Konzert: Ein Hauch Wildwest in Rohrbach

Konzert : Ein Hauch Wildwest in Rohrbach

Der Musikverein Rohrbach verabschiedete den Dirigenten Carsten Wagner. Reiner Thörner übernimmt den Taktstock.

Der vergangene Sonntag stellt für das Große Orchester des Musikvereins Rohrbach eine Zäsur da. Beim Jahreskonzert in der Rohrbachhalle kam es nach 21 Jahren zur offiziellen Übergabe des Taktstocks von Carsten Wagner an Reiner Thörner. Wagner, der zunächst von 1993 bis 1996 das Jugendorchester des Rohrbacher Vereins leitete, hatte zu Jahresbeginn mitgeteilt, kürzer treten zu wollen. Er bleibt dem Klangkörper weiterhin als Musiker erhalten. „Ich bin nicht weg“, beruhigte er die Besucher der Aufführung, die dieses Mal unter dem Motto „Wilder Westen“ stand.

Zuvor hatten ihn seine Mitmusiker zum offiziellen Abschied jedoch getückt. Im zweiten Programmteil ragte der Titel „In Harmonie vereint“ aus dem Programm, da er so gar nichts mit Western zu tun hatte. Es war das erste Stück, welches Carsten Wagner damals beim Start seines Dirigats einstudiert hatte. Aus diesem Grund durfte er es auch am Sonntag nochmals dirigieren. Doch nach nur wenigen Takten brachen die Musiker ab und spielten ihm mit „Military Escort“ einen Streich. Da musste Wagner lachen. „Ähna tringa ma noch“, betonte Stefan Abel in seiner auf plattdeutsch Abschieds-Laudatio über Wagner. Kurz danach wusste der, was Abel damit meinte. Auf einem hereingefahrenen Holzfass kam ein Tablett mit Rotweingläsern her. Carsten Wagner bekam eine Plexiglas-Urkunde als Erinnerung geschenkt. Auch dieses Mal hatten die Rohrbacher bei der Motto-Umsetzung wieder viel Liebe zum Detail bewiesen. Neben Strohballen und Reitsätteln auf der Bühne, fand der Getränkeverkauf in einem nachgebauchtem Salon statt. Eine passende Bildershow korrespondierend zum gerade gespielten Stück und abwechselnd eine Liveübertragung des Konzerts auf einer Leinwand rundete das Ganze ab. Moderator Aaron Klein hatte die Aufgabe übernommen, das Publikum durch den Wilden Westen zu führen.

Das Große Orchester des Musikvereins Rohrbach bei seinem Jahreskonzert in der Rohrbachhalle; vorne der neue Dirigent Reiner Thörner. Foto: Jörg Martin. Foto: Jörg Martin

Zum Auftakt spielte das Orchester „A Prairie Portrait“, bei dem Komponist Robert Sheldon von einem Gedicht über Illinois inspiriert worden war. Bei „Seven Springs“ (Larry Clark), benannt nach der Stadt in Florida, standen die Hörner und Alt-Saxophone im Vordergrund. Die pure Dramatik des Massakers von Wounded Knee, bei dem über 300 Sioux-Indianer umkamen, war bei „Dakota“ (Jacob de Haan) mehr als deutlich spürbar. Auch „Feivel der Mauswanderer“ fand sich indirekt im Programm wieder. Nämlich in Form des Titels „Somewhere out there“. „Was sehen Sie, wenn sie an die typische Western-Kulisse denken?“, hatte der Moderator Klein Zuschauer gefragt. Typische Prärie nebst steilen Felsen. Kurz: Die Filmkulisse von „Sedona“ im Bundesstatt Arizona. Hier entstanden über 60 Westernfilme. Das Orchester schaffte es mehr als gut, diese Stimmung zu transportieren. „Es kann sein, dass Sie mit einem Ohrwurm nach Hause gehen“, prognostizierte Aaron Klein bei „Tuscola Mountain Celebration“. Das amerikanische Blasmusik-Stück kam an. Genauso wie der Marsch „Washington Post“ (John Philip Sousa). Eine der beiden Zugaben, nämlich „Hootenanny“, bei der Instrumente durch die Luft geworfen werden, durfte Carsten Wagner dann letztmalig dirigieren. Im Rahmen des Konzerts wurden auch Mitglieder geehrt.