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Fastnachtsaktion der „Maulesel“ Oberwürzbach

KV „DieMaulesel“ Oberwürzbach : Ein wenig Straßen-Fastnacht gab es doch

Statt Rathaussturm und Rosenmontagsumzug verteilten die „Maulesel“ am Samstag in Oberwürzbach Tütchen mit „Wurfmaterial“.

Es gibt sie doch noch: Die Fasenacht! Und das trotz Corona-Einschränkungen in diesem Jahr. Wir haben sie in Oberwürzbach gefunden. Samstagvormittag, gegen 11 Uhr in der Dörrenbachstraße. Es ist mit minus 3 Grad, bitter kalt. Dafür verwöhnt Petrus mit knalligem Sonnenschein. Von weitem schallt einem der Fastnachtsschlager „Cordula Grün“ entgegen. Vor einem Haus befinden sich rund 30 Menschen. Alle sind verkleidet und tragen den obligatorischen Mund-Nasen-Schutz. Die Leute vom Karnevalsverein „Die Maulesel“ Oberwürzbach haben es nicht leicht: Einerseits halten sie die Abstandsregeln ein. Zum anderen müssen sie sich besprechen und Säcke mit geheimnisvollem Inhalt abholen. Irgendwie kriegen sie es dennoch alle hin. Denn sie haben eine Mission.

Die Karnevalisten werden in 13 Straßen des St. Ingberter Stadtteils an den Haustüren klingeln und 1030 Tüten verschenken. Der Inhalt: Chips, Schokoriegel, Kokosbällchen, Popcorn und der Flyer mit dem Text „Wir sagen: DANKE. Ohne eure Unterstützung würde es keinen Rosenmontagsumzug geben. Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr wieder durchstarten können, KVO Die Maulesel“. Eigentlich alles, was sonst beim Umzug geworfen worden wäre. Doch der findet bekanntlich nicht statt. Fazit: Kommen die Leute nicht zum Fastnachtsumzug, kommen die Fastnachter eben zu den Leuten.

„Macht Ihr die Rittersmühle?“, fragt Annette Matheis zwei Karnevalisten. Die Elferratspräsidentin hat organisatorisch alle Hände voll zu tun. Vor ihrem Haus stehen, nach Straßenzügen sortiert und entsprechend beschriftet, Säcke, in denen die einzelnen Tüten sind. Faboozte Kleingruppen mit zwei Personen, auch hier wird auf die üblichen Regeln geachtet, packen alles auf ihre Bollerwagen oder andere Transportmittel, und dann geht es los. Manche haben Hochprozentiges dabei und wärmen sich so von innen. Um 11.11 Uhr machen sich die Gruppen, immer wieder „Alleh hopp“ rufend, mit Abstand auf den Weg. Angesichts des ungewöhnlichen Erscheinungsbildes, der lauten Musik und der geballten Ladung Mensch kommen Nachbarn ans Fenster. „Ach Gott, wie scheen. Dass iss jo wie wenn Umzuch wär‘“, entfährt es einer Seniorin. In der Tat: Wenn man es nicht wüsste und sich Zaungäste und Wagen dazu denken würde, könnte man meinen, der närrische Lindwurm ziehe durch die Straßen. Jeder hat Musik dabei. Und so fallen die vielen Kleingruppen an diesem Tag gut auf. „Ich finde das eine tolle Idee. So wird die Fastnacht nicht vergessen“, freut sich ein Mann in der Hauptstraße.

Und dann war da noch eine Besonderheit: Die kleine Mia Fischer, die bei ihrer Mutter in Hamburg lebt, kam eigens angereist, um mitzugehen und um Fastnacht im Saarland zu feiern. Das freute ihren Papa, Marc Fischer, sehr. „Ich finde es ganz gut“, meinte die Schülerin. Auch die Mädchen der Juniorengarde ließen es sich nicht nehmen, bei der Aktion mitzumachen. Hannah Uhl und Jule Philipp verteilten ebenfalls Maulesel-Tütchen. „Normalerweise wären wir jetzt beim Rathaussturm“, meint Annette Matheis im Gespräch mit unserer Zeitung etwas nachdenklich. „Jeder hat sich gefreut, endlich raus zu dürfen, Alleh hopp zu rufen und was zu machen“, blickte sie dann erfreut zurück. Eigentlich war geplant, dass man auch Tänze aufführt sowie Samstag und Sonntag im Ort unterwegs ist. Doch das ließ sich mit den aktuellen Bestimmungen nicht vereinbaren. Somit beschränkt man sich auf die Übergabe der Tüten.

Wenn jemand nicht zu Hause ist, wird das Behältnis an den Türgriff oder vor die Tür gestellt. „Das schaffen wir an einem Tag“, ist sich die Vizevorsitzende der „Maulesel“ sicher. Der Fastnachtssamstag ist dem Verein nicht fremd. Da sammelt man sonst von Tür zu Tür normalerweise Spenden für den Umzug an Rosenmontag. Dass der ein oder andere Oberwürzbacher dennoch Geld spendete, freut sie umso mehr.

Das Jubiläum 5 mal 11 Jahre KVO, das die Maulesel in diesem Jahr feiern wollten, werden sie nachholen müssen.