Ein Kriegsbauwerk diente in Rentrisch als Festplatz

Heimatgeschichte : Kriegsbau diente als Festplatz - aber ein Bunkerfest war’s nicht

Auf der Decke des Rentrischer Bunkers, der auch besichtigt werden konnte, wurden Geschichten ausgetauscht.

Bis vor zirka 30 Jahren gab es ein Waldfest in Rentrisch, das unter der Federführung des Gesangvereins organisiert wurde. Irgendwann ereilte ihn das Schicksal, das vielen Gemeinschaften bekannt ist – er überalterte, für das Stemmen einer solchen Veranstaltung fehlten die Helfer und das Fest wurde ad acta gelegt. In Anlehnung an dieses Waldfest hob der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis (HAK) in Rentrisch nun aber ein Sommerfest auf der Decke „seines“ Bunkers am Kindergarten aus der Taufe, das am vergangenen Samstag gefeiert wurde. Beim Sommerfest, das vom HAK im 25. Jahr seines Bestehens initiiert wurde, half auch der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Rentrisch tatkräftig mit. „Ohne sie hätten wir das gar nicht machen können“, sagt der Vereinsvorsitzende Joachim Nicklaus. Und es waren nicht nur die helfenden Hände der Kameraden, die das Fest zu einem Erfolg werden ließen, sondern auch die Tatsache, dass sie wiederum selbst zu den vielen Interessenten gehörten, die den Bunker WH 337 besuchen wollten. Denn dieses Bauwerk aus dem Jahr 1937, das 1939 und 1940 genutzt wurde, spielte beim Sommerfest die Hauptrolle. Eigentlich war es also ein Bunkerfest, bei dem aber auch die Geselligkeit bei Erbsensuppe, kühlen Getränken, Kaffee und Kuchen eine großen Raum einnahm. „Hätten wir es aber Bunkerfest genannt, wären bestimmt nicht so viele Leute gekommen“, war sich Nicklaus ziemlich sicher. Mit dem Wunsch, ein paar kurzweilige Stunden an einem schattigen Plätzchen zu verbringen, waren so auch viele Rentrischer der Einladung auf die Bunkerdecke gefolgt, die die Vereinsmitglieder lange nicht gesehen hatten. Und das, obwohl es in den vergangenen Jahren bei Führungen mehrfach die Gelegenheit gab, den Bunker zu besichtigen. So freute sich eine Anwohnerin über die Möglichkeit, den Platz zu besuchen, den sie früher als Kind wie ihre Westentasche kannte. „Ich habe den Krieg Gott sei Dank nicht mehr miterlebt, aber wir haben als Kinder oft hier gespielt“, erzählte die Seniorin. Sie konnte sich noch gut an frühere Zeiten erinnern und daran, wie der Bunker, der ab 1942 dem Luft- beziehungsweise Zivilschutz diente, ausgestattet war. „Damals waren noch die Betten drin. Heute sieht das alles anders aus. Da hat sich viel verändert“, so die Rentrischerin.

Wer noch nie in diesem baulichen Teil des ehemaligen Westwalls war, konnte sich von Joachim Nicklaus führen und alles erklären lassen. Andere Besucher tauchten ohne fachliche Begleitung in diese „Unterwelt“ ab und ließen die Atmosphäre auf sich wirken. Manche brauchten etwas Mut, so wie das Mädchen, das sich nicht recht ins Innere traute und vor dem Bunkereingang auf Begleitung wartete. Hin und wieder komme ein Knall aus der Anlage, weshalb sie etwas Angst habe. Später wagte sie den Gang und stellte fest, dass der Vereinsvorsitzende der Urheber dieses lauten Geräusches war. Um die natürliche Luftführung in diesem unterirdischen Bauwerk zu demonstrieren, schloss er lediglich eine kleine Tür, die mit Krachen zuflog und für einen ohrenbetäubenden Lärm sorgte. So informiert, schaute sich die Schülerin doch noch genauer um, aber wohl war ihr dabei nicht. Einige Kinder hingegen fanden es spannend und ließen sich von ihren Eltern oder vom HAK den Aufbau, die Funktionsweise und die ehemalige Ausstattung erklären. Für andere war es wiederum ein Spielplatz der etwas anderen Art, so wie es der Bunker für Generationen vor ihnen auch war.

Unter den rund 120 Besuchern waren laut Nicklaus aber auch einige „Spezies“, also Geschichtsinteressierte, die schon andere Bunkeranlagen gesehen hatten und nun die Gelegenheit beim Schopfe packten, um sich WH 337 anzuschauen. Der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis wird bereits in Kürze tagen und das Sommerfest Revue passieren lassen, aber soviel scheint schon klar – es war ein Erfolg. Nicklaus und die anderen Vereinsmitglieder seien allein davon begeistert gewesen, wie viele Rentrischer da waren. „Die fünf Führungen waren gut besucht und es war toll, wie viele sich auch für den geschichtlichen Aspekt interessierten. Diese Zeitepoche wird ja in der Schule nicht mehr vermittelt.“ Es sei die bunte Mischung an Besuchern gewesen, die ihn erstaunt habe. Einige der Gäste hätten ihre Erinnerungen an damals mit ihm geteilt: „Allein über die Abteilung ,Der Bunker als Abenteuerspielplatz‘ könntest du fünf Bücher schreiben.“

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