Fehlleistungen und Seite 1

Der ehemalige Oberste Bundesrichter der USA, Earl Warren, hat mal einen bemerkenswerten und oft zitierten Satz gesagt. „Ich lese den Sportteil der Zeitung immer zuerst, denn er verzeichnet menschliche Leistungen.

Auf den ersten Seiten stehen nur die Fehlleistungen", meinte der Jurist und Politiker. Allerdings wissen wir auch: Ohne Verlierer keine Gewinner. Ohne Tabellenletzten keinen Tabellenführer. Und ohne Fehler passieren keine Tore. Fehler machen menschlich. Das gilt auch und gerade für Torhüter. Wenn die nämlich patzen, ist das Ding drin.

Das erlebte am Wochenende auch Oliver Baumann vom SC Freiburg. Der packte kurz entschlossen alle Fehler, die ein Torwart so machen kann, in die 90 Minuten des Bundesliga-Heimspiels gegen den Hamburger SV. Drei schlimme Fehler, drei Tore, 0:3. Torwart-Drama, stand in den Zeitungen.

Und was tat Baumann danach, wo sich die meisten anderen versteckt hätten? Er ging zu den Fans. Die feierten ihn. Er stellte sich den Journalisten. Die waren beeindruckt. Denn im Normalfall hält Baumann glänzend.

Vor rund vier Wochen hatte der 23-Jährige seinen Vertrag im Breisgau vorzeitig bis 2017 verlängert. Obwohl er woanders viel mehr Geld verdienen könnte. Emotionstrainer Christian Streich war gerührt. Wir sind es irgendwie auch. Und fordern: Baumann sollte in den Sportteil. Nicht auf die Seite 1.

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