Energiewald soll A 6-Lärm schlucken

Der Umwelt-Ausschuss des St. Ingberter Stadtrates hat sich erneut mit dem Thema Lärmschutz am Diedesbühl auseinandergesetzt. Lärmschutzwände kämen die Stadt teuer. Ein „Energiewald“ hingegen könnte positiven Effekt haben.

Immerhin eine kleine gute Nachricht hatte St. Ingberts Oberbürgermeister Hans Wagner im Stadtrats-Ausschuss "Stadtentwicklung und Umwelt" für die Rohrbacher Bürger, die seit der Waldfällung am Diedesbühl mehr Autobahnlärm hören und die wenig attraktive Verkehrsader von ihren Häusern aus sehen: Ein sogenannter Energiewald soll dort zumindest für Linderung der Problematik sorgen. Hinter dem Begriff verbirgt sich Folgendes: Schnell wachsende Baumarten wie Pappeln und Weiden werden maschinell auf der Fläche gepflanzt, wachsen binnen fünf Jahren auf eine Höhe von etwa 15 Metern und können danach als Biomasse "geerntet" werden. Noch ist das Ganze zwar nicht in gänzlich trockenen Tüchern, aber OB Wagner fragte nach seiner Präsentation der Idee Richtung Ränge: "Das hätte doch jetzt etwas Applaus verdient?"

Den Applaus gab es dann, wenn auch zaghaft. Das Projekt sorgt nämlich - je nach Blickwinkel - für ganz unterschiedliche Einschätzungen. Einige Gästen der Sitzung hatten speziell für diesen Tagesordnungspunkt "Lärmschutz am Diedesbühl" den Weg ins Rathaus gefunden. Unter ihnen löste die Nachricht ein unterschiedliches Echo aus - von erfreuter Zustimmung bis zur Kritik, eine solche Wiederaufforstung genüge nicht.

Unter gleich mehreren Aspekten hält es Hans-Hennig Krämer, der Klimaschutzmanager der Biosphäre hat sein Büro im St. Ingberter Rathaus, hingegen für bedeutsam: "Der Energiewald am Diedesbühl würde verschiedene Dinge ideal verbinden." Die höheren Lärmpegel könnten zumindest leicht zurückgehen, den Betroffenen bliebe nach relativ kurzer Zeit der Blick auf die A 6 erspart, das Areal würde "optimal renaturiert", die Stadt erzeuge dort Biomasse und diene damit den Klimaschutzzielen. Nach Krämers Worten handelt es sich um etwa fünf Hektar Land, das für den Energiewald nutzbar wäre. Natürlich würde die Stadt zur Holzernte jeweils nur einen Schreifen wegnehmen, damit der Schutzcharakter erhalten bleibt. Allerdings wies Krämer in der Sitzung darauf hin, dass noch Fragen offen sind. Nachdem Festo für seine Werkserweiterung den Wald am Diedesbühl im vergangenen Winter gerodet hatte, sind viele Erdmassen dort verschoben worden. Etwa 60 000 Kubikmeter Erde müsste noch bewegt werden, ehe die Baum-Pflanzungen möglich sind. Mit Festo wolle die Stadt einen Pachtvertrag für die Nutzung des Areals schließen.

Daneben hat Sandra Strünke-Banz vom Schalltechnischen Beratungsbüro GSB Ergebnisse einer neuerlichen Untersuchung im Ratsausschuss vorgestellt: Das Ergebnis lässt sich knapp so darstellen: Für Schallschutzmauern, die Rohrbach und Hassel gerecht werden, müsste viel Geld in die Hand genommen werden. Die Kosten für verschiedene Teil-Lösungen liegen zwischen 125 000 und über 700 000 Euro.