Alte Schmelz: Eine Reise in St. Ingberts Vergangenheit

Alte Schmelz : Eine Reise in St. Ingberts Vergangenheit

Eine Gruppe von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz besuchte die Alte Schmelz.

Reisegruppen, die mit Kameras aus Bussen steigen? Mitten in St. Ingbert? Das sieht man eher selten. Aber warum eigentlich nicht? Immerhin steht hier die älteste noch weitestgehend erhaltene Werkssiedlung im ganzen Südwesten inklusive dem ältesten Industriedenkmal des Saarlandes, der Möller-Halle auf dem Gelände der Alten Schmelz.

Das ehemalige Eisenwerk ist inzwischen über 200 Jahre alt. In dieser langen Zeit hat es Höhen und Tiefen erlebt. Gebäude wurden abgerissen, neue dazugebaut, andere verfielen und oder wurden renoviert. Der Ghetto-Charakter ging in den letzten Jahren verloren. Inzwischen gehören die renovierten Arbeiterquartiere zu den Straßen mit dem schönsten Stadtbild in St. Ingbert. Gelbe Fassaden mit grünen Läden schmücken die Häuserzeile. Die Werkshallen werden für unterschiedlichste Events genutzt.

Industriekultur, die seit 2004 unter Denkmalschutz steht. Mit der silbernen Halbschale wurde die Alte Schmelz ausgezeichnet und wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert und unterstützt. In diesem Jahr wird das alte Eisenwerk sogar zum begehrten Reiseziel.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bietet in ihrem Magazin „Monumente“ ihren Mitgliedern ein Studienreise-Programm an. Die mehrtägigen Touren können zu unterschiedlichen Terminen im Jahr gebucht werden und führen die Gruppen in unterschiedlichste Regionen des Landes. In diesem Jahr auch ins Saarland. Für den Verein Initiative Alte Schmelz war es am vergangenen Samstag eine besondere Ehre, als finale Station der „Kulturvielfalt einer Grenzregion“ die 35 Reisenden aus ganz Deutschland begrüßen zu dürfen.

Über das Areal führte sie die Historikerin Susanne Nimmesgern, die sich schon lange mit St. Ingberts Industriekultur auseinandersetzt. Vor zehn Jahren suchte die Initiative Alte Schmelz bezüglich des Themas „Die starken Witwen“ nach Unterstützung durch einen Historiker.

Was als Broschüre geplant war, führte Nimmesgern gleich zu einem ganzen Buch. „Die Schmelzerinnen“ lautet der Titel, denn die Geschichte der Frauen, die über die Jahre auf dem Geländer gearbeitet haben, ist so beeindruckend wie vielfältig. Das erfuhr am vergangenen Freitag auch die Gruppe der „Monumente-Reisen“. Zum Ausklang bewirtet die Initiative Alte Schmelz ihre Gäste mit Kaffee und Snacks.

Zwei weitere dieser Termine sind für das Jahr 2018 bereits geplant und komplett ausgebucht, hieß es bei der Veranstaltung.

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