1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Die sonst so gut gefüllte St. Ingberter Innenstadt ist unheimlich leer.

Kostenpflichtiger Inhalt: St. Ingberter Reaktionen auf Corona : Menschenleere in der St. Ingberter City

Die St. Ingberter scheinen die Warnungen der Regierung ernst zu nehmen. Es herrscht unheimliche Leere in der Innenstadt.

Nur ein leises Gemurmel ist derzeit in der St. Ingberter Fußgängerzone zu hören. Im Vergleich zum Trubel, der hier sonst herrscht, wirkt die Stadt heute gegen 11 Uhr wie leer gefegt. Vereinzelt sind Leute mit ihren Hunden im strahlenden Sonnenschein unterwegs. Das freundliche Wetter steht im krassen Gegensatz zur Stimmung, die auf der Straße herrscht. Verunsicherung, aber auch schlechte Laune scheint die Menschen zu vereinnahmen. Mehr als drei Leute zusammen sind nirgends zu sehen. Auch die Außenbestuhlung der Cafés und Restaurants ist nun verschwunden. „Wir haben heute Morgen noch Tische aufgebaut, im vorgegebenen Anstand. Aber dann kam das Ordnungsamt vorbei und hat es untersagt“, erzählt Sabrina Neumann vom Restaurant „Times“ mitten in der Innenstadt. Gähnende Leere in allen gastronomischen Betrieben stellen die Inhaber und Mitarbeiter vor die Frage, wie es nun weitergehen kann. „Deshalb bieten wir nun einen Bestellservice an. Das bringt wenigstens ein paar Einnahmen und hilft vielleicht auch Menschen, die aktuell nicht raus können“, erklärt die „Times“-Mitarbeiterin weiter.

Auch die Gustav-Clauss-Anlage und der dortige Spielplatz liegen verlassen in der prallen Sonne. Eine junge Mutter mit zwei kleinen Kindern sind die einzigen Menschen, die heute Mittag durch den Park spazieren: „Selbstverständlich gehen wir zurzeit nicht auf den Spielplatz. Hier fährt ja sogar überall die Polizei herum und kontrolliert das.“ Ab und zu durch den Park spazieren müsse sie mit den Kleinen trotzdem. Wie sie sich sonst beschäftigt? „Wir backen zur Zeit viel, spielen bei uns im Hof und haben das Glück, dass der Park so nah ist. Sonst ist es wirklich schwierig, deshalb wird bei uns gerade viel mehr Fernsehen geschaut als sonst.“ Ihr siebenjähriger Sohn geht in die Albert-Weisgerber-Schule in St. Ingbert und bekommt immerhin täglich Hausaufgaben per E-Mail geschickt. „Es ist echt unheimlich“, beschreibt sie die Menschenleere, „so was gab es noch nie. Das verunsichert auch. Man weiß nicht, wie es weitergeht.“

Etwas verunsichert scheint auch eine 85-jährige St. Ingberterin, die ratlos vor einem geschlossenen Friseursalon in der Kaiserstraße steht. Ein Zettel mit einer Telefonnummer hängt an der Fensterscheibe. Sie hätte eigentlich jetzt einen Termin gehabt und muss wohl oder übel anrufen, um ihn zu verschieben. „Na immerhin wird noch nicht geschossen“, sagt sie erstaunlich resolut, „ich hab den Krieg miterlebt und das war viel schlimmer. Da war es nicht nur leer, sondern auch alles zerstört.“

Weiter oben in der Kaiserstraße stehen zwei junge Männer und eine junge Frau zusammen. Zu Dritt darf man sich ja noch in der Öffentlichkeit aufhalten – höchstens zu Fünft. Der Inhaber des „Eiscafés Europa“, der Inhaber der Café- und Cocktailbar „1765“ und eine Mitarbeiterin des Obst- und Gemüseladens „Früchte Schaum“ besprechen hier die Lage. „Wir warten eigentlich nur darauf, dass von offizieller Seite eine vorübergehende Schließung unserer Läden beschlossen wird“, hofft der Inhaber des Eiscafés, „erst dann würden wir einen Zuschuss vom Staat bekommen.“ Genervt äußert sich auch der Inhaber der Cocktailbar: „Entweder man macht ’nen echten Cut und schließt unsere Läden dann auch richtig oder halt nicht. Aber dieses ,nur halbe Schließen‘ ist für uns Gastronomen eine blöde Situation.“ Dass nur draußen geschlossen worden sei, mache keinen Sinn, da die Leute ja auch noch drin sitzen können. „Bei uns hat man sogar das Klopapier und Desinfektionsmittel geklaut“, berichtet der Cocktailbar-Inhaber weiter.

„Blöd“ ist es auch für die Schwester der Früchte-Schaum-Mitarbeiterin. Sie hatte eine Neueröffnung, eine Erweiterung des Angebotes direkt neben dem aktuellen Geschäft, für den 6. April geplant: „Der Termin fällt jetzt wohl erst mal aus. Und fertig werden wir hier auch nicht, weil die Kühltruhe aus Italien nicht geliefert wird.“ Auch sie findet es „apokalypsenartig“, dass es so leer um sie herum ist. „Ich geh dann mal noch nach meinem einen Gast sehen“, beendet der Eiscafé-Inhaber das Gespräch und kehrt resigniert zum Café zurück.