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Faasenacht: St. Ingbert feiert 222 Jahre Kartoffelrepublik

Kostenpflichtiger Inhalt: Traditioneller Fastnachtsumzug : St. Ingbert wird erneut zur Kartoffelrepublik

Zur Faasenacht will man mit einem Augenzwinkern an die Zeit in der Mittelstadt während Französischen Revolution erinnern.

Sie sollte nur von kurzer Dauer sein. Kaum nachdem die Freie Republik St. Ingbert am 22. September 1797 das Licht der Welt erblickte, verschwand sie auch schon wieder im Strudel der Geschichte. Und mit ihr eine Idee, die in Frankreich acht Jahre zuvor ihren Anfang nahm und erst gute 50 Jahre später in den Geschehnissen der deutschen Revolution von 1848/49 Früchte tragen sollte.

Laut dem Historiker Wolfgang Krämer war es ein gewisser Bürger Lacroix, auf dessen Anregung hin am 22. September eine „Municipalité de Saint Imbert“, beziehungsweise eine „Städterepublik“ St. Ingbert ausgerufen wurde. Die bis dahin amtierenden Beamten wurden abgesetzt und Heinrich Henrion als neuer Präsident gewählt. Die genauen Ursachen für die Autonomiebestrebungen in St. Ingbert zu dieser Zeit liegen laut Historikern aber noch im Dunkeln. Eine Rolle dürften aber auch die nur wenige Jahre zuvor aufgekommenen Streitigkeiten zwischen den örtlichen Bauern und der damaligen Leyischen Herrschaft um Wald und Kohle gespielt haben. Frankreich, was zu diesem Zeitpunkt in der Region aktiv seine Revolutions-Idee und die Vorstellung einer „Cisrhenanischen Republik“ verbreitete, erkannte die Gründung und Beschlüsse der St. Ingberter Republik jedoch nicht an. Nur wenige Tage nach seiner Ausrufung wurden die Bestrebungen nach einer Freien Republik St. Ingbert wieder niedergeschlagen. Die Epoche der „völligen Unabhängigkeit und Souveränität“ dauerte laut den Ausführungen Wolfgang Krämers in seinem Werk zur St. Ingberter Stadtgeschichte nur etwa acht Tage.

222 Jahre später will man nun erneut den revolutionären Wind der ehemaligen St. Ingberter Republik durch die Straßen der Mittelstadt wehen lassen. Das besondere Jubiläum haben Wolfgang Blatt und Konrad Weisgerber vom Heimat- und Verkehrsverein zum Anlass genommen, den diesjährigen Fastnachtsumzug unter das Motto „2 x 111 Jahre Kartoffelrepublik St. Ingbert“ zu stellen. Beide nehmen damit auch direkten Bezug auf eines der Werke des bekannten St. Ingberter Heimatdichters Karl Uhl. Dieser hatte die kurzlebige St. Ingberter Republik in seinem letzten Bühnenwerk von 1939 scherzhaft als „Kartoffelrepublik“ bezeichnet. Weisgerber hat dagegen eine ganz eigene Theorie, warum dieser Begriff als Synonym für die Freie Republik St. Ingbert entstanden ist: „Während der Kartoffelernte ist die Republik entstanden und bevor die letzte Grumbeere geerntet wurde, war sie wieder weg.“

Damit sich auch die Teilnehmer der Faasenacht als richtige Kartoffelrepublikaner fühlen können, haben sich Blatt und Weisgerber etwas ganz Besonderes ausgedacht. Ganze 1000 Anstecknadeln hat man bei Stefan Kayser von der VGS in Rohrbach aus Zinn anfertigen lassen. Jedes einzelne der tausend „Kartoffelgesichter“ wurde dabei in mühevoller Handarbeit bemalt, wie Blatt berichtet. Die ersten Anstecknadeln gibt es auch bereits bei allen fastnachtstreibenden Vereinen und deren Veranstaltungen, sowie in der Buchhandlung Friedrich, der Wanderhütte des Wanderclub Edelweiß in Rohrbach, an der Infothek im Rathaus und während des St. Ingberter Fasenachtsumzugs am 23. Februar. Das Einzelstück kann man für jeweils 2,50 Euro erwerben. Den Erlös wird man für die Finanzierung des Fastnachtsumzuges nutzen, wie Blatt und Weisgerber berichten.

Die Vorbesprechung für den traditionellen Faasenachtsumzug in St. Ingbert-Mitte findet am kommenden Dienstag, 21. Januar, um 18 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rathauses (4. Etage) statt. Wie die Stadtverwaltung weiter mitteilt, ist es notwendig, dass von allen interessierten Gruppen ein Vertreter zu der Vorbesprechung kommt. Weitere Informationen gibt es beim Stadtmarketingbüro unter der Telefonnummer (06894) 137 62 und 137 61, oder per Mail an info@stadtmarketing-st-ingbert.de