Ein Stolperstein für „Joho“

Am 20. April wird Gunter Demnig in St. Ingbert elf neue Stolpersteine verlegen, die an ehemalige Bewohner der Stadt erinnern, die in der NS-Zeit verfolgt worden sind. Unter den so Geehrten ist auch der frühere Ministerpräsident Johannes Hoffmann („Joho“).

. Im August vergangenen Jahres wurden in St. Ingbert acht sogenannte Stolpersteine verlegt, die an NS-Opfer und in dieser Zeit Verfolgte erinnern. Das Geschichts- und Kunstprojekt löste damals so großen Widerhall aus, dass es in wenigen Tagen eine neuerliche Aktion geben wird. "Viele St. Ingberter haben sich diese Idee zu eigen gemacht", sagte Stadtarchivar Dieter Wirth, als die Stadtverwaltung am Freitag im Rathaus Einzelheiten zur Verlegung der neuen Stolpersteine vorstellte. Etliche Bürger seien zur finanziellen Unterstützung des Projekts des Kölner Künstlers Gunter Demnig bereit gewesen, das ausschließlich durch solche Spenden finanziert werde.

Die neuen Stolpersteine wird Demnig am Montag, 20. April, an fünf Stellen in der Rickert-, der Kaiser- und der Ensheimer Straße ins Pflaster legen. Mit ihnen sollen insgesamt elf ehemalige Bewohner der heutigen Mittelstadt im öffentlichen Gedächtnis bleiben, die alle während der NS-Herrschaft verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden: Otto Beer, Lucy Karoline Beer, Jakob Stern, Helene Stern, Edgar Friedberg , Erna Wolfermann, Artur Wolfermann, Edith Hedwig Wolfermann, Eva Heimann, Erich Ochs und Johannes Hoffmann.

Vor allem der Name Johannes Hoffmann lässt dabei aufhorchen. Dass der erste Ministerpräsident des Saarlandes (bekannt als "Joho") auch einmal in St. Ingbert lebte, war bisher nur wenigen bekannt. Nach Angaben des Stadtarchivars kann als sicher gelten, dass Johannes Hoffmann kurzzeitig in der Ensheimer Straße 33 seinen Wohnsitz hatte. Das war vor der Saarabstimmung am 13. Januar 1935, nach der der erklärte Nazi-Gegner aus dem Saarland vertrieben wurde. Es folgten für "Joho" Jahre im Exil in Frankreich, Luxemburg, Spanien und Brasilien.

Am Beispiel Hoffmanns machte Stadtarchivar Wirth zugleich deutlich, wie schwierig es sei, Angaben zu den mit einem Stolperstein Geehrten zu finden. "Es bedarf mühsamer Recherchen, um herauszufinden, wo genau diese Personen ihren letzten Wohnsitz in St. Ingbert hatten. Die alten Meldekarten aus dieser Zeit sind meist nicht mehr vorhanden." An fehlenden historischen Details hänge auch, weitere dem Archiv bekannte NS-Verfolgte aus St. Ingbert ehren zu können. Geld für weitere Stolpersteine sei durchaus da.

Die Stolperstein-Verlegung, zu der alle Interessierten eingeladen sind, startet am Montag, 20. April, um 9 Uhr vor dem Anwesen Rickertstraße 23. Bereits zuvor wird in der Kinowerkstatt St. Ingbert auch mit zwei Filmen an den Nazi-Widerstand erinnert: Am Samstag, 18. April, läuft "Elser - Er hätte die Welt verändert" und am Sonntag, 19. April, der Dokumentarfilm "Stolperstein".