in seiner Gemeinde „einen Schlussstrich ziehen. Darüber bin ich sehr, sehr froh“ – und das fast punktgenau zur Pensionierung. Vier große Projekte fielen in Pirrungs Amtszeit. Nach den zwei Regenüberlaufbecken und dem Staukanal bildet die Erneuerung der Kläranlage „den krönenden Abschluss“. Es sei aber auch höchste Eisenbahn gewesen: „Wir hatten bei jedem größeren Regenereignis Land unter“, erinnerte der Rathauschef. Dazu die Geruchsbelästigung und die wenig attraktive Optik der alten Anlage, hier am „Portal zum Naherholungsgebiet Ruhbachtal“.

„Wie Sie sehen, ist alles neu“, hatte Georg Jungmann, Geschäftsführer des Entsorgungsverbands Saar (EVS) und damit der eigentliche Gastgeber, zuvor die Besucher begrüßt – seinerseits froh, Anwohnern, Lokalpolitikern und allen anderen Interessierten zeigen zu können, „was der EVS als Ihr Dienstleister so tut“. Genau genommen hat der Verband in diesem Fall, für Elversberg, 3,6 Millionen Euro in die Hand genommen, um die Kläranlage während des laufenden Betriebs zu sanieren. Was „sehr, sehr schwierig“ zu realisieren gewesen sei, ein fulminantes Stück Logistik. „Damit war die Abwasserreinigung in jeder Bauphase gewährleistet.“ Entsprechend des Baufortschrittes wurden sukzessive neue Anlagenteile errichtet und in Betrieb genommen. Anschließend konnten die nicht mehr benötigten Bauwerke abgerissen oder aber teilverfüllt werden.

Zweieinhalb Jahre dauerte die Sanierung der aus dem Jahr 1964 stammenden Kläranlage Ruhbachtal. Diese, frisch aus dem Ei gepellt – „sie sieht aus wie auf der grünen Wiese neu gebaut“, klopfte sich Jungmann ein wenig selbst auf die Schulter – entspricht annähernd einem Neubau. Gereinigt werden hier die Abwässer von umgerechnet 3400 Einwohnerwerten (Einwohner und Gewerbe). Wobei alle Anforderungen an eine moderne Abwassertechnik erfüllt werden: „Wir unterschreiten bei weitem alle behördlichen Grenzwerte“, eine „Riesenleistung zur Reinhaltung des Ruhbachs“, betonte Projektleiter Thomas Uckschies. Anschaulich beschrieb er, wie die Anlage arbeitet. Zunächst filtert die Feinrechanlage („eine Art Gartenrechen“ in groß) grobe und feine Stoffe aus dem Abwasser. „Dieses Rechengut wird anschließend gewaschen, entwässert und verbrannt.“ Im Sandfang setzen sich Sand und Kies am Beckenboden ab. Zudem werden Fette und Öle entfernt.

Dann fließt das Abwasser in ein Umlaufbecken, der Arbeitsplatz der fleißigsten EVS-Mitarbeiter, frotzelte Uckschies. Wer hier schafft, „den trifft es am härtesten“, weil „kein Urlaub, keine Pausen“: Bakterien nämlich, die Kohlenstoff abbauen, Nitrat bilden und Phosphat aufnehmen. Phasenweise belüftet und durchmischt, geht es für das Abwasser weiter zur Nachklärung. Dort setzen sich Biomasse und Phosphat-Flocken am Boden ab. Einen Teil des Schlamms inklusive Bakterien führt man zurück ins Umlaufbecken, der Überschuss wird im Schlammstapelbehälter statisch eingedickt und später nach Sinnerthal zur weiteren Verwertung transportiert.

Zwingend vorgeschaltet war der Bau eines neuen Staukanals. Von 2013 bis 2015 realisiert, stellt er das erforderliche Nutzvolumen sicher. Dadurch wird einerseits der Ruhbach entlastet, aber auch die Kläranlage vor zu dünnem Mischwasser geschützt. Bei Trockenwetter kommt man hier auf 531 Kubikmeter pro Tag, bei Regenwetter bis zu 3629 Kubikmeter täglich. Was nicht nur Naturschützer freuen wird: Der Ruhbach, in den die gereinigten Abwässer eingeleitet werden, profitiert insgesamt stark von der Sanierung der Anlage und der Regenwasserbehandlung.

Die Kläranlage in Spiesen- Elversberg,im Ruhbachtal wurde offiziell von EVS-Geschäftsführer Georg Jungmann, Bürgermeister Reiner Pirrung und EVS-Betriebsingenieur Thomas Uckschies (v.l.)  in Betrieb genommen. Foto: Jörg Jacobi

Für überörtliche Abwasserentsorgung hat die Gemeinde bereits 2,2 Millionen Euro verausgabt. Gut angelegt einerseits, so Bürgermeister Pirrung. Aber leider wenig repräsentativ: „Man sieht das Geld nicht, das verbuddelt ist.“ Was aber auch der einzige Wermutstropfen sei. Ansonsten gelte: „Die Sachlage Abwasser in Spiesen-Elversberg ist ein für alle Mal geklärt.“