Ein Verein schreibt Stadtgeschichte

Manches mag schon bald vergessen sein, eines wird die Amtszeit von Georg Jung als St. Ingberter Oberbürgermeister mit Sicherheit überdauern: der sogenannte Spendenverein, der es in dieser Woche richtig heiß hergehen ließ. Dass das so eng mit Jung verbundene Namensungetüm "Verein zur Förderung der sozialen und kulturellen Belange in der Mittelstadt St. Ingbert e.V

Manches mag schon bald vergessen sein, eines wird die Amtszeit von Georg Jung als St. Ingberter Oberbürgermeister mit Sicherheit überdauern: der sogenannte Spendenverein, der es in dieser Woche richtig heiß hergehen ließ. Dass das so eng mit Jung verbundene Namensungetüm "Verein zur Förderung der sozialen und kulturellen Belange in der Mittelstadt St. Ingbert e.V." nicht in Vergessenheit geraten wird, hat dabei erstaunlicherweise nichts mit der Staatsanwaltschaft zu tun. Deren Ermittlungsbeamte haben zum Wochenbeginn dem Vernehmen nach restlos alle Unterlagen des Spendenvereins beschlagnahmt, um sie auf mögliche Vorteilsnahme zu durchforsten. Nein, seinen Stempel hat der Verein der Stadtchronik mit seiner für viele überraschenden Auflösung aufgedrückt. Denn ein Verein, der sein Ende zelebriert, um sein weiteres Mitmischen zu sichern, ist bisher ohne Beispiel.Die Mitgliederversammlung zeigte zudem noch einmal die ganze Tragik des Vereins für soziale und kulturelle Belange. Mit einigem Ungeschick und überflüssiger Geheimniskrämerei hat es Georg Jung verhindert, dass die schon lange angedachte und uneingeschränkt positiv zu bewertende Bürgerstiftung der breiten Öffentlichkeit glaubhaft als der wahre Vereinszweck erschien. Zudem trüben die Personalien im Spendenverein das Bild. Kämmerer Dieter Detemple und Baudirektor Martin Ruck - als bisheriger zweiter Vorsitzender beziehungsweise als Rechnungsprüfer erst gar nicht bei der Mitgliederversammlung dabei - wurden bewusst aus der Schusslinie der Spendenverein-Kritiker genommen. Das ist verständlich. Missverständlich ist hingegen, dass ihren Abtritt und die Vereinsauflösung ausgerechnet sieben der noch wenigen Jung-Getreuen als Neumitglieder ermöglichen mussten. Und unter diesen waren drei SPD'ler und gerade mal einer aus der CDU. Das passt zu Jungs letzten Amtstagen und war kein Zufall.