Egbert Broerken stellt vorläufiges Blinden-Stadtmodell im Rathaus St. Ingbert vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Letzte Detailarbeiten : St. Ingberts Tastmodell steht vor der Vollendung

Zusammen mit dem Bildhauer Egbert Broerken feilte man im Rathaus an letzten Details für das künftige Blinden-Stadtmodell.

Eine angeregte Diskussion zwischen allen Beteiligten war es, die man vor kurzem im Rathaus von St. Ingbert verfolgen konnte. Der Vorsitzende des Rotary Clubs St. Ingbert, Rainer Stein-Bastuck, hatte anlässlich des geplanten Blinden-Stadtmodells zu einer „Arbeitssitzung“ geladen. Auf dieser präsentierte der renommierte Bildhauer Egbert Broerken eine vorläufige Arbeitsversion des späteren Tastmodells, welches ab Mitte März in der Kaiserstraße aufgestellt werden soll.

Zusammen mit Vertretern der Stadtverwaltung und Konrad Weisgerber, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsverein St. Ingbert, begutachteten Stein-Bastuck und Broerken das vorläufige Modell und markierten Punkte, die in der endgültigen Version noch verbessert werden müssen. So bedarf es etwa noch der Herausarbeitung von Details an einzelnen Gebäuden, wie etwa dem „P 43“ in der Poststraße, oder der genauen Bestimmung der jeweiligen Gebäudehöhen, „die ganz schwer aus Plänen entnehmbar waren“, wie Stein-Bastuck erklärt. Auch einzelne Gewässer, oder Teile des Landschaftsreliefs müssten noch bearbeitet werden. Ebenso wolle man die Schreibweise der verschiedenen Straßen sicherstellen.

Für das künftige Tastmodell müssen noch an einigen Gebäuden mehrere Details wie die exakte Höhe oder die Dachstruktur herausgearbeitet werden. Foto: Tom Peterson

Trotz der noch anstehenden Detailarbeiten machte das vorläufige Arbeitsmodell einen sehr guten Eindruck auf die Anwesenden. Und das nicht nur, weil Egbert Broeken ihm schon den späteren bronzefarbenen Anstrich verpasst hatte. „Mich hat fasziniert, dass wir schon jetzt eine Diskussion geführt haben, wie ich sie mir später am fertigen Modell wünsche“, schildert Stein-Bastuck seine Begeisterung für das vorläufige Ergebnis.

Durch das Tastmodell verspricht sich der Vorsitzende des Rotary Clubs St. Ingbert einen gemeinsamen Anziehungspunkt, an dem sich Besucher und Einwohner der Mittelstadt, sowohl Sehende, als auch Blinde, gemeinsam treffen und austauschen können, während sie die Stadt sprichwörtlich „erfühlen“.

Bei der Arbeitssitzung im Rathaus konnte man schon einen guten Eindruck von späteren Diskussionen am fertigen Tastmodell bekommen. Foto: Tom Peterson

Für Egbert Broerken stellt St. Ingbert ein kleines Jubiläum dar. Mit der Mittelstadt wird er nicht nur sein erstes saarländisches Tastmodell herstellen, sondern zugleich auch sein 170. Schaffenswerk feiern können, wie er verriet. Auch wenn die Stadt mit ihren verschiedenen Gebäuden, zahlreichen Dachgauben, Kirchen und Geländehöhen ihn vor einige Herausforderungen stelle, so sei er doch erfreut über den Auftrag gewesen.

„Ich mache jedes Jahr etliche Modelle, bin aber froh, wenn auch etwas darzustellen ist“, erklärt Broerken. Bei modernen Städten mit ihren zahlreichen Betonbauten sei er „nicht ganz so begeistert“ dabei gewesen, wie jetzt bei dem Modell für St. Ingbert.

Der Bildhauer Egbert Broerken während der Arbeitssitzung zum künftigen Tastmodell der Stadt St. Ingbert. Foto: Tom Peterson

Angeregt durch die Rotary Clubs in Münster, begann der aus Westfalen stammende Bildhauer vor über 20 Jahren mit der Anfertigung bronzener Blinden-Stadtmodelle. „Mittlerweile mache ich auch Schreibschrift mit drauf, weil ich beobachtet habe, dass Sehende genauso begeistert davor stehen“, erklärt Broerken. Auch auf dem Modell für St. Ingbert wird es Schreibschrift und Braille, die Schrift für Blinde und Sehbehinderte, geben.

In wenigen Wochen kommt dann der Zeitpunkt, dem sowohl Egbert Broerken als auch der Präsident des Rotary Clubs St. Ingbert gleichermaßen entgegenfiebern. Der finale Guss des Modells in der Kunstgießerei Schwab in Münster. „Das ist jedes Mal ein Abenteuer, so ein Guss“, erklärt Broerken, weswegen er auch dieses Mal wieder daneben stehen werde.