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Familie Bamberg aus St. Ingbert hat den Sport im Blut

Portrait einer St. Ingberter Sportfamilie : Ohne Sport geht bei den Bambergs nix

Die vierköpfige St. Ingberter Familie ist vielfältig engagiert: Minigolf, Fußball, aktive Spieler, Funktionäre, Trainer, Schiedsrichter. Ein Portrait.

Der Sport nimmt im Leben des 58-jährigen St. Ingberters Michael Bamberg eine große Rolle ein. Seine Eltern waren Binnenschiffer. „Somit hatte ich meine Kindheit bis zur Einschulung bei meinen Eltern auf einem Saarkahn verbracht. Damals bereisten wir Flüsse und Kanäle in Deutschland, Frankreich, Belgien sowie Holland“, erklärt Bamberg und ergänzt: „Mit meiner Einschulung in der Hauptschule Klarenthal wurden meine Großeltern sesshaft, so dass mir ein Heim für Schifffahrt-Kinder erspart blieb. Die Ferien habe ich dann wieder auf dem Schiff verbracht.“

Der gebürtige Saarbrücker absolvierte nach der Schulzeit beim Fernmeldeamt seiner Heimatstadt eine Lehre zum Fernmeldehandwerker. Bamberg gehört mittlerweile seit 43 Jahren der Telekom als Sachbearbeiter Planung an. Zur Familie gehören neben seiner Frau Gabriele die 1999 beziehungsweise 2003 geborenen Söhne Dennis und Sascha. Der ältere Sohn studiert Lehramt Sport/Chemie, während Sascha Bamberg ein Gymnasium besucht.

Michael Bamberg ist ein guter Minigolfspieler und -trainer. Foto: tefan Holzhauser

Die sportliche Laufbahn des St. Ingberters begann beim TV Klarenthal. Dort spielte er in der Schüler- und Jugendmannschaft Faustball. „Es gab mehrere Saarlandmeisterschaften. Und sportlicher Höhepunkt war die süddeutsche Vize-Meisterschaft mit der Jugendmannschaft“, blickt der heute 58-Jährige zurück. Doch dann sei er über den Schulsport und Hobbymannschaften mit dem Fußball-Virus infiziert worden. So ging es bei den C-Junioren beim SV Klarenthal weiter. Diesem Verein hielt er bis zum Aktivenbereich die Treue und betreute erstmals eine E-Jugendmannschaft. Nach dem Wechsel zum SV Scheidt erlitt er in seiner ersten Saison einen Kreuzbandriss. „Leider wurde dieser nicht erkannt und folglich nicht richtig behandelt. Somit war die Aktiven-Fußballkarriere schnell beendet“, bedauert Bamberg.

Es sollten sportlose Jahre folgen, ehe ein zufälliges Minigolfspiel 1989 im Urlaub in der Lüneburger Heide das Blatt wendete. Er hatte Gefallen an dieser Sportart gefunden und suchte in seiner saarländischen Heimat nach einer Minigolfanlage. Über die erfolgreiche Teilnahme an Publikumsturnieren wurde er 1991 Mitglied beim 1. CKF Dudweiler. „Von nun an war ich fast täglich auf der Minigolfanlage. Ich hatte auch immer mehr Minigolfbälle. Und 1998 gab es den ersten Landesmeistertitel. Fünf weitere folgten“, berichtet der Saarländer.

Michael Bamberg mit vielen seiner national und international errungenen Medaillen. Foto: Stefan Holzhauser Foto: Stefan Holzhauser

1995 gab es in dieser Sportart mit dem Wechsel in die Herrenmannschaft des BGC Merchweiler den nächsten Schritt. Auf Anhieb gelangen die Meisterschaft und der Aufstieg in die Bundesliga. Nach einem weiteren Wechsel nach Bliesen folgte die nächste Meisterschaft in der Regionalliga, was mit dem Aufstieg in die neu gegründete 2. Bundesliga einherging. 2001 klingelte das Telefon. „Der amtierende Luxemburger Meister 1. MGC Ro‘de L‘ew unterbreitete mir ein Angebot, das ich annahm. Es folgten dort fünf wundervolle Jahre mit vielen internationalen Turnieren. Drei Mal durfte ich dank einer Sondergenehmigung sogar in der Luxemburgischen Nationalmannschaft auflaufen“, sagt Bamberg. Der Höhepunkt sei jedoch der Gewinn der Luxemburger Meisterschaft 2004 gewesen. Damals habe der Saarländer sogar den amtierenden Europameister auf dessen Heimanlage bezwungen. 2006 folgte die Rückkehr nach Deutschland. Weiter ging es beim 1. MGC Mainz, wo es einige Bundesligaeinsätze gab. Erst 2010 war mit der Aktiven-Minigolfkarriere Schluss, da sich Bamberg intensiver um seine beiden Söhne kümmern wollte.

Darüber hinaus gibt es auch den Minigolffunktionär Bamberg. Er ist seit 1995 Mitglied beim 1. MGC Saar 68 St. Ingbert und führt diesen Verein seit 2001 mit Ausnahme einer zweijährigen Unterbrechung als 1. Vorsitzender an. Der Verein hatte in den 90er Jahren in seiner Hochzeit über 100 Mitglieder saarlandweit. Hinzu sei jährlich ein internationales Turnier mit Teilnehmern aus Europa ausgerichtet worden. „Nach dem Tod der Besitzer der Anlage begannen für den Verein schwere Zeiten. Mit jedem neuen Pächter gab es einen Rückschritt. Mehrere Versuche scheiterten, mit der Stadt St. Ingbert eine Lösung zu finden. Die Anlage wurde von den Betreibern vernachlässigt, so dass sie als Wettkampfanlage nicht mehr taugte“, berichtet der St. Ingberter. Außerdem hätten sich die finanziellen Forderungen der Pächter und die Möglichkeiten des Vereins so weit auseinander entwickelt, dass man nun ohne Sportstätte dastehe. „Die aktiven Spieler haben sich auf andere Vereine verteilt. Die Mitgliederzahl hat den einstelligen Bereich erreicht. Viele Pläne, die uns im Bezug zur Umgestaltung der Gustav-Clauss-Anlage seitens der Politik vorgestellt wurden, lassen uns hoffen, mittelfristig den Verein aus seinem Koma-Dasein erwecken zu können“, berichtet der 58-Jährige. Auch seine Frau Gabriele wurde mit dem „Virus Minigolf“ infiziert.

1997 war Michael Bamberg erstmals als Trainer aktiv und betreute seine Frau bei deren erstem deutschen Meistertitel. Er hatte Gefallen an seiner Trainerkarriere gefunden und startete hier neben seiner aktiven Spielerlaufbahn durch. 2003 und 2004 gehörte er dem Trainerteam der Luxemburger Nationalmannschaft an. Fast zeitgleich führte er die Jugend des 1. CKF Dudweiler zu drei Goldmedaillen bei deutschen Mannschaftsmeisterschaften. 2009/2010 lief es auch als Teil des Trainerteams der Deutschen Ü45-Nationalmannschaft rund. Die Senioren holten bei den Mannschafts-Europameisterschaften jeweils zwei Gold- und Silbermedaillen. „Im Sommer 2014 kam das Angebot, die Ü45 des 1. MGC Mainz zu betreuen. Seitdem bin ich wieder fest im Trainergeschäft, inzwischen auch mit Trainerschein. Seit dieser Zeit bin ich mit den Mainzern sechs Mal deutscher Ü45-Mannschaftsmeister geworden. Und in der gleichen Altersklasse gab es auch von 2015 bis 2017 als Mitglied des Trainerteams der Deutschen Nationalmannschaft bei Europameisterschaften sechs Mal Gold und zwei Mal Silber“, meint Bamberg und fügt an: „Seit 2018 bin ich Ü45-Bundestrainer. Mit diesem Team gab es bei den Europameisterschaften drei Mal Gold und einmal Silber.“ Außerdem habe er bei sämtlichen Europameisterschaften von 2009 bis 2019 Spieler beim Gewinn von 13 Gold-, 13 Silber- sowie sieben Bronze-Einzelmedaillen unterstützt.

Vorausblick: In diesem Jahr soll erstmals in Deutschland (Wanne-Eickel) eine Ü45-Weltmeisterschaft stattfinden. Und dabei wolle man bei der Titelvergabe „ein Wörtchen mitreden“.

Als wäre dies alles noch nicht genug, gibt es auch den Fußballtrainer, Schiedsrichter und Fußballpapa Michael Bamberg. 2004 trat Sohn Dennis der DJK St. Ingbert bei. Der Vater wollte es trotz der früheren, schweren Verletzung noch einmal wissen und schloss sich der AH an. Als Torhüter bewies Dennis sein Talent und gehörte auch dem Stützpunkt Altenwald an. Sein Vater wurde Betreuer von Jugendmannschaften. „Gefördert von Trainerkollege Hubert Östreich und Jugendleiter Rainer Zentz absolvierte ich den Trainer-C-Schein.“ Anschließend kamen die Torwarttrainer-Lizenz Stufe eins beim Saarländischen Fußballverband (SFV) und Stufe zwei Leistungsfußball beim Deutschen Fußball-Bund hinzu. Dann wurde er bei der JFG St. Ingbert Torwarttrainer und trainierte dort zwei Mal interimsweise eine C-Jugendmannschaft. Dennis wechselte zur SG Saar-Halberg in die C-Jugend-Regionalliga. Bei den B-Junioren ging es für den Verbandsligisten Saar 05 Saarbrücken weiter. In der gleichen Liga trug Bamberg bei der A-Jugend das Torwarttrikot der SG St. Ingbert. Es gab auch die ersten Spiele bei den Aktiven des FC Viktoria St. Ingbert. Anschließend habe es in St. Ingbert keine A-Jugend-Spielmöglichkeiten mehr gegeben. Deswegen sei es beim A-Junioren-Verbandsligisten SG Riegelsberg weiter gegangen, wo Bamberg auch bei den Aktiven erste Verbandsliga-Erfahrung sammeln durfte. Weiter ging es beim SV Walpershofen. Aktuell spielt Dennis Bamberg für den Bezirksligisten SV Spiesen.

Außerdem ist er als Torwarttrainer in die Fußstapfen seines Vaters getreten – sowohl bei den Frauen der SV Elversberg als auch bei den SFV-Mädchen. Auch Sascha Bamberg fing 2007 unter der Trainerin Brigitte Maul bei der DJK St. Ingbert an. Er war aber fortan auf der anderen Seite des Spielfeldes zu finden und wurde Stürmer. Weiter ging es beim Stützpunkt Altenwald sowie bei den D-Junioren der SV Elversberg. Dort gab es vier „erfolgreiche und schöne Jahre“. Bei den B-Junioren ging es beim 1. FC Saarbrücken weiter. Aktuell spielt er für den A-Junioren-Verbandsligisten aus Wemmetsweiler.

Michael Bamberg selbst half später in der AH des TuS Rentrisch aus. In der Saison 2017/18 durfte er ein letztes Mal im Aktivenbereich ran und gewann mit dem FC Viktoria St. Ingbert II mit 2:1 in Biesingen. Bei diesem Verein ist er seit 2012 als Torwarttrainer tätig und sprang eine Runde lang als D-Jugend-Coach ein. „In der Saison 2014/15 wollte Dennis einen Schiedsrichterkurs besuchen. Da ich ihn hinfahren musste, machte ich diesen einfach mit. Dennis stieg schnell zum Leiter von Aktivenspielen auf, während ich in diesem Bereich mein Augenmerk auf den Kinder- und Jugendfußball lege. Dort sehe ich mich eher als Ausbilder wie als Richter und binde des Öfteren mal ein paar Fußballschuhe“, betont der 58-Jährige. Und wie sollte es anders sein: Inzwischen hat auch Sascha Bamberg erfolgreich einen Schiedsrichterlehrgang besucht. „Ein Gespann Bamberg wäre jetzt möglich“, sagt der Vater mit einem Augenzwinkern.

Die Ausrüstung des Minigolfexperten ist gewaltig – hier nur ein kleiner Teil davon. Foto: Stefan Holzhauser
Wird auf der derzeit stillgelegten Minigolf- anlage hinter dem Hartplatz des SV St. Ingbert noch einmal Leben einkehren? Foto: Stefan Holzhauser

Auch in der kommenden Saison bleibt er beim FC Viktoria St. Ingbert Torwarttrainer und wird mit seinen Söhnen für den Verein als Unparteiischer tätig sein. „Und wie es bei einer Fußballfamilie üblich ist, kümmert sich neben der Koordination der Termine meine Frau Gabi um die Trikots der Aktivenabteilung“, berichtet der Vater der motivierten Sportfamilie.