Museum Ottweiler: Die Stadt, ihre Geschichte und die Zukunft

Museum Ottweiler : Die Stadt, ihre Geschichte und die Zukunft

Im stadtgeschichtlichen Museum in Ottweiler hat man in der nächsten Zeit so einiges vor.

Kaum hat man die schwere Tür des ehemaligen Amtsgerichtes in Ottweiler geöffnet, da kann man ihn irgendwie schon riechen. Dieser typische Museums-Geruch, dieser Geruch nach liebevoll bewahrter und gepflegter Geschichte. Seit 1997 hat das Stadtmuseum Ottweiler seinen Sitz in dem Gebäude aus dem Jahre 1881. Bis 1994 war hier Sitz des Katasteramtes. Dann legte der 1995 gegründete Verein stadtgeschichtliches Museum Ottweiler ehrenamtlich Hand an, renovierte, sanierte und schuf ein Haus der Geschichte, dem man in jeder Ecke anmerkt, mit welcher Liebe und Aufmerksamkeit es behandelt wird.

Bevor es losgeht mit der Führung speziell für die SZ gibt es jede Menge Infos über den Weg von der ersten Idee bis hin zur Museumsgründung. Treffpunkt dazu ist der Raum links vom Eingang, dort trifft sich der 19 Personen starke Vorstand alle zwei Monate am langen Tisch, natürlich umgeben von Vitrinen voller Stadtgeschichte. Hans-Heinrich Rödle, ehemaliger Ottweiler Bürgermeister und seit dem Gründungstag Vorsitzender des Vereins, gibt einen historischen Überblick. Verdient gemacht um die Zusammenfassung von den ersten Wurzeln im Jahr 1836 bis heute hat sich Heimatforscher Dieter Robert Bettinger. Er ist das Herz und die Seele des Museums. Bettinger verwaltet auch das ebenfalls im Gebäude untergebrachte Stadtarchiv. Im Laufe der Führung bekommt der Besucher den Eindruck, Bettinger verwaltet nicht nur das Archiv, er ist das Archiv. So viel weiß er zu erzählen, so fundiert sind seine Kenntnisse. Das Stadtarchiv, sagt Rödle, ist „das Gedächtnis der Stadt“. Wichtige Schriftstücke und Akten der Stadt lagern hier, Ausgaben der Ottweiler Zeitung, ganz alte einzelne aus dem 19. Jahrhundert, komplette Jahrgänge mit Lücken in den 40er und 50er Jahren.

An diesem Tag ist noch Vorstandsmitglied Ingo Klein dabei, außerdem Elke Riedel, die anpackt, wo’s fehlt, vor allem aber für den Verkauf der Karten und Broschüren zuständig ist. Rödle gibt zur Einstimmung noch ein Gedicht von Eugen Roth zum Besten, dann geht es nach oben. Schon der Gang durchs Treppenhaus ist ein Aha-Erlebnis. Die wunderbare, restaurierte Treppe aus dem Jahr 1881 will fast ablenken von der Galerie an der Wand. Zurzeit sieht man hier Ottweiler quer durch die Jahrhunderte, sonst gerne auch mal Werke von Schülern.

Ab geht es nach rechts ins grüne Zimmer. Die Führung startet chronologisch. Hier haben die Kelten und Römer ihren Platz. Mitten im Zimmer eine Vitrine mit Beigaben aus einem Grab in Mainzweiler. Von jedem Stück kennt Bettinger die Geschichte. Warum das Schwert gebogen ist, beispielsweise, „es wurde ja nicht mehr gebraucht, weil sein Träger gestorben war, da hat man es zusammengedrückt“. Bewacht wird die Vitrine von einem waschechten Römer. Die Figur im vollen Ornat wurde überlassen von der Legio XIII, einem Zusammenschluss begeisterter Anhänger der römischen Legion. Viele Kleinode gibt es hier zu entdecken. Beispielsweise auch ein Modell einer Villa Rustica. So könnte das Haus ausgesehen haben, dessen Reste man auf dem Gelände einer Ottweiler Baugesellschaft gefunden hat. 1984 war das und Bettinger war nicht unmaßgeblich daran beteiligt, dass dort gegraben wurde, hatte er doch die Steine, die eine ältere Dame in ihrem Garten gefunden hatte, gleich richtig identifiziert. Raus aus dem grünen Raum und weiter in den Jahrhunderten, vorbei an der Vitrine mit Brauerei-Andenken, geht es in den Raum, der ganz dem frühen Mittelalter und der Zeit, als in Ottweiler ein Kloster war, gewidmet ist. Hier begegnet man Pastor Anton Hansen, erfährt, dass in der Goethestraße die letzten drei Ottweiler Nonnen gewohnt haben und kann Reste eines alten hölzernen Wasserrohres bestaunen, das von Neumünster bis in die Stadt für Wasser sorgte.

Groß, weit und hell dokumentiert der größte Raum des stadtgeschichtlichen Museums genau das, was der Name sagt: Die Geschichte vom Werden der Stadt. Hier findet der Neujahrsempfang statt, werden Vorträge gehalten. „Wie oft ich wohl schon hier am Rednerpult gestanden habe?“, sinniert Rödle vor sich hin. Wie in jedem Raum wird auch hier die Geschichte mit Hilfe von Figuren plastisch. Damen und Herren in – nachgenähten – zeitgenössischen Kleidern stehen an den Wänden. Als lebensgroßes allerdings nur zweidimensionales Bild: Der, der Ottweiler zu den Stadtrechten verholfen hat. Graf Johann I., in der Saarbrücker Liste als Johann IV. geführt. Ihm zur Seite das wichtigste Dokument überhaupt: Der Freiheitsbrief. 1550 bekam Ottweiler die Stadtrechte, 1551/52 Marktrecht. Wer den Raum so richtig auf sich wirken lassen will, der kann auf einem der Stühle Platz nehmen. Die hat Rödle 1975 auf einem Flohmarkt gekauft, wie er verrät, hatte sie 30 Jahre in Gebrauch und dann dem Museum gespendet. „100 Jahre sind die alt.“ Bilder, Zeichnungen, Pläne hängen hier an den Wänden. Jede Menge zu erfahren über die Stadt für den Besucher. Spannende Geschichten weiß Bettinger auch hier. Beispielsweise zu den Fotos und Modellen des Linxweiler Turmes, der auf einer Zeichnung von 1925 komplett zu sehen ist und just im Juni 1995, so Rödle, gerade als Altstadtfest war, komplett umgefallen ist.

Weiter geht’s. Der rote Raum, klein, fein und auch hier mit vielen Figuren. Die Grafen von Nassau, Baumeister Friedrich Stengel, alles rund um die Geschichte des Witwen-Palais und die Fürsten, hat das Fürstenzimmer zu bieten. Bevor der letzte Raum des Museums kommt, gibt in einem kleinen Zimmer an Stellwänden alles über die einstige Kreisstadt Ottweiler zu erfahren, beispielsweise, dass der Kreis einmal von Theley bis Blieskastel reichte. Im letzten Raum dann die neuere Geschichte: ein von Ingo Klein gebautes Modell des Kalkwerkes, Grubenlampen noch und nöcher, eine Vitrine voller Teller von Formmeister Willi Heck und dann noch einmal einen Blick in die Ottweiler Brauereigeschichte. 13 Hausbrauereien gab es mal in der Stadt.

Wer nach den 100 Quadratmetern noch nicht Geschichte genug hat: Als kleines zusätzliches Schmankerl gibt es im Erdgeschoss noch alles um das Druckwesen zu erfahren. Die Ottweiler Druckerei hat hier Druckmaschinen, Setzkästen und vielen mehr gespendet. Bald kann man da auch wieder sehen, wie das funktioniert hat, früher. Denn, so verrät Rödle, virtuelle Führungen sind geplant. Ein junger Drucker wird zeigen, wie die Maschine funktioniert.

Das aber ist nur eines der Dinge, die die Besucher künftig erwarten dürfen. Zurzeit arbeitet der Verein daran, einen Rundgang zu organisieren. Im Eingangsbereich soll es eine Begrüßungstafel geben, gestaltet von einer jungen Ottweiler Designerin. Alle Zimmer erhalten offizielle Namen, die wichtigsten Exponate werden gekennzeichnet. Mit Hilfe eines Flyers kann jeder für sich einen informativen Rundgang machen. Ein Forum Stadtmuseum will man gründen, das wird sich darum kümmern, dass alle zwei Monate Vorträge stattfinden, dazu Symposien und Ähnliches. Intensivieren will man auch die Kooperation mit dem Gymnasium Ottweiler, das Museum soll Ort des außerschulischen Lernens werden. Sonderausstellungen sollen auch weiterhin organisiert werden. An die Ausstellung anlässlich des Luther-Jahres erinnert Rödle, oder an die große Brauereiausstellung. Zuletzt ging es um alte Postkarten. Alles ehrenamtlich und gemäß der Satzung des Vereins: „Wir haben den Auftrag, Stadtgeschichte zu erforschen, zu dokumentieren und zu präsentieren.“

Geöffnet ist jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr, Geschäftsstelle geöffnet mittwochs, 9 bis 12 Uhr.

Alle Serienteile, die bisher erschienen sind, finden sich im Internet.

www.saarbruecker-zeitung.de/
museen-im-saarland

Mehr von Saarbrücker Zeitung