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Europa-Tag Edith-Stein-Schule Neunkirchen

Europa-Tag Edith-Stein-Schule Neunkirchen : Der Union Jack hat die Schule verlassen

Der Brexit kostet die Neunkircher Erzieher-Schule Edith Stein acht Praktikumsplätze in England. Und das Corona-Virus führte jetzt zur Absage einer Projektfahrt im März nach Bari/Italien.

Eigentlich sollten vier Elftklässler und zwei Lehrkräfte der Erzieherschule Edith Stein Neunkirchen in diesem Monat ins italienische Bari reisen. Dort war geplant, die Ergebnisse einer „strategischen Schulpartnerschaft“ (Karl-Josef Klär) zu präsentieren. Über Jahre, Grenzen und Fächer hinweg erarbeitet (KA 2, siehe „Info“). Thema des deutschen Beitrags: Wie kann man Kinder und Jugendliche für die EU begeistern? Die Neunkircher hätten in Bari ihre Mitstreiter aus Belgien, Polen, Rumänien und Italien getroffen.

Das Coronavirus hat nun Bari und das persönliche Treffen verhindert. Abgesagt. Und jetzt? „Wir schauen, dass wir das wenigstens virtuell hinkriegen“, sagte Schulleiter Markus Kirsch in seiner Begrüßung am Freitag beim Europa-Tag der Schule.

Gleich zu Beginn hatte Kirsch seinen Blick auf die Flaggen gerichtet, die die Längsseite der Aula schmückten. „Sie sehen, der Union Jack fehlt“, stellte Kirsch fest. „Das bedauern wir sehr. Wir haben Freunde verloren.“ Und acht Praktikumsplätze auf der Insel als Folge des Brexits, des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union. In Brighton. In Pevensey&Westham. In London. Die EU-Fördermittel für die sechswöchigen Blockpraktika (KA 1) Richtung England sind versiegt. Die gute Kunde, so Kirsch: Die Schule hat Ersatzplätze gefunden. In Straßburg. In Rom. In Warschau. Und in Dublin haben sie Plätze aufgestockt. Geblieben sind Prag und Paris. Kirsch: „19 unserer Schüler konnten in diesem Jahr an Blockpraktika teilnehmen, im nächsten Jahr werden es sogar 22 sein, das wäre Rekord für unsere Schule.“ Und zugleich hätten sie dann wohl auch die Belastungsgrenze erreicht, was die Schule leisten könne.

Seit vielen Jahren engagiert sich die Erzieherschule in Trägerschaft des Bistums Trier für einen europäischen Austausch der jungen Menschen. Europa stehe vor großen Herausforderungen. Sie zu meistern könne nur gelingen, „wenn wir uns gegenseitig kennenlernen, Vorurteile überwinden, andere schätzen lernen“, erklärt Kirsch zur Motivation: „Diesem Ziel dient unser Austausch auch.“

Die Edith-Stein-Schule betreibe einen hohen Aufwand für ihr Europa-Engagement“, lobte in seinem Grußwort Tobias Weyand vom Katholischen Büro Saarbrücken. Es koste viel Papier, Zeit, Geld und Nerven. Aber die Auslandserfahrung bringe den jungen Menschen auch viel: fremde Sprache üben, andere Konzepte von Bildung und Schule kennenlernen, erfahren, wie Menschen in anderen Länder fühlen, denken, leben.

Neunkirchens Bürgermeisterin Lisa Kühn berichtete von ihren eigenen Erfahrungen, ins Ausland zu gehen. „Ich war nach der Schule in Irland, als Au Pair. Und ich profitiere noch heute davon.“ Und mit einem Lächeln nutzte Kühn die Stunde, um vor angehenden Erzieherinnen und Erziehern in eigener Sache zu werben. Erzieher, so die Bürgermeisterin, würden auf dem Arbeitsmarkt heftig umworben, auch von der Stadt Neunkirchen: „Es wäre schön, wenn wir uns bei einem Bewerbungsgespräch wiedersehen.“ Den Ball nahm Uwe Schäfer auf. Die Blockpraktika dienten auch der „Durchmischung des europäischen Arbeitsmarktes“, sprich Erzieher können in diesem oder jenem Land arbeiten, formulierte der Pädagoge. „Aber Frau Bürgermeisterin, seien Sie beruhigt: Die meisten kommen zurück.“

Neunkirchens Bürgermeisterin Lisa Kühn bei ihrem Grußwort. Foto: Schule
Brexit trifft geförderte Austauschprogramme. Foto: SZ/Müller, Astrid

Sie dürfen zwar nicht nach Bari, aber die Elftklässler aus der „strategischen Schulpartnerschaft“ berichteten ihren Mitschülern und ihren Lehrern am Europa-Tag von ihren Arbeitsinhalten, Ergebnissen und Erfahrungen. Ebenso schilderten die Blockpraktikanten ihre Zeit in Prag, Paris, Straßburg, Dublin, Warschau und Rom.