EX-OB (SPD) unterstützt OB-Kandidat der CDU in St. Ingbert

Kurz vor der Stichwahl kommt der EX-OB um die Ecke : Ein Mann springt über seinen Schatten

Ex-Oberbürgermeister und Sozialdemokrat Winfried Brandenburg unterstützt den CDU-Kandidaten Ulli Meyer.

Wie heftig muss es in einem sozialdemokratischen Urgestein brodeln, wenn es sich dazu entschließt, einen Christdemokraten zu favorisieren in Hinblick auf die OB-Wahl in St. Ingbert. Zumal dieser Mann selbst 20 Jahre lang das gewichtige Amt ausfüllte. Man kann das, was ihn umtreibt, zunächst nur erahnen. Um es dann zu ergründen in einem längeren Gespräch. Winfried Brandenburg, in der Mittelstadt von 1984 bis 2004 amtierender Oberbürgermeister und seit 59 Jahren der SPD treu ergeben, ist jetzt quasi im Angriffsmodus angekommen. Und das mit knapp 80 Jahren. Die Flucht nach vorn – sie scheint ihm nötig.

Gemeinsam mit dem OB-Kandidaten der CDU, Ulli Meyer, kam der promovierte Jurist und heutige Rentner Anfang der Woche in die SZ-Redaktion, um seine ganz persönliche Wahlempfehlung abzugeben. Wobei er betonte, dass es ihm naturgemäß nicht gerade leicht falle, den Kandidaten einer anderen Partei zu unterstützen – nachdem bekanntermaßen der SPD-Kandidat Sven Meier längst nicht mehr im Rennen ist. Von Brandenburg weiß man, dass er St. Ingbert seinerzeit mit Nachdruck zum viel beachteten und wohlwollend beäugten Wirtschafts- und Kulturstandort entwickelt hat. Und dass sein geschicktes Agieren bis heute nicht vergessen ist.

Bringen wir es auf den Punkt: Bei Brandenburg schlägt parteipolitisch das Herz grundsätzlich links, seinem Verstand jedoch lässt er aus aktuellem Anlass den Vortritt. Denn Ulli Meyer hält er für den besseren Mann an der Spitze der Verwaltung. Die Erwartungen, die er in den CDU-Mann setzt, sind folgende: Er soll zum einen dafür sorgen, „dass das Verhältnis zum Stadtrat wesentlich besser wird“. Und er soll sich vehement für eine erfolgreiche Kulturpolitik einsetzen, so wie dies ehemals mit Kulturamtsleiter Elmar Peiffer unter seiner, also Brandenburgs Ägide, der Fall gewesen sei. Schnellstmöglich soll der künftige OB auch dafür sorgen, dass das Albert-Weisgerber- Museum eröffnet wird. Verwaltungsjurist Meyer selbst will, wie er sagt, unbedingt und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die unendliche Geschichte rund um die Baumwollspinnerei zu einem schnellen und guten Ende führen, um die Weisgerber-Sammlung wieder ins Leben zurückzuholen. Einig sind sich Brandenburg und Meyer auch dahingehend, dass die Stadt den Ratskeller braucht. Auch das will der heutige Ortsvorsteher Meyer zur Chefsache machen. Brandenburg: „Es gehört sich für eine Stadt, dass die Bewirtung ihrer Gäste in der eigenen Gastronomie erfolgt. Und dass sich dort nach Veranstaltungen die Menschen treffen können.“

Amtsanwärter Meyer will überdies bezahlbaren Wohnraum im Innenstadtbereich möglich machen. Selbst „Normalbürger“, so Winfried Brandenburg ergänzend, könnten in St. Ingbert fast nicht mehr zur Miete wohnen Das sei auch ein Grund dafür, dass die Einwohnerzahl zurückgegangen sei.

Zum guten Schluss erfährt unsere Zeitung noch ein bisschen was über die freundschaftlichen Bande, die seit Jahrzehnten zwischen den beiden Familien bestehen. Auch dies machte Brandenburg nach eigenem Bekunden die Wahlempfehlung ein gutes Stück leichter. Meyers Vater war beispielsweise zu des Ex-OBs Amtszeit der Vorsitzende des Vereins für Handel und Gewerbe – und „Ihr hann gudd zusamme geschafft“, sagt Ulli Meyer.

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