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Eine große Lücke in der Kulturlandschaft

Eine große Lücke in der Kulturlandschaft

Am vergangenen Sonntag verstarb Fred Oberhauser. Neben seinen überregionalen Verdiensten hatte sich der aus Blieskastel stammende und zuletzt in St. Ingbert lebende ehemalige SR-Kulturredakteur und Buchautor auch in der St. Ingberter Kulturszene bis ins hohe Alter vielfältig engagiert. Gerhard Sauder, der langjährige Vorsitzende des St. Ingberter Literaturforums, erinnert daran in einem Beitrag für die Saarbrücker Zeitung.

 Fred Oberhauser 2009 in der St. Ingberter Stadtbücherei bei einer Lesung aus seinem Kulturführer. Foto: Jörg Martin
Fred Oberhauser 2009 in der St. Ingberter Stadtbücherei bei einer Lesung aus seinem Kulturführer. Foto: Jörg Martin Foto: Jörg Martin

Mit einer Hommage an Ludwig Harig feierte das St. Ingberter Literaturforum am 18. Juni 2011 sein 30-jähriges Bestehen. Harig war der erste Autor, der im neugegründeten ILF am 9. Oktober 1981 vor 300 Literaturfreunden in der Stadthalle las. Für die Eröffnungsveranstaltung war eigentlich Peter Härtling vorgesehen, der aber kurzfristig absagte: Er müsse an diesem Tag mit seinen Freunden gegen den Bau der Startbahn West demonstrieren.

Für Fred Oberhauser war es ein Leichtes, seinen "Urfreund" Harig zu bewegen, einzuspringen. Der Abend wurde zu einem großen Erfolg - für den Sulzbacher Autor und die Neugründung ILF. Als zu Beginn der achtziger Jahre unter St. Ingberter Lokalpolitikern darüber diskutiert wurde, ob als Pendant zum Weisgerber-Kunstpreis nicht auch ein St. Ingberter Literaturpreis verliehen werden könnte, riet Oberhauser ab und schlug vor: Lieber zwei Jahre lang Literatur für alle als alle zwei Jahre einen Literaturpreis für einen! Mit seiner Maxime "Kultur für alle" folgte er dem Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann .

Am 10. Juni 1981 fand die konstituierende Sitzung im Kulturhaus statt. Anwesend waren Vertreter der Stadtratsfraktionen von SPD , CDU , FDP und FWG, ein St. Ingberter Verleger, ein Buchhändler, der Leiter der Volkshochschule, ein Vertreter der Universität des Saarlandes und der Kulturjournalist Fred Oberhauser vom Saarländischen Rundfunk. Er wurde zum Vorsitzenden gewählt. Die Stadt stellte in ihren Haushalt 10 000 Mark (heute: 5112 Euro) für das ILF ein - daraus sind aktuell 2500 Euro geworden. Anfangs gab es noch bürokratische Probleme, mit welchen sich Oberhauser und die engagierten Bürger auseinandersetzen mussten, die bereit waren, den vom Stadtrat und der Verwaltung akzeptierten Plan einer kontinuierlichen Literaturförderung zu realisieren. Der Arbeitskreis betonte, dass er in der Wahrnehmung seiner Aufgabe völlig unabhängig sein müsse; das ILF sei kein Verein, sondern agiere als freie Initiative von St. Ingberter Bürgern. Für die Organisation der Veranstaltungen stehen dem ILF bis heute das Kulturamt und die Stadtbücherei zur Verfügung.

Nach dem erfolgreichen Start der Veranstaltungen folgten 1981 noch Lesungen von Sibylle Knauss , Nico Graf und eine "Uraufführung" der Saarbrücker Rokoko-Lieder (aus dem Französischen übersetzt von L. Harig) durch die Gruppe Espe. Am 24. Januar 1982 wurde die Karl-Uhl-Stube im "Lämpchen" eröffnet - mit Grußwort von OB Werner Hellenthal, Texten von Karl Uhl und Überlegungen von Fred Oberhauser über "Literaturforum und Heimatstube". Deren Gründung im Rahmen des ILF war ihm ein Herzensanliegen: Die Heimatstube sei als kleines Forum, als Basis für die Basis zu sehen. Auch nachdem Fred Oberhausers Amt des Sprechers 1984 an Sibylle Knauss , dann an Gerhard Sauder (1988 bis 2015) und Jürgen Bost (ab Sommer 2015) übergegangen war, stand er dem Arbeitskreis beratend zur Seite. Am Erfolg der Literaturfeste (Schiller 2005, Heine 2007, Busch 2008, Harig 2011) war er durch ein jeweils zum Autor ausgedachtes und von ihm moderiertes Quiz wesentlich beteiligt. Das Alter hat seinen Enthusiasmus für die Literatur nicht gedämpft - bis zum letzten Tag seines reichen Lebens verstand er es, seinen Mitmenschen seine Begeisterung für Literatur und Kunst mitzuteilen. Die Stadt St. Ingbert und die Besucher der Veranstaltungen des ILF in 35 Jahren sind ihrem unvergleichlichen Mitbürger zu großem Dank verpflichtet.

Am heutigen Freitag findet um 15 Uhr ein Gottesdienst in der St. Ingberter Pfarrkirche St. Konrad statt. Die Beisetzung erfolgt auf Wunsch des Verstorbenen in aller Stille.