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„Frauen in Uniform waren für viele ein Unding“

„Frauen in Uniform waren für viele ein Unding“

Traumjob Polizei: Schon mit 16 wollte Katja Heckmann unbedingt zur Polizei. Das ging aber nur über Umwege. Anfangs waren Frauen in der Polizei alles andere als selbstverständlich.

Katja Heckmann wollte schon immer zur Polizei . "Draußen unterwegs sein, mit Menschen zu tun haben, und nicht wissen, wie der Tag zu Ende geht", beschreibt die gebürtige Saarländerin ihren Traumjob. Und: "Eigeninitiative ergreifen können." Die 54-Jährige aus St. Ingbert macht ihren Job auch nach mehr als 30 Berufsjahren noch immer mit Begeisterung. Seit kurzem steht sie an der Spitze des Polizeireviers in Frankfurt-Rödelheim. Damit ist sie die erste Chefin eines der 33 Polizeireviere in Hessen.

Landesweit ist mehr als jeder fünfte Beamte im Vollzugsdienst weiblich. Unter den 43 Polizisten, die im 11. Revier bei Heckmann arbeiten, sind nur 5 Frauen. Die Erste Polizeihauptkommissarin ist aber überzeugt, dass es noch mehr werden. Gemischte Teams seien inzwischen selbstverständlich und der Führungsstil transparenter und weniger hierarchisch.

Als Heckmann mit 16 Jahren die Realschule abgeschlossen hatte und in den ersehnten Polizeiberuf wollte, wurde ein abgeschlossenes Studium verlangt. Außerdem war sie zu jung. "Ich wollte aber arbeiten und nicht Abitur machen und studieren." Sie lernte Krankenschwester und fand bald in der Neurochirurgie der Universitätsklinik in Freiburg einen Job. "Da kam dann wieder der Wunsch mit der Polizei ."

Als Krankenschwester konnte sie auch ohne Abitur zur Polizei . Weil es an der Landespolizeischule in Baden-Württemberg einen Einstellungsstopp gab, bewarb sie sich in Hessen und in Bayern und machte in beiden Ländern auch die Aufnahmeprüfung. Hessen war schneller: "Ich habe sofort zugesagt und das nicht bereut."

Im zweiten Frauenlehrgang bekam Heckmann 1982 einen Platz. "Unser Ausbilder hat uns eingetrichtert, dass wir uns bewähren müssen, sonst würden danach keine Frauen mehr eingestellt", erinnert sie sich. "Für die ersten Frauen war das schwer in einer reinen Männerdomäne: Die Kollegen sahen ihre Pfründe wegschwimmen und fühlten sich nicht mehr so frei." Aber auch außerhalb der Polizei erlebte sie immer wieder: "Frauen in Uniform waren für viele ein Unding."

Im Polizeidienst habe sie manchmal gedacht: "Das ist so etwas ähnliches, wie eine Krankenschwester." Wenn sie etwa mit hilflosen älteren Menschen zu tun hatte und ihnen erstmal ein Brot geschmiert habe, weil sie sonst gar nichts gegessen hätten. Heckmann mag den Kontakt mit Menschen. "Es ist wichtig, dass man sich kennt und miteinander spricht", sagt sie über ihren Job im Revier.

Als "engagierte, kommunikative" und "unverändert begeisterte Polizistin, die gleichermaßen Entschlossenheit und Empathie ausstrahlt", beschreiben die Frankfurter Grünen-Politikerinnen Ursula auf der Heide und Jessica Purkhardt die "Pionierin" Heckmann.

22 Jahre hat Heckmann im Schichtdienst gearbeitet, in Hanau und in Frankfurt. "Ich habe gerne Schichtdienst gemacht." Im normalen Tagesdienst habe sie in den ersten Monaten Probleme gehabt, sich umzustellen. "Ich kam auf einmal mit meiner Zeit nicht mehr hin." Dann habe sie aber auch gemerkt, dass der Schlaf viel erholsamer sei.

Kinder hat Heckmann, die mit einem Kripobeamten verheiratet ist, nicht. "Wir haben beide viel zu gerne gearbeitet." Schwangere Frauen hätten in der Polizei früher oft aufgehört. "Inzwischen nehmen immer mehr Kollegen Elternzeit in Anspruch. Das tut auch den Männern gut."