Diese St. Ingberterin frisiert die Leute seit mehr als 50 Jahren Frisuren kamen und gingen - Uschi Jung blieb

St Ingbert · Die 66-jährige Haar-Stylistin „von der Schmelz“ hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Modetrends mitgemacht.

 Friseurmeisterin Uschi Jung in ihrem Salon in St. Ingbert.

Friseurmeisterin Uschi Jung in ihrem Salon in St. Ingbert.

Foto: BeckerBredel

Gerade läuft eine Serie im deutschen Fernsehen: „Ku’damm 63“. Und schon stellt sie sich bei vielen Zuschauern ein: die Erinnerung. Die Erinnerung an die 1960er Jahre. Der Zeitgeist, die Mode und – die Frisuren. Das trifft sich gut. Denn wir hatten neulich eine fröhliche wie aufschlussreiche Begegnung mit Uschi Jung aus St. Ingbert. Adlig sei sie und lacht, denn sie stammt „von der Schmelz“. 1969, also vor 52 Jahren, begann sie ihre Lehre im Friseurhandwerk, seit vielen Jahren ist sie selbstständig. Und mittlerweile geht sie solo zu Werke – in ihrem schicken wie gemütlichen Salon in der Helmut-Becker-Straße.

Und was hat sie nicht alles miterlebt: Afrolook, lange Zöpfe, mal glatt, mal gewellt, der Bob, den Dutt, den heute auch junge Männer tragen, den Pagenkopf und – das Modell Vokuhila: vorne kurz und hinten lang. Alles mal dagewesen, doch  nicht jede Variante ist der Wunschtraum einer Friseurin. Die hieß früher mal Friseuse. Sagt aber niemand mehr. Ist völlig out.

Uschi Jung selbst trägt eine modische Kurzhaarfrisur. Weiß aber sehr viel zu erzählen aus Zeiten, da die Köpfe der Damen und Herren noch ganz anders gestylt waren. Und die Frisurenmode noch eine völlig andere. Schon sind wir beim Thema Hochsteckfrisur. Und bei anderen Themen, die sie über Jahrzehnte begleiteten. Wir reden über die berühmte Dauerwelle („nach 14 Tagen im Beruf habe ich die schon gemacht“), die bis zu drei Monate in Form bleibt und über die Wasserwelle, die das gerade bis zur nächsten Haarwäsche schafft. Wir reden über die Leidenschaft der 66-Jährigen, die schon in der siebten, achten Klasse ihre Freundin frisierte, und die Nachbarschaft das Ergebnis begutachtete. Man sei da von Haustür zu Haustür gelaufen, habe geklingelt und gesagt: „Guckn emool.“ Auch ihr Bruder habe sich mal hinsetzen müssen und bekam einen Haarschnitt verpasst. Mit dem Ergebnis, dass er „mit da Kapp schloofe gang iss.“ Tja, manchmal gibt es auch mal einen künstlerischen Ausrutscher. Die Jugend darf das.

Und schon sind wir wieder bei der Hochsteckfrisur. Eine Kunst für sich. Damit kann man auch dünnem Haar ordentlich auf die Sprünge helfen. Wobei die Raffinesse darin besteht, das toupierte Gebilde mit Nadeln und Klämmerchen so zu stylen, dass man eben diese nicht mal im Ansatz sieht. Das kann Uschi Jung formvollendet. Dann erinnert sie  noch an die Zeit, als Ende der 60er bis etwa Mitte der 70er Jahre auch noch Haarteile festgesteckt wurden und dieses quasi mit dem Echthaar  verschmolz.  Das Volumen auf dem Kopf sorgte für Aufsehen. „Steckfrisuren waren mein Steckenpferd“, sagt Uschi Jung und schmunzelt, „das war die schönste Zeit.“ Da aber in der Mode alles Mögliche wiederkommt, so erlebte auch diese Variante eine Renaissance. Heute etwa beim Abiball und beim Tanz-Abschlussfete, für die sich die jungen Frauen extra schick herausputzen. Bei Hochzeiten spielen solch aufwendige Frisuren eh eine tragende Rolle.

Heutzutage, sagt unsere Gesprächspartnerin, neigen Kundinnen und Kunden im Alltag zu weniger Aufwand, pflegeleicht und glatt soll es sein, schnell soll es morgens gehen beim Frisieren im Bad, das sei ja auch der Berufstätigkeit geschuldet. Und dann war da noch die „Waschlappen-Generation“. Jungs, die mit dem Stylen nichts am Hut hatten. Kein Gel kein nichts, quasi nur mal mit dem nassen Waschlappen übers kurze Haar und fertig. Das hat man zwar noch vereinzelt,  doch heutzutage gibt es viele junge Männer, die sich teils mehr Arbeit mit ihrem Aussehen oberhalb des Halses machen als die Mädchen.

Ob blond, ob Aschtöne oder rot: alles kommt und geht. Zu Anfang ihrer Selbstständigkeit, so die Friseurin, seinen die „Alkoholiker-Töne“ sehr gefragt gewesen: Töne, die nach Weinen benannt sind: Beaujolais, Chianti, Bordeaux…

Zum guten Schluss reden wir noch über Uschi Jungs Langzeitkunden. Da gibt es einige, die sie schon seit mehr als 40 Jahre beehren. Die ihr die Treue halten, die teils aus Kusel, Berlin und München angereist kommen, weil sie auch noch einen Bezug zum heimatlichen St. Ingbert haben. Das freut die 66-Jährige sehr. Und das ist auch mit ein Grund, warum sie noch lange nicht den Kamm an den Nagel hängen will. 

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