Eiertanz um Baumwollspinnerei

Die Tanzschule Schmitt soll Bestandteil der Kulturfabrik in der Baumwollspinnerei werden. Aber die Schmitts bangen: Wann sie einziehen können, steht in den Sternen. Ihr aktueller Mietvertrag läuft aus.

. Roland Schmitt macht sich um seine Tanzschule Sorgen. Er ist der einzige Private, der mit der Stadt einen Mietvertrag für Räumlichkeiten in der Alten Baumwollspinnerei geschlossen hat. Doch wann aus der Alten die Neue Baumwollspinnerei wird, wann die Kulturfabrik mit ihren verschiedenen Nutzungen endlich eröffnet, steht nicht fest.

War Schmitt am Anfang noch froh, ist er jetzt frustriert. Dabei fing alles gut an: "Die Stadt hat uns 2009 angesprochen, ob wir uns vorstellen könnten, in die Alte Baumwollspinnerei einzuziehen." Ja, das konnten Roland Schmitt und seine Frau Catrin sich vorstellen, denn ihr Mietvertrag im Grubenweg 2b lief Ende 2011 aus. Für das Projekt Wollspinnerei sprachen das Ambiente, der Platz und die Nähe zur Schule. Damals seien sie gefragt worden, ob sie eher aus ihrem alten Mietvertrag herauskämen, um im Sommer 2011 umzuziehen.

Seit 1991 sind sie im derzeitigen Gebäude, eine Renovierung hätte angestanden. "Wir sind hier gut aufgehoben, haben genügend Parkplätze", sagt Catrin Schmitt. Aber das Gebäude wurde zwangsvollstreckt und das Ehepaar wusste nicht, was der Käufer mit dem Gebäude vorhaben würde. Der Umzug in die Kulturfabrik schien optimal. Dass aus einem Einzug 2011 nichts werden würde, sei relativ schnell klar gewesen. Bis August 2013 gab es schon mehrere Fertigstellungstermine für die Wollspinnerei, doch erst seitdem hat die Tanzschule einen schriftlichen Vertrag mit der Stadt. Da ein Ende der Bauarbeiten absehbar war, kündigten die Schmitts im Grubenweg zum 30. Juni 2013 und wollten ab 1. August im neuen Domizil durchstarten. Doch nun ging es ans Eingemachte, denn die Fertigstellung der Spinnerei ist nicht absehbar und der Mietvertrag im Grubenweg war ausgelaufen. Was tun? Nachverhandlungen hätten nur eine Mietvertragsoption über fünf Jahre ergeben. Dabei hatte die Tanzschule ja bereits einen neuen Vertrag, allerdings für die Wollspinnerei. Also suchten die Schmitts das Gespräch mit ihrem neuen Vermieter - der Stadt St. Ingbert. Hier hätte man anfänglich nicht mal gewusst, dass nicht Bauherr Werner Deller Vertragspartner sei, sondern St. Ingbert selbst, sagen die Eheleute. In dieser Zeit hatten die Schmitts "schlaflose Nächte" und "Existenzängste", doch Deller war es dann, der, obwohl nicht in der Pflicht, arrangierte, dass es einen Mietvertrag für ein Jahr im Grubenweg 2b gab. "Allerdings zahlen wir jetzt das Doppelte, ohne Not hätten wir gar nicht unterschrieben", so Catrin Schmitt.

Hier lenkte die Stadt ein und übernahm die Differenz zwischen der Miete, die in der Baumwollspinnerei fällig wäre, und der derzeitigen Miete in den aktuellen Räumen. 14 Tage vor Vertragsabschluss hätte man noch nicht gewusst, wie es weitergeht. Nun könne man erstmal durchatmen, doch die nächste Galgenfrist endet mit dem Ende des Mietvertrages im Grubenweg am 30. Juni 2014. Man erfahre den neusten Stand der Dinge nur aus der Zeitung und werde von der Stadt nicht unterrichtet. Die Schmitts sind ratlos. Zwar stehen die Handwerker schon in den Startlöchern, aber ob man im Juni in der Baumwollspinnerei mit den Arbeiten anfangen könne, sei mehr als unsicher. "Wir müssten das im Frühjahr wissen", so Catrin Schmitt. Am 1. Juli wolle man mit einem Tanzkurs in der Baumwollspinnerei starten. Eine "klare Ansage" der Stadt fehle aber. Dabei geht es Familie Schmitt nicht um Schuldzuweisungen: "Egal wie, wir wollen nur da rein."