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Ein Bett für Jungfilmer: Gabriele Langenstein ist Gastgeberin

Ophüls-Preis : Die Ophüls-Gäste führen sie in eine neue Welt

Die Aktion „Ein Bett für Jungfilmer“ führt beim Ophüls-Festival (20. bis 26. Januar) seit 15 Jahren Saarbrücker Gastgeber und junge Filmschaffende zusammen – zu beiderseitigem Nutzen, wie ein Besuch bei Gastgeberin Gabriele Langenstein zeigt.

Gabriele Langensteins Wohnung liegt im dritten Stock eines gepflegten Hauses in Staden-Nähe. Bereits das vielversprechend aussehende Treppenhaus lässt Erwartungen entstehen, die hinter Langensteins Wohnungstür nicht enttäuscht werden sollen: Ein Traum von einer Altbauwohnung. Glänzendes Parkett, große, auch an diesem grauen Wintertag lichtdurchflutete Räume, eingerichtet mit einer stilvollen Mischung aus neuen und alten Möbeln.

Kein Wunder, schließlich betreibt die ehemalige Geschäftsführerin der Grünen im Saarland heute die „Daarler Schatzkammer“, ein Lädchen mit allerlei schönem Altem. Ein warmer Duft von Kräutertee durchströmt die Zimmer. Hier einmal zu wohnen, davon träumt wohl jeder.

Dabei ist das sogar möglich. Zumindest für ein paar Tage. Wenn man denn Filme macht. Denn Gabriele Langenstein ist Bettengeberin bei der Aktion „Ein Bett für Jungfilmer“ des Filmfestivals Max Ophüls Preis, bei der Privatpersonen eine Unterkunft für die jungen Filmemacher zur Verfügung stellen. In diesem Jahr feiert die Aktion 15-jähriges Bestehen.

Gabriele Langenstein breitet die Arme aus, „das ist also mein Reich“, sagt sie. Und wo schlafen die Jungfilmer? Sie führt zurück ins Treppenhaus, von wo eine Tür in ein weiteres Zimmer führt. Ein Bett, ein Schreibtisch, ein toller Ausblick. „Hier haben die Jungfilmer ihr eigenes Reich“, erklärt Langenstein.

Ihre Wohnung scheint so etwas wie der Ferrari unter den Filmfestival-Unterkünften zu sein. Luxus, den die Jungfilmer eigentlich gar nicht brauchen. „Die sind pflegeleicht“, erklärt Langenstein, „eigentlich braucht man nur genug Kaffee im Haus“, schmunzelt sie.

Sie spricht aus Erfahrung. Schon seit 2009 macht sie jedes Jahr bei der Aktion mit. Zum ersten Mal einen Jungfilmer bei sich aufgenommen hat sie allerdings viel früher. 2003, da gab es „Ein Bett für Jungfilmer“ noch gar nicht. „Das war sozusagen eine Privatunterkunft“, erklärt Langenstein.

Ihr Gast? Christian Bach, ein damaliger Studienkollege und Mitbewohner ihrer Tochter. 2002 hatte der beim Max Ophüls Preis seinen ersten Kurzfilm „Ein öffentliches Ärgernis“ ins Rennen geschickt, 2006 dann den Kurzfilm „Hitzschlag“ und 2009 seinen ersten mittellangen Spielfilm „Hinter den Dünen“. Immer hat er bei Gabriele Langenstein ein Zuhause auf Zeit gefunden.

Er wiederum ist zu so etwas wie dem „roten Faden“ in Langensteins Karriere als Bettengeberin geworden. Sein erster Film sei damals „ein ganz bescheidener“ Anfang gewesen, erzählt Langenstein, in seiner Karriere habe es „große Durststrecken“ gegeben, sie selbst habe immer mitgefiebert, ob er „Taxifahrer wird oder doch noch das Examen macht“. 2018 war dann Bachs Film „Heimatliebe“ für die Reihe „Polizeiruf 110“ im Fernsehen zu sehen, erst neulich habe sie sich den Film noch einmal angeschaut, erzählt Langenstein. Christian Bach hat es also geschafft. Und Gabriele Langenstein ist ein klein bisschen stolz.

Die Begegnung mit Christian Bach habe sie allerdings auch in eine Welt eingeführt, die sie so vorher noch nicht kannte: die Filmwelt. Sie sei nämlich keinesfalls „eine Cineastin“ gewesen, erzählt Langenstein, „eine Sozialisation fürs Kino“ habe sie nie erfahren.

2003 wurde das anders – sie war „angefixt“, wie sie sagt. Durch ihre Gäste habe sie die „Komplexität des Filmschaffens“ kennengelernt, heute habe sie eine „ganz andere Wertschätzung“, verfolgt den Abspann im Kino „andächtig“, erzählt Langenstein. Heute schaut sie sich mindestens sechs Filme während des Max-Ophüls-Festivals an, die Eröffnung und die Mitternachts-Talks sind für sie zur Pflicht geworden.

Nicht nur wegen ihrer spät entdeckten Liebe fürs Kino betont Langenstein, dass Bettengeber sein nicht nur heißt, etwas zu geben, sondern auch zu nehmen. Sie meint damit aber nicht die kleinen Geschenke, die ihr ehemalige Gäste manchmal noch zuschicken oder die Tatsache, dass die beherbergten Jungfilmer „immer Wege finden, damit die Bettengeber die eigenen Filme doch noch sehen können“, sagt Langenstein mit einem Augenzwinkern.

Sie meint vielmehr die „wunderbaren Gespräche“ und das „persönliche Kennenlernen“. 2015 war für Langenstein ein weniger schönes Jahr, sie befand sich in einer persönlichen Krise, wollte ihr Bettenangebot in diesem Jahr schon aufkündigen. Doch sie war pflichtbewusst, dachte an den Jungfilmer, der mit dem Bett gerechnet hatte.

Sie wurde belohnt. Der Kameramann, den sie in jenem Jahr beherbergte, war nicht wie die anderen. Ihm reichte morgens kein Kaffee im Stehen. Er frühstückte, früh. So wie Langenstein. Und so verabredeten sich die beiden jeden Morgen zum gemeinsamen Frühstück in der Küche. Diese zwei Stunden am Morgen, gefüllt mit Gesprächen, seien für sie wie eine „Auszeit vom Alltag gewesen“, erzählt Langenstein, die sie ihre Sorgen für einen Moment vergessen ließ.

„Ein Bett für Jungfilmer“ gibt es seit 15 Jahren. Gabriele Langenstein ist schon lange dabei. Auch diesmal beherbergt sie einen unbekannten Gast. Foto: Iris Maria Maurer

Wen sie in diesem Jahr beherbergen wird, weiß sie noch nicht, meistens erfährt man es erst ganz kurz davor. „Schauspieler, Regieassistenten, Filmemacher – es ist immer total spannend, wer da kommt“, sagt sie. Schon jetzt ist die Vorfreude riesengroß. Auf die Abreise der Jungfilmer freut Gabriele Langenstein sich übrigens nie. „Dann ist es plötzlich so still“, sagt sie.