Eine Eule erobert St. Ingbert

An Fasenacht dürfen alle Narren ihr Wissen unverblümt und vor allem humorvoll aussprechen. Als Symbolträgerin des Wissens gehört somit auch die Eule zur närrischen Zeit. Nur ein Grund, warum der Heimat- und Verkehrsverein St. Ingbert sich für den Vogel als Motiv für den neuen Pin 2016 entschieden hat.

Till Eulenspiegel war das Gesicht der St. Ingberter Fasenacht 2015. Die Idee, den traditionellen Anstecker mit dem Schalk zu gestalten, entsprang einem 1902 erschienenen Geschichtenband. Der Maler Albert Weisgerber hatte diesen illustriert. Und so blätterten Wolfgang Blatt und Konrad Weisgerber vom Heimat- und Verkehrsverein St. Ingbert schon vor etwa einem Jahr in der SZ-Redaktion in dem Büchlein und fanden viele Motive, die für einen neuen Pin prädestiniert waren. Tatsächlich fiel die Wahl auf ein Motiv aus dem Geschichtenband. Die Eule sollte es werden. Auf dem Titelbild ist sie als Begleiter Till Eulenspiegels zu sehen, sitzt auf dem Schweif seiner Narrenkappe. Der Anstecker ist sogar in etwa so groß wie das Original.

Die Eule stehe, wie die beiden Redaktionsgäste erklären, für Weisheit und Wissen. Und wo Wissen ist, ist Witz nicht weit, sind diese beiden Wörter doch sogar miteinander verwandt. "Es muss nicht immer der dumpfe Humor sein", sagt Weisgerber. An Fasenacht dürfe der Humor auch feinsinnig sein. "Das ist ganz wichtig", stimmt Blatt ihm zu. Was heute viele als Fastnacht feiern, habe mit dem Brauchtum nur noch wenig zu tun. Die Entwicklung gehe hin zur Party mit Ballermann-Liedern. Die Eule sei daher ein wichtiges Symbol, sich auf das Brauchtum der politischen Fasenacht zurückzubesinnen, die Narrenfreiheit zu genießen und anderen den Spiegel vorzuhalten. Nicht zuletzt ist das gefiederte Tier ja auch im Namen Till Eulenspiegel enthalten. Einen besonderen Bezug zu St. Ingbert , neben der Tatsache, dass die Zeichnung von Albert Weisgerber stammt, bekommt der neue Anstecker durch seine Farbe. Rot ist der Vogel mit schwarzen Augen, Schnabel und Füßen - die Farben St. Ingberts, die auf die Vergangenheit im Bergbau anspielen, sagt Weisgerber. Schwarz für Kohle, rot für glühendes Eisen. Apropos Bergbau: Den Pin gab es auch schon in Form eines Tschakos, dem traditionellen Schachthut von Bergleuten. Es ist das offenbar beliebteste Motiv, erzählt Weisgerber, der schon öfter darauf angesprochen geworden sei, ob die Anstecker noch erhältlich seien. Doch die stets gleich bleibende Auflage von 1000 Stück werde man beibehalten, sagt Blatt. "Es ist eben ein begehrtes Sammlerstück."

Dadurch, dass es aus Zinn sei, habe es auch eine gewisse Wertigkeit, fügt Weisgerber hinzu. Zinn-Kayser aus Rohrbach fertige die Eulen in Handarbeit an. Mit dem Erlös des Pin-Verkaufs finanziere der Verein einen Teil des Umzugs, sagt Blatt. Natürlich decke das nicht alle Kosten ab, angefangen bei der Versicherung bis hin zum Wurfmaterial. Einen großen Teil des Geldes steuere der Ortsrat bei, aber auch Firmen und Gastronomen unterstützen den Umzug, der zum Teil auch vor deren Haustüren vorbeiziehe und für viele Besucher und somit auch Umsatz sorge. Wer sich bereits einen Pin sichern möchte, erhält eine Eule bei den fastnachtstreibenden Vereinen, an den Vorverkaufsstellen der St. Ingberter Kappensitzungen, des Männergesangsverein Frohsinn und der Dengmerter Narrezunft sowie auch in den Geschäften.