"Fridays for future" in St. Ingbert mit 200 Teilnehmern

Proteste für eine bessere Zukunft : „Wir sind hier. Und wir sind laut“

„Fridays for future“ in St. Ingbert: Friedlicher Demonstrationszug mit rund 200 Teilnehmern durch St. Ingbert.

Aus Niedergailbach sind sie mit Zug und Bus angereist, um sich einzumischen hinsichtlich einer besseren Zukunft: die junge Studentin Laura und ihre Mutter Claudia. Die beiden haben weder Kosten (rund 15 Euro für die Tickets) noch Fahrzeit gescheut (etwa eine Dreiviertelstunde), um dabei zu sein auf dem St. Ingberter Marktplatz. „Herbizid. Fungizid. Insektizid (...) Diese und andere Umweltgifte haben Sie auf ihrem Demo-Schild aufgelistet. Und am Ende liest man „Suizid“. Nach polizeilichen Schätzungen haben rund 200 Teilnehmer an der jüngsten „Friday for future“-Veranstaltung in der Mittelstadt teilgenommen. Sie sind friedlich an diesem Freitag durch die Straßen gezogen. Um Aufmerksamkeit mussten sie nicht betteln, die kam von selbst.

Die allermeisten Passanten beobachteten ihr Tun mit sichtlichem Wohlwollen, sie zeigten Verständnis für das Anliegen der überwiegend jungen Teilnehmer. Es waren aber auch ein paar ergraute Herrschaften gekommen. Drei von ihnen auf für sie sehr mühsame Art und Weise. Weil sie im Rollstuhl sitzend die Anfahrt mit dem Zug absolvierten. Einer von ihnen, das war Winfried Hoffmann vom Verein „Zukunftswerkstatt Saar“. „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, das steht auf seiner Visitenkarte. Der freundliche Herr und seine ebenso freundlichen Mitstreiter unterstützen die Jugend in ihrem Ansinnen, setzen sich für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein. Und dann war da noch Arno Meyer. Er arbeitet bei einem St. Ingberter Unternehmen. Und wenn er Mittagspause hat, sammelt er täglich und aus freien Stücken – mit Tüte und Zange bewaffnet – all den Müll ein, den andere auf den Boden werfen. Er ist noch nicht lange unterwegs und hat doch schon reichlich Beute gemacht – von der Zigarettenkippe bis zum Nylontütchen.

Oberbürgermeister Hans Wagner kommt mit den jungen Leuten ins Gespräch und macht Fotos, die er später in Facebook posten möchte. Bald-Oberbürgermeister Ulli Meyer ist auch gekommen – mit dem Fahrrad. Mit Beginn seiner Amtszeit im Oktober will er eine Art Klimatag ins Leben rufen, will die Jungen und Mädchen, die sich ins Zeug legen für einen pfleglicheren Umgang mit unserer Erde, einladen und zuschauen, was man vor Ort tun kann gegen den Klimawandel.

„Kohle ist kein Grund zum Anbaggern.“ Dieser flotte Spruch ziert das Schild von Milena (15) und ihren Mitschülern vom Von-der-Leyen-Gymnasium Blieskastel. Will heißen: Wir haben keine Lust mehr auf Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe. Derweil sind sechs Damen und Herren der Ortspolizeibehörde und eine Handvoll Ordner im Protestzug durch die Kommune mit dabei. Der aber bleibt friedlich und teils auch fröhlich. Zum guten Schluss gibt’s noch eine bunte Straßen-Malaktion auf dem Marktplatz vorm Rathaus. Um zu zeigen, dass Straßen nicht nur den Autos, sondern auch anderen Zwecken dienen können.

Viel Applaus unter Gottes Sonne erhielt Professor Gerhard Wenz (Grüne). Er (,,Das erste Mal, dass ich auf einem solchen Event bin“) erzählte dem Nachwuchs unter anderem davon, was alles klimaschonend schon machbar ist und wohin die Reise umwelttechnisch geht. Oder gehen könnte.

Die Sommerferien stehen quasi schon vor der Tür. Und so hatten auch Milena und ihre Klassenkamerade aus Blieskastel kein schlechtes Gewissen, nicht in der Schule gewesen zu sein. Alle Klassenarbeiten haben sie längst geschrieben.

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