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Führung durch die Leo-Erb-Ausstellung in St. Ingbert

Ausstellung : Markenzeichen des Künstlers: Linie und Farbe Weiß

Andrea Fischer führt Kunstfreunde durch die Leo-Erb-Ausstellung in St. Ingbert. Der nächste Termin ist an diesem Donnerstag, 18. Juli.

Als herausragender Vertreter der gegenstandsfreien Kunst machte der 1923 in St. Ingbert geborene Leo Erb nicht nur hierzulande auf sich aufmerksam. Mit seinem, der Linie und der Farbe Weiß verpflichteten Werk feierte er internationale Erfolge und wurde von Künstlerkollegen dies- und jenseits der Grenzen geschätzt. So war die Freude groß, als der streitbare, stets weiß gekleidete Meister seiner Heimatstadt St. Ingbert im Jahr 1988 - zwei Jahre vor seinem Tod - einen Großteil seines Werkes vermachte. Geplant war damals eine große Retrospektive, die 2014 bei der Eröffnung der Baumwollspinnerei gezeigt werden sollte und bis heute auf sich warten lässt, denn das Gebäude ist noch immer nicht bezugsbereit.

Von einem „großen Konvolut“ mit rund 700 Arbeiten sprach damals Andrea Fischer, die Kuratorin der Albert-Weisgerber Stiftung, die Leo Erb persönlich kannte und mit seinem Werk bestens vertraut ist. „Ein besonderer Mensch ist er gewesen, ein großartiger Künstler“, versicherte sie so auch bei ihrer Führung durch die Erb-Ausstellung, die bis zum 23. August im St. Ingberter Rathaus zu sehen ist. Präsentiert wird eine gelungene und toll arrangierte Auswahl von 16 Werken, anhand derer sie den Werdegang des rebellischen Künstlers eindrucksvoll nachzeichnete. Angefangen bei den künstlerischen Strömungen der späten 50er und 60er Jahre, die von der Suche nach einem Neuanfang geprägt waren. Schon damals tat sich Leo Erb auf ganz individuelle Weise hervor, indem er durch die Verwendung untypischer Malwerkzeuge wie Imkerbürste und Rakel dynamische Bewegungsspuren in Schwarzweiß ins Bild brachte. Interessant war auch zu hören, dass Erb früher nächtelang für den Klerus schrieb und sein bildnerisches Denken sich wohl über das Schreiben zur Linie hin entwickelte. Dabei ging er ganz radikal zu Werke: Er reduzierte seine Bildsprache auf die Farbe Weiß und die Linie, die er in vielen unterschiedlichen Varianten auf stets überraschend neue Weise umzusetzen wusste. Die ausgestellten Werke aus den verschiedenen Schaffensphasen spiegeln diesen großen Facettenreichtum einmal mehr, denn sie umfassen Tusche- und Graphitzeichnungen auf verschiedenen Bildgründen, Linienbilder aus Holz, aus Bütten, weißtonigem Konfetti, Offsetpapier, aber auch ein Linienrelief und eine Linienskulptur aus Holz.

Andrea Fischer verstand es, den Blick geschickt auf die kleinen Besonderheiten wie die unterschiedlich weißtonigen Konfettischnipsel oder die changierenden Strukturen des Büttenpapiers zu lenken. Dabei wurde klar, dass Weiß unendlich viele Nuancen haben kann und dass Licht und Schatten eine große Rolle spielen. Denn schließlich ist bei diesen Werken ein ruhiges, kontemplatives Schauen gefragt, das in der stillen Betrachtung die kleinsten Feinheiten wie den Schimmer der Farbe, die Oberflächenstrukturen und vieles mehr wahrzunehmen imstande ist.

„EIN-BLICK“ Leo Erb – Werke aus der Schenkung an die Stadt. Zu sehen bis einschließlich 23. August. Kuppelsaal, Rathaus St. Ingbert. Montag bis Mittwoch 8 bis 16 Uhr, Donnerstag 8 bis 18 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr. Die nächste Führung mit Andrea Fischer findet am 18. Juli um 16 Uhr statt.