Stadtpfarrer: Ein Pfarrer hat auch viele wenig fromme Jobs

Stadtpfarrer : Ein Pfarrer hat auch viele wenig fromme Jobs

Andreas Sturm predigt, tauft und kümmert sich um kaputte Türen. Zum Seelsorger-Alltag gehören längst verschiedenste Aufgaben.

Ende Juni war es zweieinhalb Jahre her, dass es Pfarrer Andreas Sturm aus der Pfalz ins saarländische St. Ingbert verschlagen hat. Und in seine hiesige Amtszeit fällt auch, dass aus sieben Pfarreien die Großpfarrei Heiliger Ingobertus wurde. Wie arbeitet es sich in solch einem „konzentrierten Gebilde“ und wie gefällt dem Pfarrer seine neue Heimat? Das waren die Fragen, die die Saarbrücker Zeitung Pfarrer Sturm in einer Privataudienz stellte.

Vor Herausforderungen scheint er sich nicht zu scheuen und wenn es doch mal schwierig wird, dann hilft ihm seine pragmatische Art und die Tatsache, dass er sich in der Mittelstadt wohl fühlt. „Ja, ich bin gern hier und ich hatte in St. Ingbert noch keinen Tag, an dem ich dachte ,Schade, dass ich hier gelandet bin’“, sagt er zufrieden.

Die Großpfarrei hat rund 110 Mitarbeiter. Allein die Teams der Kindergärten tragen zu dieser Zahl bei. Viele Dinge laufen intern in den Kita-Leitungen, nur in Konfliktfällen sei er gefragt. Immer im Gespräch ist er auch mit den kirchlichen Hilfskräften, die sich beispielsweise um die Orgeln oder die Gartenarbeit kümmern. Gottesdienste, Beerdigungen, Taufen, Erstkommunionen und Hochzeiten, die auch Vorgespräche erfordern, machen rund 20 Prozent von Sturms Arbeit aus, fast jeden Tag gibt es eine Messe. Die restlichen 80 Prozent sind Personalgespräche, Verwaltungsdinge und die Beschäftigung mit Bauangelegenheiten.

Noch 2015 wurde jede Pfarrei einzeln verwaltet und es gab sechs Verwaltungsräte, wo es heute nur noch einen gibt. Trotzdem sei jede Kirche unterschiedlich, was sich auch bei seinen Predigen widerspiegele. „Wir feiern überall anders Gottesdienst, da gucke ich bewusst drauf.“ Heute sei die Arbeit in der Großpfarrei einfacher, sagt Sturm, obwohl er sich mit mehr Themen beschäftigen müsse. Noch laufe das Großgebilde nicht ganz rund, aber wenn der „Tanker mal richtig läuft“, was auch mit den Gremien in Speyer zusammenhänge, gebe es viele Vorteile. So haben sie die Buchführung der Kirche von Kameralistik auf Doppik umgestellt. Habe man also früher eine Einnahmenüberschussrechnung mit einer periodengerechten Zuordnung gehabt, werde bei der jetzt angewandten Buchführungsmethode die Soll- und Habenseite gebucht. „Das ist alternativlos“, bezeichnet Sturm diese Art des Arbeitens, wodurch er aber auch „weniger Pfarrer“ sei. Mit der Umbildung sei die Kuratie in alle Rechtsgeschäfte eingestiegen. „Da ist dauernd was Bauliches“, erzählt der 42-Jährige und erwähnt, dass von die Pfarrei 40 Gebäude verwaltet. Graffiti und Wasserschäden, nicht funktionstüchtige Turmuhren – all das gehört ebenfalls zu den Aufgaben, mit denen der Pfarrer betraut ist.

Einige Monate schlug die Glocke in St. Michael nicht, was eine Kontaktaufnahme mit dem Glockensachverständigen der Diözese nach sich zog. Nun kann auch Sturm erklären, welche Rädchen dort nicht ineinander griffen. Auch um den kaputten Klöppel der Josefskirche musste er sich kümmern. Sturm schlägt sich auch schon mal in St. Josef mit einem Taubenproblem herum, kümmert sich mit den Mitarbeitern um die klemmende Tür in St. Michael und musste sich mit einem „von Übeltätern“ geplünderten Opferstock beschäftigen.

„Auch in den Kitas gibt es immer was zu tun“, sagt er und führt die Elterngespräche an, aber auch die Beaufsichtigung der dort einzuhaltenden Feuerschutzrichtlinien oder die Reparatur kaputter Computer. Es gibt also für den Pfarrer viel zu tun. Dinge, die viele nicht auf den ersten Blick mit seinem Beruf verbinden würden. „Ich bin gegen Jammerei, glaube aber schon, dass meine Fähigkeiten eher in der Seelsorge stecken.“ Deshalb mache es ihm auch wenig aus, wenn er mitten in der Nacht zu einem Sterbenden ans Krankenbett gerufen wird. Da bleibe er sitzen, weil es ihm wichtig ist, auch wenn um neun Uhr die regulären Termine los gingen und man von ihm erwarte, dass er dann ebenfalls fit ist.

Hier segnet Pfarrer Andreas Sturm nach dem Motorrad-Gottesdienst 2016 in St. Hildegard die schweren Maschinen. Foto: Günther Wagner

Er weiß, wie prägend ein Pfarrer für eine Pfarrei sein kann und erwähnt den historisch bedingten Riss im Verhältnis zwischen St. Hildegard und St. Josef, den man noch heute merke. Auch geschichtlich habe er dazugelernt: „Dass die Pfalz zu Bayern gehörte, habe ich in der Massivität erst hier gehört. Das war in der Pfalz nie ein Thema.“ Seine Arbeit gefällt Andreas Sturm: „Sie ist interessant und auch die bautechnischen Dinge sind spannend.“

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