Enrotherm-Belegschaft hofft weiter

Rohrbach. Die Mitarbeiter des insolventen Rohrbacher Spezialglas-Herstellers Enrotherm GmbH sind wütend. "Ich bin enttäuscht von der Geschäftsführung. Man hat uns mit Absicht hintergangen", sagt Jörg-Hans Schmitt

Rohrbach. Die Mitarbeiter des insolventen Rohrbacher Spezialglas-Herstellers Enrotherm GmbH sind wütend. "Ich bin enttäuscht von der Geschäftsführung. Man hat uns mit Absicht hintergangen", sagt Jörg-Hans Schmitt. Der 47-jährige Flachglasveredler, der 27 Jahre im Unternehmen arbeitete, bekam wie alle anderen 39 Mitarbeiter am Aschermittwoch aus heiterem Himmel seine Kündigung (wir berichteten).

Mittlerweile befindet sich das Unternehmen auf dem Weg in ein ordentliches Insolvenzverfahren. Insolvenzverwalter Günter Staab will das Verfahren zum 1. April eröffnen, erklärte er gestern auf einer Betriebsversammlung. Der Betrieb soll vorerst mit einer Restmannschaft von fünf bis sechs Mitarbeitern weitergeführt werden. "Wir wollen im Unternehmen aufräumen, Inventur machen und uns mit alten und neuen Kunden in Verbindung setzen", erklärt Staab. Der Insolvenzverwalter sieht eine geringe Chance für einen Neustart des Unternehmens, will aber "alles versuchen, um das Unternehmen zu erhalten". Als großes Problem sieht er den schlechten Namen von Enrotherm, nachdem die Firma einen ungeordneten Zusammenbruch erleben musste. Die Masse des Unternehmens beläuft sich laut Staab zurzeit auf 95 Euro. Einen Kaufinteressenten gibt es nach seinen Worten zurzeit noch nicht.

Auf die gekündigten Angestellten kommt nun eine lange Durststrecke zu. In diesem Jahr hat noch keiner der 40 Beschäftigten Lohn erhalten. Zwar steht ihnen für die Monate Januar, Februar und März Insolvenzausfallgeld von der Arbeitsagentur zu, doch dieses wird erst Mitte April ausgezahlt. "Bei mir geht das noch, ich muss keine Miete zahlen", erzählt ein Angestellter, "doch für viele von uns wird es im kommenden Monat ganz knapp."

Trotz der Ereignisse der letzten Wochen ist ein großer Teil der Belegschaft weiterhin hoch motiviert und will für den Erhalt des Unternehmens kämpfen. Betriebsleiter Marc Muth sieht ein großes Potenzial im Unternehmen. "Viele Jahre lang ist die Firma gut gelaufen, das ist auch in der Zukunft wieder möglich", sagt der 31-Jährige. Muth hofft darauf, dass alte Kunden sich mit der Enrotherm-Belegschaft solidarisch zeigen und wieder Aufträge vergeben. Auch hofft der Betriebsleiter auf Unterstützung aus der Politik. "70 Prozent unserer Belegschaft wird, wenn das Unternehmen schließen muss, ins Existenzminimum fallen", ist Muth überzeugt. "Viele Mitarbeiter werden keine oder nur schlechter bezahlte Arbeit finden", sagt der Betriebsleiter. fre

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