Fremder will Kind in Auto locken

Hassel. Es ist der Alptraum aller Eltern: Ein fremder Mann spricht das eigene Kind auf dem Heimweg von der Schule an. Gibt sich freundlich und lädt dazu ein, den jungen Menschen mit dem Auto nach Hause zu fahren

Hassel. Es ist der Alptraum aller Eltern: Ein fremder Mann spricht das eigene Kind auf dem Heimweg von der Schule an. Gibt sich freundlich und lädt dazu ein, den jungen Menschen mit dem Auto nach Hause zu fahren. Was sich aus der Situation entwickeln kann, zeigen Verbrechen wie gerade erst im nordrhein-westfälischen Velbert, bei dem eine Neunjährige schwer verletzt in einem Kanalschacht gefunden wurde. Am Freitag hat die Polizei St. Ingbert einen Fall geschildert, der zeigt, dass Kinder nicht nur in fernen Städten gefährdet sind. Demnach ist eine Elfjährige am Mittwoch in Hassel von einem älteren Herren aus dem Auto heraus angesprochen worden. Gegen 13.05 Uhr befand sich das Kind im Bereich der Straßen "Auf der Schanz"/Bliesstraße/ Sebastianstraße/Moselstraße am Rande des Hasseler Gewerbegebietes auf dem Heimweg von der Schule. Der Unbekannte fragte, wo das Mädchen denn wohne, und wollte sie nach Hause fahren. Die Elfjährige entgegnete "Nein, danke" und bog schnell in eine andere Straße ab.Nach der Beschreibung des Mädchens war der Unbekannte 60 bis 65 Jahre oder etwas jünger, hatte kurz geschnittene grau-weiße Haare, schmale Figur mit auffallend schmalem und faltigem Gesicht. Er sprach hochdeutsch. Weiter muss er sehr groß sein, da er mit dem Kopf nach Auskunft des Kindes fast an das Autodach stieß. Er fuhr einen kleinen dunkelblauen Pkw mit vier Türen, wobei die Sitzbezüge im oberen Bereich ein auffallend buntes Muster aufwiesen.Jörg Steinbach von der St. Ingberter Kriminalpolizei erläutert auf Nachfrage der SZ, die Polizei nehme die Aussage des Mädchens sehr ernst. Solche Fälle habe es in den vergangenen Jahren immer mal wieder gegeben, die Polizei prüfe sie eingehend. Meist seien solche Situationen im Nachhinein aber erklärbar und harmloser Natur. Steinbach betont: "Dieser Fall ragt allerdings heraus."In der Familie des betroffenen Kindes hat der Vorfall vom Mittwoch große Besorgnis ausgelöst. Die Mutter sagt: "Sie hat ganz ruhig angefangen zu erzählen. Ich wusste schon, was kommt, bevor sie zu Ende gesprochen hatte." Gemeinsam mit dem Kind habe sie die Gegend abgefahren, um eventuell den Unbekannten zu finden. Zudem informierte sie umgehend die Polizei. Die Familie habe einen großen Schreck. Die Tochter sei schockiert, gerade, weil sich der Mann ihr doch so freundlich genähert habe. Die Mutter erläutert weiter: "Bei uns in der Familie gibt es klare Abmachungen. Wenn etwas anders ist als besprochen, rufen mich die Kinder direkt auf dem Handy an. Genauso ist es umgekehrt." So seien alle immer informiert. Bei aller Freude über den glimpflichen Ausgang der Geschichte ist sie beunruhigt: "Es hat ein Gespräch stattgefunden. Das war eigentlich schon zu viel." Wer fremd sei, wurde in der Familie jetzt noch einmal betont, dürfe erst gar keine Antwort bekommen. Kriminalhauptkommissar Steinbach bekräftigt, es gelte, Kinder stark zu machen und sie auf solche Gefahrensituationen vorzubereiten, ohne dabei Angst zu machen. Die Hasseler Mutter möchte - auch zur Aufarbeitung des Geschehenen - mit ihrer Tochter einen Selbstbehauptungskursus besuchen. Hinweise an die Polizei unter Tel. (06894) 10 90. "Sie hat ganz ruhig angefangen zu erzählen. Ich wusste schon, was kommt, bevor sie zu Ende gesprochen hatte." Die Mutter der Elfjährigen

Kinder brauchen Selbstvertrauen

Von SZ-Redakteur Michael Beer Kommt bei uns nicht vor, möchte man denken, wenn wieder eine schlimme Nachricht über Kindesentführung oder -missbrauch durch die Medien geht. Weil es so ein ungreifbarer und zugleich tief greifender Schrecken ist, der mit dem Gedanken verbunden ist. Kann bei uns genauso wie überall geschehen, muss man sich allerdings klarmachen. Und als Eltern die richtigen Schlüsse ziehen. Das Hasseler Mädchen hat in der offensichtlichen Gefahrensituation gut reagiert und das Gespräch mit dem Fremden schnell abgebrochen, ehe die freundlichen Worte vielleicht doch Wirkung zeigen konnten. Damit dies jedem Kind gelingt, müssen Eltern besonders das Selbstvertrauen ihres Nachwuchses fördern. Spezielle Kurse können Hilfestellung leisten. Nur so sind solch schlimme Vorfälle möglichst zu vermeiden.