Die Stammgäste in der „Post“ schätzen die Küche wie bei Mama

Die Stammgäste in der „Post“ schätzen die Küche wie bei Mama

Wie schafft es ein Koch, Wirt und Hotelier, nach 60 Jahren noch Spaß an seinem Job zu haben? Matthias Hasler, der Besitzer des Hotels „Zur Post“ in St. Ingbert, kennt die Antwort: Mit Freude am Umgang mit den Gästen und ohne Angst vor viel Arbeit.

Eigentlich müsse er eine goldene Uhr vom Finanzamt kriegen, sagt Matthias Hasler mit einem Grinsen im Gesicht. Denn der ehemalige Kellner, Koch und heutige Besitzer des Hotels "Zur Post" ist 2017 nicht nur 60 Jahre im Beruf, sondern wohl auch der dienstälteste Wirt in St. Ingbert .

1943 in Bregenz in Österreich geboren, zog er mit 14 Jahren die Kellnerjacke an, um Geld zu verdienen. Die Ausbildung machte er in Voralberg, wo er dann saisonbedingt arbeitete. Von dort ging es nach Avignon, wo er ein zweijähriges Praktikum als Koch absolvierte. Aus dieser Zeit stammt auch das Rezept für die viel gerühmte Sauce, in der heute sein legendärer Stammessen-Hering "schwimmt". Später habe er in dieser Stadt auch eine Stelle bekommen, die er jedoch nie antrat, da das Auto, das ihn von Wien in die französische Stadt bringen sollte, ausgerechnet im Saarland kaputt ging.

Während er in Saarbrücken auf dessen Reparatur wartete, lernte er eine Frau kennen und blieb hängen, wie er sagt. Geblieben ist er auch in dem Hotel, wo er damals strandete. Im Hotel Bruchwiese brauchte man gerade einen Oberkellner. Fünf Jahre arbeitete er dort, bis der damalige Chef der Becker-Brauerei, Niko Becker, die "Schürer Hütte" frei hatte. Das Ausflugslokal mit Diskothek zu pachten, reizte ihn, der des Schickimicki-Betriebs im Saarbrücker Hotel überdrüssig war. "Das hat richtig Spaß gemacht", sagt Hasler über seine Schürer (Gartenwirtschafts-)Zeit, die endete, als das Gebäude verkauft wurde. Doch eine andere Herausforderung war in Sicht, denn der Brauereichef bot ihm eines der bestgehenden Lokale St. Ingberts an, das Hotel-Restaurant "Zur Post". Ab 1978 war er dort Pächter. Zwischendurch kamen noch die "Grüne Laterne", die Weinstube in der Pfarrgasse, das Tenniscenter in Herrensohr und der Campingplatz am Bostalsee hinzu. Er sei jung und hochmotiviert gewesen. Doch dann fiel es ihm immer schwerer, bei allen Häusern den Überblick zu behalten. Nach und nach gab er sie ab.

Geblieben ist "die Post", die er 2001 kaufte. "Dort bin ich rein gewachsen, kenne mittlerweile fast jeden in St. Ingbert ", sagt Hasler, dem die Arbeit als Koch und Hotelbesitzer sichtlich Spaß macht, auch wenn er zwischendurch dachte, es wäre besser gewesen, Oberkellner zu bleiben. Jetzt ist er mit dem Erreichten aber doch hoch zufrieden, ist Chef eines Hotel-Restaurants, dass 45 Stammgäste "sein Eigen" nennt. "Die sagen, hier würde das schönste Bier von ganz St. Ingbert gezapft", sagt Hasler stolz, der aus Tradition nur Beckers ausschenkt. Sein Anspruch? Er wolle kochen wie die Mama. Das gelingt ihm, die Stammgäste schätzen das. Und wie. Als er diesen Sommer lediglich für eine Woche die Küche schließen wollte, gab es eine Meuterei in "der Post". Also wurde weiter gekocht.

In 40 Jahren habe er nur zweimal Urlaub gemacht. Und wenn er sagt, dass er Ende 2017 die Küche für immer zumachen will, kann das keiner der Gäste wirklich glauben. Da müsse man ihn schon raustragen, sagt seine ehemalige Frau, die im Service arbeitet. "Ich fühle mich hier pudelwohl und bin gesund. Ich brauche die Arbeit." Auch für das meist ältere Publikum ist der Gastraum ein wichtiger Anlaufpunkt in der Stadtmitte. Seiner jetzigen Heimat St. Ingbert macht der Wirt ein großes Kompliment: "Hier ist es locker, es hat eine kleinbürgerliche Art, aber dadurch sind die Leute auch kontaktfreudig. Außerdem isst und trinkt der St. Ingberter gern."

Mit der Zeit habe er eine große Menschenkenntnis erworben. Eine, die auch ihn gut kennt ist Gerti Zintel, die dort seit 43 Jahren hinterm Tresen steht. Und Mathias Haslers Wunsch für die Zukunft: "Ich möchte fit bleiben, damit ich noch jeden Tag meine 14 Stunden schaffen kann."

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