Europaminister Strobel zu Gast am AMG St. Ingbert zum EU-Projekttag

Besuch am AMG : Schüler diskutierten mit Strobel über Europa

Im Rahmen des bundesweiten EU-Projekttags war der saarländische Europaminister Peter Strobel am AMG zu Gast.

Im Saarland mit seiner Lage im Dreiländereck ist Europa täglich präsent. Das war auch bei der Diskussion der Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums am EU-Projekttag zu spüren, an dem sie mit Europaminister Peter Strobel über die Europäische Union, deren Entstehen und Zukunft sprachen. „Ziel ist es, durch Diskussion mit politischen Vertretern das Interesse von Schülerinnen und Schülern am Thema Europa zu wecken, für den Europagedanken zu werben und ihr Verständnis für das Funktionieren der Europäischen Union zu vertiefen“, so Strobel. Die zwei Schulstunden begannen mit Impulsreferaten der Schüler, in denen sie sich mit den wichtigsten Organen der EU, der Wahl zum Parlament aber auch mit dem Brexit befassten.

Schulleiterin Heike Scholz freute sich über den Besuch des Ministers, da Europa in der Schule nicht nur gelebt werde, sondern auch Unterrichtsthema sei. Gerade jetzt sei es wichtig, die europäische Gemeinschaft, die sie „für einen dauerhaften Zustand“ gehalten habe, zu verteidigen. Sie erinnerte zu Beginn der Veranstaltung an die Schüleraustausche, die zur festeren Bindung nicht nur zwischen Schülern sondern auch deren Herkunftsländern beitragen. „Da kann man schon mal im Kleinen sehen, wie sich Europa im Großen anfühlen wird“, sagte Scholz. Minister Peter Strobel hielt es für wichtig, sich auf allen Ebenen über die „drängenden Fragen zu Europa auszutauschen“. Natürlich wurde er auch von einem Schüler gefragt, was er vom Brexit halte, der gerade in aller Munde ist. Der Politiker verwies auf den Vortrag einer Schülerin zum Ausstieg Großbritaniens aus der EU, der vor Augen geführt habe, welche Veränderungen dieser für die EU und das Vereinigte Königreich bringe. „Wenn man all das in der Summe betrachtet, stelle ich fest, dass ich nie damit gerechnet hätte, dass ein europäisches Land auf die Idee kommt, den europäischen Gedanken und damit auch die Mitgliedschaft in der EU in Frage zu stellen. Der Brexit ist eine absolute Katastrophe für die EU, aber insbesondere für Großbritannien. Die Konsequenzen sind den Briten wohl noch nicht klar“, meinte Strobel. In England gebe es wenig Industrie und alles, was dessen Wirtschaft ausgemacht habe, sei weltweit oder europäisch orientiert gewesen. „Was die Politiker dort gemacht haben, ist verantwortungslos. Als ich vom Austritt erfuhr, habe ich gedacht, ich werde vom Blitz getroffen“, sagte der überzeugte Europäer Strobel. Der Austritt erfolge „ungeregelt“ und es sei eine leichtfertige Entscheidung gewesen, „die viele Chancen auf beiden Seiten kaputt gemacht habe“. Strobel habe als „Brexit-Gegner“ keinerlei Verständnis für diesen Weg.

Auch, wenn der Brexit derzeit alle beschäftige, gebe es jedoch noch andere Themen, über die es sich zu sprechen lohne. So sprach ein Schüler die nationalistischen Tendenzen einzelner Länder wie Polen oder Ungarn in der Flüchtlingspolitik an, die man, so Strobel, nicht gutheißen könne, „wenn man europäisch denkt“. Natürlich müsse ein Land auch in der EU seine Identität beibehalten, „denn es wäre langweilig, wenn es keine Fußball-Länderspiele mehr gäbe, nur weil wir alle Europa sind“. Strobels Art, mit den Elf- und Zwölfklässlern die unterschiedlichen Facetten der EU in einer verständlichen Sprache zu beleuchten, kam bei den jungen Zuhörern gut an. Nach dem geplanten Upload-Filter im Internet gefragt, antwortete er, dass er auf diesem Gebiet zwar nicht der Fachmann sei. Es sei ein schwieriges Feld, denn einerseits befürworte er die Freiheit des Internets, andererseits gelte es aber auch, das Urheberrecht zu wahren.

Europaminister Strobel. Foto: Cornelia Jung

„Ich glaube nicht, dass Artikel 13 (im neuen Gesetzestext Art. 17, Anm. d. Red.) die beste Lösung für die Umsetzung ist, aber ich habe auch keine andere.“ Es freute Strobel zu sehen, wie wissbegierig und interessiert die Schüler an Europa sind. Deshalb warb er gerade bei den jungen Leuten dafür, in Sachen Europa ihr Mitbestimmungsrecht geltend zu machen, indem diejenigen, die schon berechtigt sind zu wählen, ihr Wahlrecht auch nutzen. Und er fügte hinzu: „Gerade wir Saarländerinnen und Saarländer spüren hier vor Ort und in der Großregion, dass die EU viel mehr ist, als nur ein bloßer Zusammenschluss mehrerer Länder. Wir erleben hier jeden Tag aufs Neue, dass wir gemeinsame Werte teilen und vertreten. Wir als Bürger der Grenzregion leben den europäischen Gedanken und müssen uns immer wieder neu dafür einsetzen.“

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