Ein offenes Ohr für die Menschen

Vor allem durch die aktuelle Flüchtlingssituation hat sich auch im Caritas-Zentrum Saarpfalz in den vergangenen Monaten vieles verändert. Neben den klassischen Aufgabenbereichen wie der Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung ist man hier nun auch in Bereichen wir der Hausaufgabenbetreuung gefordert.

Die soziale Arbeit im Caritas-Zentrum Saarpfalz befindet sich im Wandel; ebenso wie aktuell sich die Gesellschaft ändert. Die gestiegenen Flüchtlingszahlen spiegeln sich im Jahresbericht der Sozialeinrichtung wider - vom Kinderhaus St. Ingbert und der Hausaufgabenhilfe bis hin zu speziellen Angeboten wie etwa den Frauentreff. Der verstärkte Auftrag zur Integration durchdringt inzwischen alle Bereiche der Caritas und fordert einen Spagat. Die Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung steht hierfür beispielhaft.

"Wir sind für jeden da, der Orientierung, Hilfe oder vielleicht auch nur jemanden zum Aussprechen braucht", erklärt Petra Leonhardt, Diplom-Sozialpädagogin. "Das können bereits ganz einfache Fragen sein, die einen beschäftigen, und man schlicht nicht weiter weiß." Ob das schreiende Kind, Unstimmigkeiten in der Partnerschaft oder Schwierigkeiten in der Pubertät - die vier Mitarbeiterinnen in der Caritas-Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung hören aufmerksam zu und entwickelten im Gespräch Lösungsansätze.

Nichts, was in den Räumen in der Kohlenstraße 68 besprochen wird, dringt nach draußen. Kein Ehepartner, kein Familienmitglied erfährt je von dem Gespräch, wenn dies nicht gewünscht wird. Das Angebot gilt für Kinder und Jugendliche ebenso wie für Erwachsene - gleich ob als Einzelperson, als Paar oder als Großeltern. Die Beratung ist kostenlos. Bereits seit einigen Jahren kommen mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln in die Kohlenstraße 68.

Waren es 2013 noch 12 Prozent, so stieg deren Anteil an den Erziehungs, Ehe- und Lebensberatungen 2015 auf gut 20 Prozent. Das entspricht jeder fünften Beratung. Die vier Mitarbeiterinnen sind bestens ausgebildet. Dennoch ist es Caritas-Chef Andreas Heinz wichtig, ihre interkulturelle Kompetenz durch stete Fortbildungen weiter zu stärken.

"Gerade in ihrem Aufgabenfeld werden sehr sensible Fragen der familiären Tradition und Kultur berührt. Dies betrifft etwa die Erwartungen an die Familienmitglieder untereinander, die Geschlechterrollen oder einfach Alltagsrituale. Fortbildungen in diesem Bereich sind in der sozialen Arbeit gerade jetzt mit Blick auf den verstärkten Flüchtlingszuzug enorm wichtig."

Neben den speziellen Weiterbildungen hat der Leiter des Caritas-Zentrums Saarpfalz alle Beschäftigte 2015 zu einer gemeinsamen, freiwilligen Inhouse-Schulung eingeladen. Von den 53 hauptamtlichen Kräften nahmen über 40 daran teil. Dabei wurde das Angebot auch von Mitarbeitern aus der Verwaltung angenommen. Beleg dafür, wie wichtig das Thema auch caritas-intern gesehen wird.

Kein Wunder, denn nahezu alle Bereiche der Caritas-Angebote stehen vor der Herausforderung, auf die vielen Fragen, die sich im Zusammenhang mit Migration und Integration stellen, Antworten zu finden. Immer mehr ausländische Kinder nehmen die Hausaufgabenhilfe des Caritas-Zentrums in Anspruch. Die Nachfrage übersteigt seit dem Herbst das Angebot von derzeit 40 Plätzen. Die Schülerinnen und Schüler - allein 20 kommen aus der Türkei - haben vor allem in den Fächern Mathematik und Deutsch Probleme und brauchen Unterstützung: "Seit dem dritten Quartal hat sich die Betreuungszahl stetig erhöht, und wir müssen für die Zukunft eine Warteliste erstellen."

Ein zweites Beispiel: In der Schwangerschaftsberatung zeigt sich die Entwicklung am deutlichsten. Zwischenzeitlich liegt hier der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund bei über 60 Prozent´.

Die Anfragen an die Schwangerschaftsberatung sind insgesamt so gestiegen, dass auch auf Landesebene in der personellen Ausstattung der Stellen zu diskutieren sein wird. Denn diese Entwicklung wird anhalten.

Und noch ein Beispiel: Noch nie strömten so viele Kinder in das Caritas-Kinderhaus in St. Ingbert wie im vergangenen Jahr. 2015 waren es 5 358 Mädchen und Jungen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren - 1 125 Kontakte mehr als im Jahr zuvor. Durchschnittlich kamen täglich 30 Kinder; im Jahr zuvor waren es noch 24 gewesen. "Fast alle Kinder kamen aus Familien mit Migrationshintergrund , inzwischen vermehrt aus Flüchtlingsfamilien", berichtet Caritas-Chef Heinz. "Im Jahr 2015 arbeitete eine junge Frau in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr mit." Auch für dieses Jahr sucht die Caritas wieder eine FSJlerin oder einen FSJler. "Bewerbungen von Männern sind willkommen. Wir brauchen mehr männliche Bezugspersonen. Dies haben wir gerade durch eine Umfrage im Kinderhaus bestätigt bekommen."