Eine neue Biografie ist in Arbeit

St. Ingbert. Manchmal fällt ihr ein Wort auf Deutsch nicht ein - dann entschuldigt sie sich mit mädchenhafter Leichtigkeit und flickt schon mal in ihre Rede eine Floskel ein, mit der sich jedes saarländische Herz im Flug erobern lässt: "Oh leck." Das klingt charmant aus dem Mund von Daphne Schmelzer. Die 64-jährige Schriftstellerin lebt seit zwei Jahren in St. Ingbert

St. Ingbert. Manchmal fällt ihr ein Wort auf Deutsch nicht ein - dann entschuldigt sie sich mit mädchenhafter Leichtigkeit und flickt schon mal in ihre Rede eine Floskel ein, mit der sich jedes saarländische Herz im Flug erobern lässt: "Oh leck." Das klingt charmant aus dem Mund von Daphne Schmelzer. Die 64-jährige Schriftstellerin lebt seit zwei Jahren in St. Ingbert. Mit ihrem Mann Norbert Schmelzer kam sie im Sommer 2008. Der ehemalige niederländische Außenminister hatte seine familiären Wurzeln hier. Nach einigen gemeinsamen Besuchen im Saarland und der Sympathie, die die Niederländerin vom ersten Tag an für die von Wäldern umsäumte Stadt entwickelte, beschlossen beide, von ihrem Wohnort Wassenaar an der Nordsee zu übersiedeln. Viel gemeinsame Zeit war ihnen in St. Ingbert nicht beschieden: Nur 16 Wochen später verstarb der besonders dem europäischen Gedanken verbundene Politiker im Alter von 87 Jahren. Die Freude an der Stadt ging trotz des Schocks über den Verlust ihres Lebenspartners nicht verloren. Die Entscheidung für den Wohnsitz erwies sich auch in dieser Phase als die richtige. "Es war fantastisch. Niemand hat sich mir in dieser Zeit aufgedrängt, aber alle waren da", sagt die Wahl-St. Ingberterin. Eine große Wärme habe sie erfahren, Solidarität, Bodenständigkeit. Dinge, die sie brauchte. Mittlerweile arbeitet sie wieder. Schmelzer schreibt an einer Biografie über Aurora von Königsmarck und ihren Sohn Moritz, der später als Maurice de Saxe in die Geschichte einging. Die beiden sind Vorfahren der französischen Autorin George Sand, über die Daphne Schmelzer publiziert hat. Das Biografische ist Teil ihrer beruflichen Entwicklung. In Brüssel machte sie für das Fernsehen Dokumentationen, ehe Norbert Schmelzer in ihr Leben trat. Mitte der 90er Jahre begann sie mit dem freien Schreiben. Veröffentlichte ein Buch über den holländischen Bischof Ronald Bär, dann Biografien über George Sand und Iwan Turgenjew. Für die neue Biografie hat sie sich einer besonderen Herausforderung gestellt: Schmelzer schreibt auf Deutsch. Sie lebe nunmal jetzt hier, sagt sie mit ihrer besonderen niederländischen Sprachmelodie und der ihr eigenen festen Überzeugung. Außerdem handele es sich um Deutsche, deren Leben und Denken sie für ihre Leser aufzuschlüsseln sucht. Was liege also näher, als deren Sprache zu verwenden? Dennoch: Sie schreibt zunächst ihre Gedanken mit dem Füller in der eigenen Muttersprache nieder. Beim Übertragen in den Computer übersetzt die Autorin dann. Und ist verblüfft: "Das Deutsche ist so viel kompakter. Ich brauche viel weniger Worte.""St. Ingbert ist jetzt meine Heimat. Holland ist mein Ursprung." Schmelzer weiß viel zu sagen über die Stadt. Über das Wesen ihrer Menschen, ihre schöne Lage. Und über die Kultur. Die Kleinkunstwoche findet sie zum Beispiel toll, die Veranstaltungen im Kulturhaus erwähnt sie. Besonders lebendig allerdings wird sie, als die Rede auf die Insolvenz der alteingesessenen Buchhandlung Friedrich kommt: "Es wäre eine Schande, wenn die Stadt ihre Buchhandlung verliert." Friedrich sei ein wichtiges Mosaiksteinchen. Im Flur der Wohnung hängen zwei kleinformatige Drucke des St. Ingberter Künstlers Max Grand-Montagne. Der eine zeigt neben dem für Grand-Montagne typischen roten Carrée einen Kreis. Der Kreis habe sich für ihren Mann mit dem Umzug nach St. Ingbert geschlossen, sagt Schmelzer beim Hinausgehen. "Mein Kreis ist noch nicht geschlossen", schiebt sie hinterher und zeigt auf den anderen Farbdruck. Ein kraftvoller Bogen ist darauf zu sehen. Seite an Seite hängen die beiden Bilder da, zwischen anderen Werken und manchem Porträt Norbert Schmelzers.

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