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Franz Baumann aus Rohrbach lief 800 Kilometer auf dem Jakobsweg

Jakobspilger : Rohrbacher war mal sechs Wochen weg

Franz Baumann lief 2017 mehr als 800 Kilometer auf dem Jakobsweg, um nach dem Tod seiner Frau „mal wieder was anderes zu machen“. Er kam als anderer Mensch mit vielen Erlebnissen im Gepäck zurück.

Die Gründe, sich auf den Jakobsweg zu begeben und wie Hape Kerkeling einfach mal fort zu sein, sind so verschieden wie die Menschen, die ihn gehen. Bei Franz Baumann war es ein Schicksalsschlag. Eigentlich hatten sich der Rohrbacher und seine geliebte Frau Gerdi vorgenommen, Teile dieses seit 1993 zum Unesco-Welterbe gehörenden Weges in ihrem Rentnerdasein gemeinsam zu gehen. Doch bevor der Plan in die Tat umgesetzt werden konnte, erkrankte die Ehefrau schwer. Im Februar 2017 wurde sie von ihrem Leid erlöst. Eine schwere Zeit für den damals 68-Jährigen. Doch einige Monate später reifte in ihm der Plan, sich allein auf den Camino Frances zu machen, einen mehr als 800 Kilometer langen Abschnitt des Weges, der im Süden Frankreichs beginnt und durch Nordspanien bis Santiago de Compostela führt. Bevor er im August und September 2018 zu dieser Tour aufbrach, mussten viele Dinge erledigt werden. Die Buchung des Zuges, Studium von Kartenmaterial und Reiseführern, das Erstellen der Packliste, das Beantragen des Pilgerausweises und vieles mehr. Außerdem trat er im September 2017 der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland bei und unternahm mit ihr schon einige Wanderungen auf Teilabschnitten des legendären Jakobsweges.

Und dann ging es Mitte August 2018 wirklich los. 41 Tage pilgerte Franz Baumann durch heiße, staubige Ebenen, über Berge, aber auch vorbei an Weinbergen, fruchtbaren Landschaften und interessanten Städten. In seinem Tagebuch hielt er wichtige Etappen und Erinnerungen fest. Und es zeigte sich, dass ein Pilger nicht viel braucht. Mit 12 Kilogramm Gepäck zog Baumann los. Nahrungsmittel wurden unterwegs gekauft, aber auch in den Herbergen gab es Frühstück oder ein Pilgermenü. Es gab Erlebnisse und Begegnungen mit vielen Kulturorten und vor allem „vielen glücklichen und freundlichen Menschen“, wie Baumann sagt, die alle nach Ruhe, Besinnung oder einer besonderen Nähe zu Gott suchen. Solche Bekanntschaften gab es auch für Franz Baumann auf den 850 Kilometern seiner zu Fuß zurückgelegten Strecke viele. Er genoss die Gemeinsamkeit in den Pilgerherbergen und berichtet von tollen Gesprächen und herzlichen Momenten mit Menschen jedes Alters und jeglicher Konfession aus allen Ecken der Welt. Dabei spricht der 69-Jährige keine Fremdsprache. Mit Händen, Füßen, einem Lächeln oder dem Übersetzerprogramm aus dem Internet war man sich schnell nah, verbrachte Tage, Abende und kurze Wegstrecken miteinander, bevor man sich müde in den Schlafsack zurückzog.

Unterwegs besichtigte er in seinem ersten großen Ziel, der Stadt Burgos, die Kathedrale mit integriertem Hühnerstall. So etwas kannte er nicht. Begeistert berichtet er in seinen Aufzeichnungen auch von der Kathedrale in Leon mit ihren 1800 Quadratmetern Fensterfläche oder einem berührenden Moment am 19. Tag seiner Reise zu sich selbst. An jenem Tag berichtete man sich in der Herberge gegenseitig über die Gründe des Pilgerns. Als Franz Baumann von seiner Frau erzählt, sind sich alle schnell einig, den Gottedienst am kommenden Tag ihr zu widmen. „Ich verstand kein Wort der Predigt, aber das musste ich auch nicht. Mein Herz schien jedes Wort zu begreifen und keinerlei Sprache zu benötigen“, schreibt er in seinen Aufzeichnungen. Tränen und Lachen lagen auf dem Weg nah beieinander. Für seine Frau sang er jeden Tag, sie war in Gedanken immer dabei. Auf den Pilgerpfaden lernte der Rohrbacher viel über sich und das Leben: „Ich habe gelernt, dass du noch lange weitermachen kannst, nachdem du dachtest, es geht nicht mehr.“ Da steigen in ihm Erinnerungen auf an die erste Etappe mit ihrem atemraubenden Anstieg. Und es gibt Erinnerungen an Abschnitte in der Hochebene Meseta, auf die die Sonne unerbittlich schien. Aber er schaffte die Tour ohne größere Blessuren und schämte sich der Tränen nicht, als er endlich in Santiago de Compostela ankam und die Pilgerurkunde bekam. Auf seinem Weg kam er zu der Erkenntnis, „dass mein Leben weitergeht“ und man „seinen eigenen Weg gehen muss“. Er fühlte sich gut aufgehoben „auf dem Weg zwischen Himmel und Erde“. Jeden Tag, jede Stunde und jeden Moment im Leben gelte es intensiv und bewusst wahrzunehmen und zu genießen.

Das nimmt Franz Baumann für sein künftiges Leben von der Tour mit. Er sei ruhiger geworden, rege sich nicht mehr über Kleinigkeiten auf, sei aber auch süchtig geworden. „Camino-süchtig“ nennt das eine Weggefährtin. Baumann nickt nur und erzählt, dass er sich auch 2019 wieder auf den Weg machen will, diesmal soll es der Jakobsweg in Portugal sein.

Franz Baumann berichtet am heutigen Donnerstag, 4. April, in Film und Bild über seine ganz persönliche Tour auf dem Jakobsweg. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Rohrbacher Jugendheim.