Entscheidung durch Stichwahl bei OB-Wahl in St. Ingbert

Wählervotum : Spannender Showdown an Pfingstsonntag

Oberbürgermeister Hans Wagner (parteilos) und Ulli Meyer (CDU) müssen in zwei Wochen erneut gegeneinander antreten.

Die Entscheidung ist vertagt. Wer ab dem 1. Oktober dieses Jahres Oberbürgermeister von St. Ingbert ist, wird in einer Stichwahl entschieden. Diese findet am Pfingstsonntag, 9. Juni, statt. Denn bei der gestrigen Direktwahl zum OB-Amt in der Mittelstadt erreichte Amtsinhaber Hans Wagner (parteilos) mit 41.7 Prozent der Stimmen zwar das beste Ergebnis, verpasste damit aber die erforderliche absolute Mehrheit. Mit 41,4 Prozent der Wählerstimmen landete Ulli Meyer (CDU) auf Platz zwei – und erreichte damit ebenfalls die Stichwahl. Sven Meier (SPD) kam auf lediglich 3269 von 19 374 gültigen Wählerstimmen und ist somit aus dem OB-Rennen.

Schleppend liefen am Sonntagabend die Wahlergebnisse ein, die Spannung war mit Händen zu greifen. Jubel ereilte OB Hans Wagner und seine Anhänger im Kuppelsaal des Rathauses, als einige Minuten nach 19 Uhr die ersten Zahlen eintrudelten. Die Ergebnisse aus Rentrisch waren zunächst für ihn noch ernüchternd, dann jedoch ging es bergauf. Wobei sich Wagner und CDU-Kandidat Ulli Meyer im Laufe des Abends ein regelrechtes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten. Am Ende erlangte keiner der beiden Kandidaten die absolute Mehrheit, so dass das große Wähler-Finale an Pfingsten stattfinden wird. Wagner meinte, er sei überrascht hinsichtlich der Tatsache, dass sein CDU-Mitbewerber nicht noch mehr Prozentpunkte einfahren konnte – bei all den Ministern aus dessen Lager, die sich in den letzten Wochen in St. Ingbert die Klinke in die Hand gegeben hätten. Ulli Meyer wiederum sagte im Gespräch mit der SZ: „Der erste Schritt für den Wechsel ist getan. Es war ein erwartet schweres Rennen. Die Mehrheit der Wähler will den Wechsel in St. Ingbert.“

Gekämpft, gehofft und doch verloren: Gefasst gab er sich schon, der SPD-Kandidat Sven Meier. Am Ende stand er mit seiner Ehefrau Ruth Henrich im Kuppelsaal des Rathauses, um die letzten Meter des Duells zwischen Ulli Meyer und Hans Wagner am großen Bildschirm mitzuverfolgen. Der Sozialdemokrat Meier sprach gegenüber der SZ von einem „schweren und enttäuschenden Abend“. Spannende Frage am Rande: Wird er eine Wahlempfehlung abgeben in Richtung des amtierenden Mannes im Rathaus-Chefsessel? Zu einer Äußerung diesbezüglich lässt sich Meier nicht hinreißen, verweist auf die nun folgenden Gespräche in den relevanten Gremien. Und dann sehe man weiter. Ursachenforschung? Sie wird wohl noch folgen. Am Ende war die Wahlparty im „Times“ in der Fußgängerzone ein ruhiges, weil von ein wenig Trauer umflortes Feierchen mit zwei roten Windrädchen und einigen rot-weißen Kugelschreibern auf einem der Tische im hinteren Trakt des Gasthauses. Nur 16,87 Prozent der St. Ingberter Wähler konnten sich für Meier erwärmen. Mehr war nicht drin. Bemerkenswert: die hohe Wahlbeteiligung bei der Oberbürgermeisterwahl. Sie lag bei 66,8 Prozent.

Ulli Meyer (Zweiter von links) und Hans Wagner (Zweiter von rechts) treten in einer Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters an. Foto: Cornelia Jung
Es sollte nicht sein: SPD-Kandidat Sven Meier (stehend) im Kreise seiner Parteifreunde an einem ernüchternden Abend. Foto: Michele Hartmann

Bei den Wahlen zum St. Ingberter Stadtrat blieb die CDU mit 35,3 Prozent deutlich stärkste Partei. Die SPD erreichte 20,9 Prozent. Dahinter gab es deutliche Veränderungen. Während die Grünen mit rund 12 Prozent ihr Ergebnis der Kommunalwahl 2014 fast verdoppelt haben, halbierte sich für die Familien-Partei wiederum fast der Stimmenanteil auf 6,2 Prozent. Die AfD, die erstmals im Stadtrat vertreten sein wird, erreichte 7,8 Prozent und ist jetzt viertgrößte Fraktion im Rat. Bei den kleineren Parteien und Gruppierungen landete die Linke knapp vor den wieder im Stadtrat vertretenen Freien Wählern und der FDP. Die Unabhängigen und Wir für St. Ingbert blieben unter drei Prozent.

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