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Faber-Wegener muss in die StichwahlDer Trend zur Briefwahl löst Schlangen an den Urnen auf

Faber-Wegener muss in die StichwahlDer Trend zur Briefwahl löst Schlangen an den Urnen auf

Die Blieskasteler Bürgermeister-Wahl geht am Sonntag, 16. September, in die zweite Runde. Dann haben die Bürger nur noch die Wahl zwischen Amtsinhaberin Annelie Faber-Wegener (CDU) und SPD-Herausforderer Achim Jesel. Brigitte Adamek-Rinderle (Grüne) und Elmar Becker sind aus dem Rennen.Obwohl die Wahl am Vormittag nur sehr schleppend anlief, gingen am Ende 60,5 Prozent der Wahlberechtigten trotz des schönen Spätsommerwetters zu den Urnen. Haupt-Wahlzeiten sind nicht mehr auszumachen.

Blieskastel. Spannender hätte es auch Hitchcock wohl kaum inszenieren können: Nach einer dramatischen Auszählung präsentierte Gemeindewahlleiter Georg Wilhelm gestern Abend kurz vor 19 Uhr das vorläufige amtliche End-Ergebnis der Bürgermeister-Wahl in Blieskastel: Nur 14 Stimmen, so hatte der Wahlleiter gerechnet, fehlten Amtsinhaberin Annelie Faber-Wegener zur absoluten Mehrheit. Denkbar knapp also, mit 49,9 Prozent geht die bisherige Verwaltungschefin in 14 Tagen nun in die Stichwahl gegen Achim Jesel. Dieser erreichte 30,2 Prozent und wird damit der Herausforderer in der Stichwahl. Die Beigeordnete Brigitte Adamek-Rinderle (Grüne) erreichte 10,6 Prozent der Stimmen, der unabhängige Kandidat Elmar Becker hatte 9,3 Prozent der Wählerstimmen bekommen. Zur Chronologie: Schon kurz nach 18 Uhr war die Markthalle rappelvoll, das Interesse der Bürger war offensichtlich sehr groß. Im Rathaus herrschte hektisches Treiben, nach und nach trudelten die Ergebnisse ein. Auch im Büro der Bürgermeisterin, im Vorzimmer und am Schreibtisch des Hauptamtsleiters herrschte gespannte Aufmerksamkeit. Noch kurz vor der Verkündung des Ergebnisses gab man sich im Lager der Amtsinhaberin optimistisch, dass es nicht zu einer Stichwahl komme. So manches Ah und Oh entfuhr indes dem einen oder anderen Politiker, je nach politischer Couleur bei diversen Wahlergebnissen. So hatte die Bürgermeisterin in vermeintlich "roten" Stadtteilen sehr beeindruckende Ergebnisse einfahren können, dafür gab es auch in ansonsten "schwarzen" Hochburgen weniger Stimmen als erwartet. Enttäuschung etwa beim CDU-Landtagsabgeordneten Günter Becker über das Ergebnis in seinem Wohnort Niederwürzbach: "Was soll man denn für diesen Ort noch mehr machen? Die Würzbacher haben von dieser Politik wohl am stärksten profitiert, aber sie haben das nicht honoriert", stellte Becker enttäuscht fest. Stephan Schepp-Weyrich, SPD-Ortsvorsteher aus Wolfersheim zeigte sich ebenfalls überrascht: "20 Prozent Abstand hätte ich nicht erwartet", so sein Kommentar. Die Bürgermeisterin selbst gab sich kämpferisch: "Dann müssen wir noch 14 Tage arbeiten, um den Erfolg einzufahren." Achim Jesel zeigte sich ebenfalls "zufrieden", wenngleich er sich ein paar Stimmen mehr gewünscht hätte. Er will nun vor allem die Nichtwähler mobilisieren (Wahlbeteiligung 60,5 Prozent, etwa gleich viel wie bei der letzten Bürgermeisterwahl). Er wünschte sich, dass sich die beiden unterlegenen Mitbewerber für "einen Wechsel" aussprächen. Aber die hielten sich bedeckt: Brigitte Adamek-Rinderle wird definitiv keine Wahlempfehlung aussprechen, auch Elmar Becker wollte sich noch nicht festlegen: "Dazu äußere ich mich jetzt nicht, darüber muss ich erst eine Nacht schlafen". Er zeigte sich nicht enttäuscht: "Im Gegenteil, ich habe ein achtbares Ergebnis erzielt und einzig an mir lag es, dass es nun zu einer Stichwahl kommt". Grünen-Kandidatin Brigitte Adamek-Rinderle glaubte nicht, "die falschen Themen" gehabt zu haben. "es hätte zwar ein bisschen mehr sein können, aber ich bin durchaus zufrieden", stellte sie unmittelbar nach der Wahl fest.blieskastel.de

Blieskastel. In 27 Wahlbezirke ist die Stadt Blieskastel von Brenschelbach bis Niederwürzbach eingeteilt. In der Lautzkircher Mehrzweckhalle in der Edith-Stein-Straße gaben die Wähler ihre Stimmen im Wahlbezirk vier, fünf und sechs ab. Für jeden Wahlbezirk sind acht Wahlhelfer eingeteilt. Treffpunkt war eine halbe Stunde vor Öffnung der Wahllokale, da wurden letzte Details besprochen. Etwa die Hälfte der ehrenamtlichen Wahlhelfer begann mit der Öffnung um acht Uhr den Dienst, die anderen Helfer traten die "Mittagsschicht" gegen 13 Uhr an. Die Atmosphäre ist locker, man kennt und duzt sich oftmals, da bleibt auch noch Zeit für ein kleines, lockeres Gespräch. Wichtig für die Wähler war, dass sie für den Fall einer Stichwahl ihre Wahlbenachrichtigungskarte noch einmal mit nach Hause nahmen (die Stichwahl ist tatsächlich am Sonntag, 16. September).

Das Wetter am gestrigen Wahlsonntag lud eher zu einem Waldspaziergang denn zu einem Urnengang ins Wahllokal ein. Im Wahlbezirk fünf in Lautzkirchen sind 848 Wahlberechtigte registriert. Schriftführerin Christiane Völkert, städtische Bedienstete, zählte bis gegen 10.30 Uhr etwa 60 Wählerinnen und Wähler. "Allerdings haben allein in unserem Wahlbezirk 150 Bürger per Briefwahl abgestimmt", sagt sie. Neuer Stand dann gegen halb eins: Jetzt hat sich die Zahl gegenüber dem späten Vormittag verdoppelt, liegt aber mit 120 Wählern immer noch relativ niedrig. "Früher war der große Andrang nach dem Ende der Sonntagsmesse. Aber das ist heute nicht mehr so", stellt Wahlhelfer Hansjürgen Vogt fest. Man könne heute kaum mehr voraussagen, wann der größte Andrang kommt. Bei der Landtagswahl sei der Nachmittag stärker gewesen, sagte Beisitzer Mario Simon. ers

"Dann müssen wir noch 14 Tage arbeiten, um den Erfolg einzufahren."

Annelie Faber-Wegener (CDU), Bürgermeisterin

Meinung

Entscheidung ist nur vertagt

Von Merkur-MitarbeiterCarlo Schmude

Das einzig Überraschende am Ausgang der Bürgermeister-Wahl in Blieskastel gestern war das extrem knappe Scheitern von Amtsinhaberin Annelie Faber-Wegner (CDU) ganz kurz vor der absoluten Mehrheit. Nicht wenige hatten gehofft, dass den Blieskastelern ein zweiter Durchgang erspart bleibt. Dass es am Ende an 14 Stimmen lag, mag manchen CDU-Anhänger mit dem Schicksal hadern lassen. Welche Kleinigkeit war es wohl, die die 14 Stimmen koste? Ist sie im immer hart umkämpften, weil großen Stadtteil Niederwürzbach zu suchen? Diesmal könnte man sie auch im kleinen Pinningen finden, so eng war der vorläufige Wahlausgang. Richtig grämen wird sich bei der CDU aber niemand. Zu groß scheint der Vorsprung Faber-Wegeners in der Wähler-Gunst. Achim Jesel müsste theoretisch am 16. September alle Stimmen der beiden ausgeschiedenen Kandidaten auf sich ziehen, um die Amtsinhaberin zu gefährden.

Wahlhelfer Mario Simon und Hansjürgen Vogt bei der Stimmabgabe von Samira Backes in Lautzkirchen. Foto: Erich Schwarz.

Der SPD-Herausforderer braucht ein großes Thema, um in diesen Lagern der Wechselwilligen zu punkten und/oder zusätzliche Stimmen bei den Nicht-Wählern vom gestrigen Sonntag zu sammeln.