Die ersten Ideen eines Landesmuseums für Industriekultur in St. Ingbert werden im Kulturausschuss vorgestellt Ein Landesmuseum für St. Ingbert?

St. Ingbert · Ein kleiner Kreis stellte die Idee eines landesweiten Museums für Industriekultur dem Kulturausschuss vor.

 Dieter Wirth (links) und Klaus Friedrich im Keller des Rathauses mit Exponaten, die alle eines Museums würdig wären. Im Vordergrund zwei von Maler Dryander entworfene Vasen von 1804.

Dieter Wirth (links) und Klaus Friedrich im Keller des Rathauses mit Exponaten, die alle eines Museums würdig wären. Im Vordergrund zwei von Maler Dryander entworfene Vasen von 1804.

Foto: Cornelia Jung

Zehn Jahre ist es her, dass das Heimat- und Stadtmuseum im ehemaligen Landratsamt schloss. Seitdem fehlen etwa 200 Quadratmeter Ausstellungsfläche für historische Exponate. Diese lagern in verschiedenen Depots und sind in ihrem Bestand gefährdet. Deshalb gab es auf Anregung von Dieter Wirth vom Stadtarchiv ein Treffen von Vertretern der Stadtverwaltung, Historikern und Mitgliedern einiger Stadtratsfraktionen, um die Idee eines Heimat- oder Landesmuseums als Dokumentationszentrum der Industriekultur zu diskutieren.

Dieser „Runde Tisch“ im vorerst kleinen Kreis kam zu einem eindeutigen Ergebnis, das Klaus Friedrich am Dienstag dem Kulturausschuss im Rathaus vorstellte. „Solch ein Projekt würde sich in seiner Einzigartigkeit lohnen“, sagte er. Der Historiker sieht die Notwendigkeit, die Geschichte der Stadt und der Region darzustellen und ließ keinen Zweifel daran, dass St. Ingbert der richtige Ort für das Museum ist. St. Ingbert sei die einzige Stadt, die in der Publikation „Die Großregion“ mit zwei Standorten vertreten ist – der Alten Schmelz und dem Rischbachstollen.

Zudem sei es weltweit die einzige Stadt in einem Biosphärenreservat, so dass man hier idealerweise die Stadt-Land-Beziehungen thematisieren könne. „In der Arbeiter- und Landschaftskultur gibt es bisher nichts Vergleichbares“, so Friedrich, „es könnte ein lebendiges Museum werden, dass das Saarland abbildet und vieles von dem, was bisher so noch nicht gezeigt worden ist.“ Man habe sich einen Überblick über die Bestände des Archivs und weiterer Standorte verschafft und festgestellt, dass man damit ohne Weiteres das Museum bestücken könne.

Mit einem „Repräsentationsraum“ für alte, einzigartige Exponate“ und als „Info-Standort“ zu den Themen Kohle, Eisen, Glas, Bier, Textil und Maschinen. Man könne sich vorstellen, dass auch Gunter Altenkirchs Museum für dörfliche Alltagskultur darin Aufnahme fände und Kontakt zu anderen ehemaligen Industrie-Standorten in St. Ingbert und dem Saarland geknüpft werden. „Das soll keine kleine Heimatstube werden, sondern ein lebendiges Museum mit Format“, erklärte Friedrich. Man habe den großen Vorteil, dass einige Gebäude und Ensemble der Stadt im Krieg nicht zerstört wurden, so dass man sie nicht nur besuchen könne, sondern sie auch in die engere Wahl für einen Museumsstandort ins Gespräch brachte. Aus Sicht des Runden Tisches eigneten sich dafür die Alte Schmelz, die ehemalige Becker-Brauerei oder aber die Alte Baumwollspinnerei, da es dort Erweiterungsmöglichkeiten und nach deren Fertigstellung auch die nötige Infrastruktur gebe. Phantastisch wäre auch ein Neubau. „St. Ingbert verkauft sich bisher nach außen einfach nicht gut“, so Friedrich.

Roland Körner (Familien-Partei) hat der Vortrag „Lust aufs Museum gemacht“. Er wollte wissen, wie weit diese Idee eines Museums für das Land auch mit diesem abgestimmt sei. Wie Dieter Wirth sagte, habe man bereits einige Gespräche geführt, aber man habe mit einem ersten Treffen lediglich die Grundlagen legen wollen und noch gar nicht „im Großen“ gedacht. Das „Landesmuseum für Industriekultur“ habe man lediglich als Arbeitstitel gewählt, denn noch sei man nicht soweit. Die Verwaltung wurde seitens der Experten-Runde darum gebeten, rund 35 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie zu genehmigen.

Dass St. Ingbert als Kultur- und Tourismusstandort gestärkt werden müsse, stand im Ausschuss nicht in Frage. So wie bis jetzt mit den qualitativ hochwertigen historischen Stücken umgegangen werde, dürfe es nicht bleiben, hieß es auch dort. „Wir könnten die Mittel für die Studie schon aufbringen, aber für die Umsetzung des Museums fehlt das Geld“, gab Oberbürgermeister Hans Wagner zu bedenken. Man wolle mit der Verwaltung nach Fördermöglichkeiten Ausschau halten, Kooperationspartner für die Idee gewinnen und zu einem weiteren Treffen Land und Kreis hinzuziehen.

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