Eltern sichern Schulweg ihrer Kinder

Wenn es um Verkehrshelfer geht, gibt in St. Ingbert derzeit die Südschule ein gutes Beispiel ab. Hier sind gleich acht Eltern als Engel engagiert. In der St.-Fidelis-Straße zeigt sich aber auch ein Dilemma auf dem Schulweg: Die Unsicherheiten sind oft hausgemacht und von anderen Eltern verursacht.

. Jeder Autofahrer, der auf der Straße mit seinem Fahrzeug liegenbleibt, freut sich, wenn Helfer wie die Gelben Engel zur Stelle sind. Kommen sie, geht es um kaputte Autos, doch in Sachen Schulwegsicherheit schwört Polizeioberkommissar Rainer Roth auf ganz andere Engel. Seine sogenannten Schutzengel sorgen morgens und mittags für einen sicheren Schulweg der Grundschüler. Es sind Männer und Frauen, die den Kindern am Zebrastreifen bei jedem Wetter als Verkehrshelfer einen zusätzlichen Schutz geben.

Obwohl es keinen großen zeitlichen Aufwand für jeden Einzelnen darstellt, ist es doch nicht selbstverständlich, dass Eltern oder Großeltern einen Teil ihrer Zeit in den Dienst der guten Sache stellen. Derzeit gibt es diesen Verkehrshelferdienst lediglich an der Pestalozzischule in Rohrbach und der Südschule in St. Ingbert .

An der letztgenannten steht beispielsweise jeden Donnerstagmorgen Silke Beck mit ihrer gelben Weste und der Kelle am Zebrastreifen, um den Kindern beim Überqueren der Straße zu helfen. Als sie mit ihrer Tochter, damals noch ein Kindergartenkind, in der Jugendverkehrsschule zu Gast war, machte Rainer Roth die Eltern auf die Verkehrshelfer aufmerksam und warb um Mitstreiter. "Er sagte uns, wie schlimm die Situation mit dem Autoverkehr im Schulbereich am Morgen ist und dass das nicht ganz ungefährlich ist", so Silke Beck, Mutter von drei Kindern, "ich kenne die Situation vor der Südschule gut und musste nicht lange überlegen."

Mit sieben ihrer Kollegen sichert sie nun an dieser Stelle in der St. Fidelis-Straße den Übergang. "Man musste mich nicht überreden. Ich begleite meine Tochter sowieso ein Stück. Da kann ich auch noch die zehn Minuten am Überweg stehen", so die 44-jährige St. Ingberterin. Es fühle sich nicht wie Arbeit an, sondern motiviere zusätzlich, wenn die Grundschüler einen "Guten Morgen" wünschen.

Auch Sonja Michel steht bei ihrem neuen "Verkehrshelfer-Job" dreimal wöchentlich vor der Südschule. Ihr Sohn besucht dort die erste Klasse, ihre fünf Monate alte Tochter brachte sie zur Einweisung mit. Die 28-Jährige hat mit Kindern, Haushalt und ihrer Arbeit gut zu tun, weshalb Rainer Roth das Engagement der jungen Mutter besonders schätzt. Er und der Schuleiter der Südschule, Herbert Buhr, ärgern sich über die hausgemachten gefährlichen Situationen am Morgen vor der Schule. "Hätten wir hier eine Rampe, würden manche Eltern ihre Kinder bis ins Klassenzimmer fahren", so Buhr. Das war für Sonja Michel Grund genug, mit ihrem Sohn frühzeitig den Schulweg abzulaufen, um ihn zur Achtsamkeit und Selbstständigkeit zu erziehen. Sie findet es wichtig, am Anfang noch mit zur Schule zu gehen und sich schrittweise zurückzuziehen. Ihr ist aber auch bewusst, dass die Situation manche Kinder überfordert, wenn beispielsweise Zebrastreifen zugeparkt sind, Lastwagen die Sicht versperren oder gar über den Fußweg fahren.

Sie würde sich freuen, wenn sich auch andere Eltern für den Verkehrshelferdienst bereit erklären. Damit die Kinder sicher in die Schule kommen.

Wer Interesse hat, vor einer St. Ingberter Grundschule als Verkehrshelfer für mehr Sicherheit zu sorgen, meldet sich bei Rainer Roth in der Jugendverkehrsschule unter Tel. (0 68 94) 5 39 23.