Festo-Lernzentrum eröffnet Lernfabrik in Rohrbach

Ausbildung bei Festo in Rohrbach : Mit einer Lernfabrik in die Zukunft

Das Festo-Lernzentrum hat seine Angebote weiter modernisiert und erweitert. Zur Eröffnung gab es einen Festakt.

Seit 25 Jahren versteht sicht das Festo-Lernzentrum in Rohrbach als Dienstleister und Partner in Sachen Bildung für das Saarland. Als Anbieter von Personal- und Organisationsentwicklung für Unternehmen aller Branchen, Institutionen, Mitarbeiter und Privatpersonen will das Lernzentrum einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Region leisten. Seinen bisherigen Angeboten hat Festo jetzt mit einer Lernfabrik ein weiteres hinzugefügt. Bei deren Eröffnung gab es viel Lob für dieses Engagement des Unternehmens. „Das Festo-Lernzentrum ist ein Leuchtturm in der industriellen Landschaft des Saarlandes“, so etwa Staatssekretär und St. Ingberts Oberbürgermeister Ulli Meyer (CDU). „Hier wird Großartiges geleistet. Man hat die Züge der Zeit verstanden.“ Diese Erkenntnis sei im Festo-Lernzentrum in feste organisatorische Strukturen gegossen und in den vergangenen 25 Jahren konsequent gelebt worden.

Das Konzept des lebenslangen Lernens war von Anfang an Grundlage in der Firmenphilosophie. Getreu diesem Motto hat sich das Festo-Lernzentrum in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt, neue Standorte erschlossen und seine Produktpalette kontinuierlich erweitert. Diese Entwicklungen gipfeln nun in die Gründung der Lernfabrik Saar, deren Eröffnung zusammen mit dem Jubiläum des Lernzentrums in einem großen Festakt gefeiert wurde.

Schon länger gab es die Idee, im Festo Lernzentrum eine Lernfabrik zu realisieren. „Die konsequente Kombination von Theorie und Praxis ist seit jeher ein Eckpfeiler in der Ausrichtung des Festo Lernzentrums“, erläutert der Leiter des Festo-Lernzentrums, Alfred Ermers. Die Idee der Lernfabrik bestehe darin, die industrielle Umgebung möglichst realitätsnah abzubilden, aber auch Freiräume für Neu- und Umgestaltungsprozesse zu gewährleisten und so praktische Erfahrungen in den Lernprozess einfließen zu lassen. Es gehe dabei nicht nur um den Erwerb von vorgegebenem Wissen, sondern auch um die Ausbildung von methodischen Kompetenzen, wie zum Beispiel praktische Problemlösung oder Kreativitätsentfaltung. „Mit der Lernfabrik haben Sie die nächsten 25 Jahre Zukunft im Visier. Es gibt Trends, die finden statt – ob mit oder ohne uns. Nur wer diese Trends vorantreibt, kann davon profitieren.“, betonte Ulli Meyer beim Festakt.

Um Unternehmen durch den Umwandlungsprozess in der Automobilindustrie und durch die Veränderungen, die die fortschreitende Digitalisierung mit sich bringt, zu begleiten, entstand die Festo-Lernfabrik. Zwei Millionen Euro wurden investiert, um auf einer Fläche von 320 Quadratmetern zwei großzügig gestaltete und modern ausgestattete Trainingsräume zu bauen. In der Lernfabrik werden Modellarbeitsplätze nachgebildet, an denen Mensch und Roboter Hand in Hand zusammenarbeiten. Die Lernfabrik sei zudem bewusst als offenes System konzipiert, das es ermöglicht, eine flexible Umgebung für Lernprojekte zu sein. Im Sinne von Projekten sind dabei Rollen, fachliche Ziele, zeitliche Rahmenbedingungen, Umgebung und Lernformen wandlungsfähig. Das heißt auch, dass sich die Lernfabrik kontinuierlich weiterentwickeln und anpassen wird und selbst ein lernendes System darstellt. Themenschwerpunkte sind die beiden Bereiche „Industrie 4.0“ und „Lean/OPEX“, wobei OPEX für Operational Excellence steht, was bedeutet, Strukturen, Prozesse und Verhaltensweisen im Unternehmen so auszurichten, dass eine lernende, sich kontinuierlich verbessernde Organisation entsteht. In der OPEX-Lernfabrik würden Mitarbeiter und Führungskräfte in reellen Arbeitssystemen und Simulationen dazu befähigt werden. Der Industrie 4.0-Raum dient dagegen zur Qualifizierung und als Experimentierumfeld. Digitalisierung in der Produktion und für die Produktion soll begreifbar und erlebbar gemacht werden.

1994 begann die Erfolgsgeschichte des Festo Lernzentrums in St. Ingbert-Rohrbach; damals auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern mit sechs Beschäftigten. 25 Jahre später ist die Belegschaft auf 49 Mitarbeiter angewachsen. Die Fläche des Festo-Lernzentrums hat sich mehr als verdoppelt und umfasst nun rund 6100 Quadratmeter (davon 1700 Quadratmeter Lehrwerkstatt und etwa 300 Quadratmeter Lernfabrik). An über 750 000 Teilnehmertagen wurden Kunden im Rahmen von Seminaren, Lehrgängen und Workshops geschult. Wilfried Stoll, Gesellschafter von Festo, ist sich sicher: „Der Wettbewerb der Zukunft wird in den Bereichen Bildung und Wissen ausgetragen.“ Getreu diesem Motto hat das Festo-Lernzentrum insgesamt 896 Auszubildende seit seiner Gründung qualifiziert. Aktuell werden 108 Auszubildende in elf verschiedenen Berufsbildern von einem Team aus zehn Ausbildern betreut und fast 1000 Teilnehmer sind momentan im Rahmen einer Qualifizierung unter Vertrag. „Die Kunden optimal zu unterstützen ist und bleibt unser Ziel“, erläutert Ermers.

Ausbilder Andreas Conrad (rechts) erläutert Wilfried Stoll (2. von rechts) und weiteren Gästen die Ausstattung der neuen Lernfabrik. Foto: Michael Fritz

In den vergangenen 25 Jahren hat das Festo Lernzentrum stetig den Strukturwandel im Saarland begleitet. „Als wir das Festo Lernzentrum vor 25 Jahren gegründet haben, war der Strukturwandel bei Kohle und Stahl das Schlüsselthema im Saarland“, erklärt Stoll. So führte das Festo Lernzentrum in der Vergangenheit beispielweise Umschulungsmaßnahmen von Bergleuten und Stahlarbeitern durch. „Die Transformation in der Automobilindustrie durch Digitalisierung und E-Mobilität bringen jetzt einen enormen Handlungsdruck“, so Stoll. Die Landesregierung im Saarland sah damals und sieht auch heute Qualifizierung als wichtiges Instrument zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und Weiterentwicklung der Region.

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