Ernst und Frohsinn Hand in Hand

Das Chorensemble FrauenStimmen sang am Sonntagabend in der St. Ingberter Christuskirche. Die Songs drehten sich dabei um brennende Schtetln, vertriebene Juden und von zur Schlachtbank geführten Kälbern. Mehr als 250 Zuhörer besuchten das Konzert.

Sehnsuchtsvoll, innig, warm - dann plötzlich atonal, etwas schräg und kurz darauf rasant und schnell durch alle möglichen Gefühlsregungen der Menschlichkeit galoppierend: Dafür steht die traditionelle jüdische Klezmer-Musik. Was die Stilrichtung so interessant für ein immer größer werdendes Publikum macht, sind die Ernsthaftigkeit und gleichzeitig lebensbejahende Fröhlichkeit, die Hand in Hand gehen. Von dieser ansprechenden Mischung konnten sich mehr als 250 Besucher am Sonntagabend in der St. Ingberter Christuskirche überzeugen. Dort hatte das Chorensemble FrauenStimmen ihr Programm "Schpil she mir a Lidele in Jiddisch" vor vollem Haus aufgeführt.

"Es hat mir sehr gut gefallen", lobte Besucher Günter Theis am Ende des rund zweieinhalbstündigen Programms. Der Saarbrücker war gekommen, weil eine der Mitwirkenden des knapp 30- köpfigen Ensembles eine Bekannte vom ihm ist. Seine Erwartungen wurden völlig übertrumpft: "Das hätte ich von einem Laienchor so nicht erwartet." Emotional besonders berührt hatten ihn die Lieder aus dem Widerstand aus der Nazizeit: "Da musste man schon zwei Mal schlucken."

Damit spielte er auf den zweiten Teil des Konzertes an. Die FrauenStimmen betraten, perfekt zum ernsten Thema passend, ganz in Schwarz gekleidet den Platz vor dem Altar des 1971 gebauten Gotteshauses. Eingeleitet vom Tango "Vi ahin zol ikh geyn", später bekannt als "Where can I go?" von Leo Fuld, erzählte das Ensemble musikalische Geschichten von brennenden Schtetln, vertriebenen Juden und von zur Schlachtbank geführten Kälbern. Bevor der Applaus aufbrandete, brachte Totenstille einen Gänsehaut-Moment hervor. Zwar wurde das Programm am Sonntag bereits zum vierten Mal aufgeführt, wie die künstlerische Leiterin Amei Scheib erklärte. "Doch für den 9. November haben wir das Programm extra etwas umgestellt", so Amei Scheib. An diesem "Schicksalstag der Deutschen" sollte unter anderem an die Reichspogromnacht 1938 erinnert werden.

Erster Teil war weniger düster

Etwas weniger düster hatte der Abend mit dem ersten Teil begonnen. Hier erklangen Melodien, die beschreiben, wie eine Mutter ihr Kind in den Schlaf wiegt oder das alte jiddische Volkslied "Diregelt", das von der Frage handelt, weswegen man Miete zahlen soll, wenn doch die Küche kaputt ist. Überhaupt sorgten die kurzen szenischen Einlagen und Choreografien für Auflockerung, Heiterkeit und dafür, dass man den Handlungen der Lieder auch ohne Jiddisch-Kenntnisse folgen konnte.

Noch intensiver machte das Konzerterlebnis die Tatsache, dass die Texte alle auswendig gelernt waren, also nichts vom Blatt abgelesen wurde. "Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres haben wir mit den Proben begonnen", erzählte Chormitglied Stephanie Müller. Sie selbst konnte zwar krankheitsbedingt nicht mitsingen, hatte dafür aber das Geschehen an der Kasse im Blick.

Instrumentale Unterstützung erhielten die stimmgewaltigen FrauenStimmen von Nino Deda an Klavier und Akkordeon. Das zweite Akkordeon spielte Michael Jung und Markus Lein fungierte als Geiger. Mit dem Evergreen "Bei mir bist du sheyn" klang das Konzert langsam aus und nach einer Zugabe war Schluss. Zuhörerin Christa Reitenbach aus St. Ingbert lobte sowohl den beschwingten ersten als auch den ernsten zweiten Teil: "Es war eine sehr gelungene Mischung."

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