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Erste Bravo-Rufe schon beim Chor der Studenten

Erste Bravo-Rufe schon beim Chor der Studenten

Wittersheim. Es sei eine "unzulässige Übertreibung und Verallgemeinerung", meinte immerhin "leicht entrüstet" Reinhold Ernst am Sonntagabend. Der Dirigent des Musikverein Wittersheim-Bebelsheim kommentierte somit halbernst "Die Männer sind alle Verbrecher". Diesen Titel von Willi Kollo sang nämlich gleich danach die Sopranistin Eva-Maria Sandschneider

Wittersheim. Es sei eine "unzulässige Übertreibung und Verallgemeinerung", meinte immerhin "leicht entrüstet" Reinhold Ernst am Sonntagabend. Der Dirigent des Musikverein Wittersheim-Bebelsheim kommentierte somit halbernst "Die Männer sind alle Verbrecher". Diesen Titel von Willi Kollo sang nämlich gleich danach die Sopranistin Eva-Maria Sandschneider. Sicherlich: Das Ganze war nur bedingt ernst gemeint. Doch der Dialog Sandschneider singend mit der Aussage "Im Herz ist ein finsteres Loch" - mit dem Polizeichor des Saarlandes (Leitung: Claus Bär) hatte es in sich. Die Herren sangen nämlich beim Frühjahrskonzert antwortend: "Die Frauen, sind auch nicht viel besser". Gut, die Wahrheit, na ja, sie wird irgendwo in der Mitte liegen. Alleine dieses Liedbeispiel offenbart, wie gut die Stimmung an dem Abend in der Festhalle in Wittersheim war. Und das war von Anfang an so. Gleich beim "Chor der Studenten" aus der Oper "Hoffmanns Erzählungen" gab es die ersten "Bravo!"-Rufe. Dabei zählt es beim Musikverein seit langen Jahren bereits zur Tradition, alljährlich im Frühjahr nicht nur ein Konzert zu veranstalten, sondern auch die Sopranistin der Gemeinde schlechthin zu engagieren. Sandschneider erfreute die Konzertbesucher nicht nur mit niveauvollem Gesang aus Oper und Operette. Sie wechselt bei jedem Auftritt ihr Kleid und verlieh dem Abend so eine besondere Note.

Richtig unter die Haut

Doch nicht nur konventionelle Gesangsbeiträge wurden von Sandschneider zum Besten gegeben. Mit "Gabriellas Song" aus dem schwedischen Film "Wie im Himmel" steuerte die Sängerin ein Lied bei, das richtig unter die Haut ging. Fremde Klänge für die Tradition des Konzertes, doch die Gäste waren begeistert. Auch beim Polizeichor war dies nicht anders. Beim Klassiker, dem Marsch "Frei weg", war das Publikum außerordentlich angetan. Frühling, das ist die Zeit der in Wallung geratenden Hormone. Auch ein Männerchor ist davor nicht gefeit. Alleine fünf Lieder im Block widmeten die Herren dieser Jahreszeit. Darunter auch "Ach, bin ich nicht ein armer Mann?", welches der Ommersheimer Friedel Harry komponierte. Der frühere Leiter des Polizeichors war selbst anwesend und verneinte entschieden einen potenziellen Zusammenhang zwischen seiner Person und dem Liedinhalt. Mit "Wer wen aufreißt, anbaggert und vernascht" hatte Moderator Reinhold Ernst einen Klassiker von Margot Werner umschrieben. So hat man den Evergreen von Robert Frank-Jacoby, nämlich "So ein Mann", noch nicht erlebt. Eva-Maria Sandschneider hauchte dem altbekannten Schlager mit ihrer Stimme dermaßen Anziehungskraft ein, dass die Menschen in der Festhalle begeistert mitklatschten. Bei "Over the Rainbow" aus dem Medley "The Wizard of Oz" zeigte sich wieder einmal, dass Reinhold Ernst gekonnt arrangieren kann. Fast alle Lieder des Abends trugen indirekt seine Handschrift. Stehende Ovationen und natürlich mehrere Zugabenforderungen waren der Lohn für Dirigent, Orchester, Chor und Solistin.