Entspannung in Kleinasien

Ob sie frühstückt, arbeitet oder gar nichts tut – für die Hasselerin Martina Betsch ist ihr Garten mehr als nur ein grünes Grundstück. Hier kommt sie zur Ruhe und kann abschalten, egal was gerade ansteht.

. Fast entschuldigend weist Martina Betsch auf die dornigen Schönheiten in ihrem Hasseler Vorgarten hin, die leider schon verblüht sind. Die Hitze hat dem ehemals weißen Rosenblütenmeer zugesetzt. Doch auch wenn die Hingucker verwelkt sind, ruht der Blick auf dem roten Fächerahorn oder den Steinen vorm Haus. Seit 23 Jahren wohnt die 68-Jährige in der Schillerstraße, und ihr Mann legte den Garten an, der im chinesischen Stil entstehen sollte. Als er vor zwölf Jahren starb, lag der "wilde Garten", den ein Schild mit Eule scherzhaft als Naturschutzgebiet ausweist, erstmal brach.

Es dauerte einige Zeit, bis sich Martina Betsch nach diesem Schicksalsschlag wieder in der Lage fühlte, Hand im Garten anzulegen. Stück für Stück, oder "umeinanner", wie sie selbst sagt, gibt sie dem Garten seine Struktur zurück. In ihrem Freiluftwohnzimmer gibt es einen Teich, den noch ihr Mann anlegte, über den eine Brücke im asiatischen Stil führt. Ringsherum fühlen sich eine Deko-Eule, eine Riesenlibelle aus Metall und ein Sandstein-Frosch wohl. Aber auch die lebenden Kollegen der beiden Letztgenannten kommen zu Besuch. Es gab schon mal eine Wasserschildkröte, die beim Nachbarn fremd ging oder auch Schlangen. Gern sitzt die Hasselerin im Pavillon im hinteren Teil des Gartens, frühstückt hier und betrachtet sich ihr Gartenreich. Seerosen im Teich, gelb blühender Frauenmantel drumherum, duftende Rosen und zwischendrin weiße Terrakottafiguren erfreuen das Auge. Gedüngt wird, wenn überhaupt, nur mit klein geschnittenen Bananenschalen und Kaffeesatz.

Wenn ihr Lebensgefährte den Rasen mäht, muss sie schon aufpassen, dass die Königskerze nicht unter die Räder kommt, denn "er sieht manchmal den Unterschied zwischen Blumen und Unkraut nicht", wie sie lachend erzählt. Ihre Lieblingspflanze ist der Buchs. Die 20 Bäumchen schneidet sie liebevoll von Hand in Form, so dass sie aussehen, wie von Meisterhand gestutzt. Nur mit den Pflanzen im Haus hat sie kein glückliches Händchen. Dafür tummeln sich draußen tropische Farne und Palmen, das Taubenschwänzchen ist ab und zu Gast und ein steinerner Buddha genießt hinter dem Metallbänkchen neben der Terrasse die Atmosphäre des zweiten Lieblingsplatzes von Martina Betsch. Auch Unkraut hat bei der Seniorin seine Berechtigung, zumindest dann, wenn es so schön aussieht wie der Klatschmohn.

Gern sitzt Martina Betsch im Kerzenschein hinterm Haus, genießt es aber, wenn die Nachbarn ein Schwätzchen über den Gartenzaun hinweg halten. In jedem Falle ist der Garten für sie jedoch mehr Hobby als Arbeit. Das "Wühlen in der Erde" trägt zum seelischen Wohlbefinden bei und ist "für meine Nerven unbezahlbar", wie die Gartenfreundin sagt. Und an zwei Stellen im Garten erinnern zwei Sandsteinrosetten aus einem Bauernhaus an ihren Mann, der als Architekt diese historischen Stücke als Dank geschenkt bekam.

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