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Erinnerungen an "Wanderhans" Abel und den Horstebrunnen in Hassel

Horstebrunnen in St.Ingbert : Auch ein Ort der inneren Einkehr

Liselotte Abel erinnert an die inzwischen zwölf Gästebücher für Besucher des Horstebrunnens.

Lieselotte Abel wird bald 80 Jahre alt. Ihr Mann Hans war als Wanderführer in St . Ingbert nicht unbekannt und hatte in seinem Leben ein ganz besonderes Steckenpferd: den Horstebrunnen. Im Rahmen unserer Serie über die Naturdenkmäler der Stadt haben wir über den Brunnen ausführlich berichtet. Auch über Hans Abel, der den Brunnen pflegte und dafür sorgte, dass er auch nach einem Sturm zugänglich blieb. Er räumte Bäume weg und kümmerte sich.

Nach dem Beitrag in unserer Zeitung meldete sich Lieselotte Abel in der Redaktion und gewährte uns Einblicke in die Gästebücher. Eine Besonderheit des Brunnens sind diese leeren Bücher, die in einem Kasten vor Wind und Wetter geschützt am Brunnen liegen und den Wanderer inspirieren sollen, einige Zeilen zu hinterlassen. Zwölf Bände gibt es bereits. Alle Ausgaben dieser schwarzen Bände sind gleich gestaltet und geben auf den ersten Seiten einige Infos über den Brunnen und seine Geschichte und lassen dann ganz viel Raum für die Einträge der Passanten. „Es ist noch nie ein Buch verschwunden“, freut sich Lieselotte Abel, die die Bände sammelt und immer wieder gerne darin stöbert. Natürlich sind viele Einträge nur ein kurzer Gruß oder eine unleserliche Unterschrift. Auf den Seiten verstecken sich aber auch viele interessante Dinge.

Man spürt, dass der Horstebrunnen im Hasseler Wald auch ein Ort der inneren Einkehr geworden ist. Heute steht auch deshalb eine Engelsfigur am Brunnen. „2002 haben wir das erste Gästebuch hinterlegt. Im letzten Jahr war ich letztmals selbst am Brunnen. Vielleicht schaff ich es nicht mehr dort hin, der Weg ist beschwerlich für mich. Wir haben die Inschriften noch einmal gereinigt und den Band zwölf frisch ausgelegt. Da ist für die nächste Zeit genügend Raum für neue Einträge“, sagt Abel. Ihr Kinder wohnen nicht mehr im Saarland, sie hofft, dass sie bei Heimatbesuchen auch mal kurz nach dem Brunnen schauen. Ansonsten könnte Band 12 der letzte der Gästebücher sein. Wer in ihnen blättert findet Gedichte, meist am Brunnen erdacht oder Gemälde von Kindern, die die Vögel und Bäume des Waldes gezeichnet haben. 2016 schrieb ein Wanderer, das Gästebuch sei ein „Maifest der Freude“, er hatte wohl darin geblättert und viele Impulse erhalten.

Menschen schreiben hier durchaus Persönliches. Es gibt Geschichten von der großen Liebe und der Trauer. Wanderer beschreiben ihre Gefühle nach dem Tod eines Angehörigen oder eines Haustiers. 2018 brachte jemand an Weihnachten eine Weihnachtsgeschichte mit und klebte sie ein. 2002 schrieb Hans Abel ein Gedicht für seine Frau ins Gästebuch. Schon deshalb ist Band 1 für Lieselotte Abel besonders wichtig. Oder Band 10: „Da jemand den Horstebrunnen mit Kugelschreiber ins Buch gemalt. Unterschrieben mit Senkel Weisgerber. Aber das stadtbekannte Original war da schon verstorben. Ich denke es waren Angehörige“, sagt die Rentnerin, die damit auch das Vermächtnis ihres Mannes bewahrt.