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„Dorf muss auf Befehl der Wehrmacht eventuell geräumt werden“

„Dorf muss auf Befehl der Wehrmacht eventuell geräumt werden“

Für die Rohrbacher Heimatfreunde ist es bei ihren umfangreichen Recherchen sehr wertvoll, dass es noch viele Zeitzeugen gibt, die sich möglichst präzise erinnern: Vor 75 Jahren ist der Zweite Weltkrieg ausgebrochen.

. Wenn auch 75 Jahre ins Land gegangen sind, so gibt es doch noch viele Zeitzeugen aus den Jahren, in denen der Zweite Weltkrieg begann. Mag es auch makaber scheinen, so ist es doch für die Rohrbacher Heimatfreunde von großem Wert, dass die aus dieser Zeit noch lebenden Personen sich haargenau erinnern. Eben weil es so "unvergesslich schrecklich" war. Viele Gespräche wurden geführt, Bilder aufbewahrt und auch vieles niedergeschrieben, so wie es der Verein auch als seine Aufgabe ansieht.

Am beeindruckendsten mag ein Bericht von Otto Wannemacher sein, der auch im ersten Rohrbacher Heimatbuch (herausgegeben von den Rohrbacher Heimatfreunden) nachzulesen ist. Hier ein Ausschnitt: "Evakuierungsvorbereitungen in Rohrbach . Im Frühjahr 1939, etwa im April/Mai, versammelten sich im Gebäude des alten Bürgermeisteramtes die führenden Leute der Gemeinde, einberufen von dem damaligen Bürgermeister Andreas Badar. Alle wurden durch Handschlag zur Geheimhaltung verpflichtet. Es wurde Folgendes bekannt gegeben: ,Es ist damit zu rechnen, dass unsere Westgrenze Kriegsgebiet wird. Dieser Bereich wird in Zonen eingeteilt. Rohrbach liegt in der ,Grünen Zone' des Freimachungsgebietes. Das Dorf muss auf Befehl der Wehrmacht eventuell geräumt werden. Die Bevölkerung wird straßenweise in Marschgruppen von je 120 bis 200 Personen eingeteilt. Jede Marschgruppe bekommt einen Führer, einen stellvertretenden Führer mit Ausweis, einen Sanitäter usw. ... Die vorgesehene Marschstrecke ist: Glashüttertal, Menschenhaus, Kleinottweiler, Jägersburg, Waldmohr. Dort erfolgt die Verladung in Züge. Handwagen und Fahrräder können mitgenommen werden. 25 Pfund Handgepäck darf ebenfalls mitgeführt werden."

Strengste Geheimhaltung hierüber war oberstes Gebot. Ebenso wurden weitere Unterlagen, wie Anweisungen, Papiere und Ausweise, die im Ernstfall verteilt oder mitgeführt werden sollten, im Panzerschrank der Gemeindebehörde aufbewahrt. (An dieser Stelle sei ein Schmunzeln erlaubt, wenn da zu lesen ist: Der Schreiber dieser Zeilen, Otto Wannemacher, lernte dabei unter anderem die Handhabung einer Schreibmaschine. Es folgten: pausenlose Telefonbesetzung, Luftschutz-Kurse, Vorbereitung von Luftschutzräumen und vieles mehr.

Westwall-Arbeiter kamen auch nach Rohrbach , benötigten Quartier. Um sie bemühte sich der damalige zweite Bürgermeister Butenschön. Die Befestigungsarbeiten am Westwall hatten Vorrang vor allem und jedem. Baufahrzeuge hatten sogar Vorfahrt vor Fern- und D-Zügen.

Schon eine Woche vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden alle nicht marschfähigen Personen der so genannten "Roten Zone" weggebracht. Am 30. August oder 1. September folgte dann die "Freimachung", notfalls durch die Polizei . Eine Abordnung von Männern blieb als Wache zurück. Als man erfuhr, dass in den geräumten Dörfern wie Ensheim und Bliesmengen-Bolchen unversorgtes Vieh in den Ställen umzukommen drohte, (die Bauern hatten es nicht mitnehmen dürfen) machten sich die Rohrbacher (NS-Organisatoren) dorthin auf, um zu helfen.

In der Folgezeit bezog auch Militär in Rohrbach Quartier, von der Bevölkerung meist freundlich aufgenommen. Teils in Quartieren, teils in Lagern im Hohen Wald, in der Au, der Mühlstraße, der Glashütter Dell , auf der Spieser Mühle. Zahlreiche Bombentrichter im Hohen Wald zeugen bis heute von Bombardierungen.

Erinnerungen an den Krieg, an die Evakuierung, an die spätere Rationierung der Lebensmittel und an Hunger. Zwar kann man sagen "Krieg ist Krieg". Und dennoch könnte man mit den Kindern der damaligen Zeit weinen, wenn sie in der Erzählrunde der Rohrbacher Heimatfreunde berichten. Zu Fuß waren sie immer wieder unterwegs in den Gau, um ein paar Kartoffeln oder ein Stück Brot von den Bauern zu erbetteln. Und diese wenigen Habseligkeiten eines Tagesmarsches wurden ihnen auf dem Heimweg oft von den Soldaten der französischen Besatzungsmacht weggenommen.