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Einige Straßen geben aktiven Radfahrern noch Rätsel auf

Einige Straßen geben aktiven Radfahrern noch Rätsel auf

Bei der Rundfahrt per Rad durch St. Ingbert hatte der ADFC im Vorjahr einige Schwachstellen ermittelt. Eine Wiederholung der Tour zeigte jetzt: Richtig viel hat sich seither für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer nicht geändert.

. Im Juni nimmt das Saarland und mit ihm St. Ingbert am bundesweiten "Stadtradeln" teil, mit dem das klimaneutrale Fortbewegungsmittel in den Mittelpunkt gerückt wird. Für die Fahrradfahrer dürfte nicht ganz uninteressant sein, wie schnell und komfortabel sie beispielsweise von der Arbeit nach Hause kommen. Für Fahrrad-Vielnutzer wie die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), den es auch in der Mittelstadt gibt, gestaltet sich der Alltag mit Rad allerdings schon jetzt teilweise schwierig, denn manche Fahrradwegeführungen sind irreführend, gefährlich oder enden abrupt, woanders fehlen sie im Stadtgebiet ganz oder Schilder sind falsch angebracht.

Um den Entscheidungsträgern der Stadt die Probleme aus Radfahrer-Sicht zu schildern, hatte die Vorsitzende des ADFC St. Ingbert , Ursula Hubertus, bereits 2015 zu einer informativen Stadtrundfahrt per Fahrrad eingeladen, an der auch der Oberbürgermeister teilnahm. Viele der in einer Prioritätenliste des ADFC aufgezeigten, für Fahrradfahrer neuralgischen Punkte konnte Hans Wagner nachvollziehen. Bei einer zweiten Auflage dieser geradelten Infotour mussten die Teilnehmer aber feststellen, dass vieles beim Alten geblieben ist. "Nicht optimal, vor allem was die Sicherheit betrifft", nennt es der ADFC, dessen Hauptziel nach wie vor die schnelle Ost-West-Querung von Rohrbach nach Rentrisch und umgekehrt ist. Es gab auch Positives zu vermelden, wie die Einrichtung von Radabstellanlagen an zwei Bahnhöfen oder die Ernennung eines Fahrradbeauftragten.

Bei den Schwachstellen im Fahrradverkehr der Stadt handelt es sich nicht nur um "unsinnige, irritierende" Pflastermuster, die vermeintliche Radwege "vortäuschen", Poller auf einer Verschwenkung von Straße auf den Radweg, zu hohe oder gar nicht vorhandene Übergänge von Straße auf den Radweg, fehlende separate Aufstellflächen für Fahrräder auf der Straße vor den Ampelanlagen, sondern manchmal auch um problembehaftete Kleinigkeiten, die schnell beseitigt oder verändert werden könnten. So ist in der Gustav-Clauss-Anlage, wie auch in der Alten Bahnhofstraße, das Befahren mit Fahrrädern von der einen Seite erlaubt, von der Gegenseite her aber verboten. Hier seien Schilder falsch angebracht oder fehlen ganz.

Als gefährlich bezeichnete Hubertus auch die Situation im Neunkircher Weg, der für Autos als Einbahnstraße ausgewiesen ist, von Radfahrern aber in beiden Richtungen befahren werden darf. Hier würden die Fahrzeugführer regelmäßig erschrecken, wenn ihnen ein Radfahrer entgegen käme. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass das Zusatzzeichen, das Fahrradverkehr in der Gegenrichtung zulässt, nicht wie per Straßenverkehrsordnung vorgesehen unter dem Einbahnstraßenschild, sondern erst einige Meter weiter angebracht ist.

Ursula Hubertus bemängelte, dass es nach wie vor kein durchgängiges Konzept für Radfahrer gebe und dass für "Autofahrer fantastische Pläne in der Schublade liegen", die es auch für andere Verkehrsteilnehmer geben müsse. Wenn man die Wege selbst "erfahre", sehe man viele Situationen mit anderen Augen, meinte Ortsratsmitglied Bodo Marschall, der die Tour wie Stadtratsmitglied Jürgen Berthold begleitete. Hier hoffe man auf einen Aha-Effekt beim "Stadtradeln", so die ADFC-Mitglieder.