Heimatgeschichte Entbehrungen, Enge und Einfachheit

Oberwürzbach · Auf Spurensuche in der Zeit der industriellen Revolution rund um St. Ingbert.

 Teilnehmer des Erlebnistages „Leben wie vor 100 Jahren“ beim Abendessen mit Pellkartoffeln in der Heimatstube.

Teilnehmer des Erlebnistages „Leben wie vor 100 Jahren“ beim Abendessen mit Pellkartoffeln in der Heimatstube.

Foto: Elisabeth Pintarelli

„Wow! Schmeckt der Löwenzahnblütengelee gudd“, fanden die Teilnehmer des Tagesangebotes der Saarpfalz-Touristik: Leben wie vor 100 Jahren. Die Natur- und Landschaftsführer Elisabeth Pintarelli und Alois Ohsiek hatten eingeladen, diese Zeit der Entbehrungen, Einfachheit und schweren Arbeit in der industriellen Revolution einmal hautnah vor der Haustür mitzuerleben.

Begonnen hatte diese „Reise“ in der Heimatstube in Oberwürzbach beim Aufstehen um 4.30 Uhr mit Ofen anfeuern und Essen vorbereiten. Danach wurde über die Arbeitsverteilung in der Familie bis zum Abend besprochen, wenn alle wieder zu Hause beim Abendbrot gesessen haben. Schnell war allen Teilnehmern klar, vor 100 Jahren gab es noch keine Kaffeemaschine, die auf Knopfdruck frisch gebrühten Kaffee „ausspuckte“ oder ein Radio, das mit schönen Melodien den Start in den Morgen „versüßte“.

Zum Frühstück wurde beim aktiven Schlagen des Rahmes zur Butter den Interessierten bewusst, wie einfach dies doch auch heute noch möglich wäre, trotz der alten Gerätschaften. Der Effekt des eigenen hergestellten Lebensmittels war groß, da diese Butter – so die Teilnehmer – viel leckerer schmecke, als die gekaufte. Der selbst hergestellte Löwenzahnblütengelee in Bioqualität überzeugte alle, genau wie die aus dem Garten geernteten Himbeerblätter, die frisch zu einem Tee aufgebrüht wurden. Die Milch, die vom Butter schlagen übrig war, fand ebenfalls großen Anklang ebenso wie die übrige „Buttermilch“.

Eng war es in dem Raum, aber genau, wie es auch früher in den kleinen Stuben war. Es gab rege Gespräche, es wurde sich ausgetauscht und man erfuhr viel über diese Zeit um 1900.

Nachdem Elisabeth Pintarelli in das Alltagsleben eingeführt hatte und die Teilnehmer für diese Zeit sensibilisiert waren, gingen alle gestärkt zur Schicht auf die Schmelz. Dort wurde aus alten Dokumenten die schwere Arbeit erläutert, mit Bildern dokumentiert und aus Erlebnisberichten der damaligen Arbeiter vorgelesen. Dabei wurde noch einmal bewusst, unter welchen schweren Bedingungen die Arbeiter damals „uff de Schmelz schufteten“. Hier wurde dann auch die Stadt-Land-Beziehung enorm spürbar, denn ohne die Arbeit in der Stadt hätten sich die Familien nicht allein vom eigenen Feld ernähren können.

Und ohne die Bahn, die Ende des 19. Jahrhunderts Anschluss nach St. Ingbert fand, hätten viele Lebensmittel die Arbeiter nicht erreicht, die sie im Konsum zu günstigen Preisen kaufen konnten.

Wieder zurück in der Heimatstube Oberwürzbach führte Alois Ohsiek die Gruppe durch die Räume und erläuterte die Arbeit nach der Schicht für Eltern und Kinder anhand von täglichen Utensilien und Gerätschaften. Die Teilnehmer erfuhren auch hautnah wie beengt damals die Räume waren, so zum Beispiel in der Schlafkammer oder in der Dorfschule. Zum Abschluss des „Tagwerks“ gab es ein kohlenhydratreiches Abendbrot wie früher mit Pellkartoffeln, Brot und Quark sowie Apfelsaft aus der Biosphäre.

Wichtig war es Elisabeth Pintarelli, sich noch einmal auf die Grundwerte zu besinnen: Eigener Anbau, die Natur nutzen für den Eigenbedarf, die Natur schützen und den Einsatz von Pestiziden vermeiden. Oder das Brot in der Brotdose für die Kinder schmackhaft zu machen und nicht die bunte Brotdose in den Vordergrund zu stellen, gemäß dem Motto: wichtig ist, was drin ist und nicht was draufsteht.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Tagesangeboten gibt es bei der Saarpfalz-Touristik, Paradeplatz 4, 66440 Blieskastel, unter Telefon (0 68 41) 1 04 71 74.

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