Die schönen Tage im Seniorenleben

St. Ingbert. "Sturm der Liebe" läuft im Fernsehen, als Sabine Grimm an der Haustür einer alten Dame in St. Ingbert klingelt. Doch die ARD-Serie, die normalerweise zum festen Tagesablauf der 87-jährigen Seniorin Ingeborg D. gehört, hat mit dem Klingeln an der Tür all ihre Anziehungskraft verloren

St. Ingbert. "Sturm der Liebe" läuft im Fernsehen, als Sabine Grimm an der Haustür einer alten Dame in St. Ingbert klingelt. Doch die ARD-Serie, die normalerweise zum festen Tagesablauf der 87-jährigen Seniorin Ingeborg D. gehört, hat mit dem Klingeln an der Tür all ihre Anziehungskraft verloren. Mit "Hallo meine Liebe" schließt die Seniorin ihre Besucherin fest in die Arme. Für Frau D. ist der Besuch von Sabine Grimm der Höhepunkt der Woche. "Es ist mir sehr wichtig, dass sie kommt", sagt Ingeborg D., "ich wäre sonst ganz alleine. All meine Verwandten sind tot, viele Schulfreunde und Bekannte schon lange gestorben." Ihr Mann starb 1970, Kinder hatte das Paar nie.

Seit zwei Jahren besucht Sabine Grimm die einsame alte Frau regelmäßig. Einmal in der Woche nimmt sich die 50-Jährige aus Schüren Zeit für die Seniorin. Grimm leitet den St. Ingberter Besuchs- und Begleitdienst der Malteser. Zusammen mit 14 Helfern kümmert sich der Dienst ehrenamtlich um allein gebliebene Menschen in der Stadt, um Alte, Behinderte und Kranke. "Wir wollen einsame Menschen aus der Isolation herausholen, ihnen einfach die Möglichkeit geben, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen", sagt Grimm. Ein Mal in der Woche besucht das Team der Malteser Senioren zuhause oder im Seniorenheim Mathildenstift.

"Bei unserem Besuch richten wir uns ganz individuell nach den Wünschen der Besuchten", erklärt Grimm. Mal wird spazieren gegangen, mal geht man zusammen zum Friedhof oder zum Arzt, manchmal wird Karten gespielt oder in alten Fotoalben geblättert. "Die meisten suchen aber ganz einfach das Gespräch", sagt Grimm.

Auch Ingeborg D. erzählt gerne über ihr langes Leben. In dem schön weihnachtlich dekorierten Haus der Seniorin sitzt Besucherin Grimm der älteren Frau gegenüber und lauscht ihren Geschichten. Zwischen Porzellanengeln und Adventskerzen erzählt die alte Dame aus ihrer Jugend in St. Ingbert über die Wirren des letzten Weltkrieges und wie sie ihren Mann kennenlernte. "Ich freue mich immer, wenn Sabine kommt, ich hab sie in mein Herz geschlossen," sagt die 87-Jährige, "wenn es mir nicht gut geht, ist sie da und tröstet mich. Sonst habe ich ja fast niemanden mehr."

Den Besuchs- und Begleitdienst der Malteser gibt es seit Mai 2009 in St. Ingbert. Zurzeit kümmern sich die ehrenamtlichen Helfer um 19 Personen. Drei davon im Mathildenstift. "Wir organisieren auch zwei Mal im Jahr Kaffeenachmittage mit unseren Besuchten", erzählt Grimm. Zu selbst gebackenen Kuchen und Kaffee wird dann musiziert, gesungen und sich ausgetauscht. Auch im Mathildenstift organisiert das Team zwei Mal im Jahr Kaffeenachmittage.

Gerne würde sich der Dienst um noch mehr einsame Menschen kümmern. "Zurzeit stehen vier Personen auf der Warteliste", sagt Grimm "doch ich muss sie vertrösten, weil wir zu wenige Helfer haben." Es wäre schön, wenn sich noch mehr Ehrenamtliche zum Team gesellen würden, sagt sie. "Wenn man unseren Besuchten Zeit widmet, bekommt man auch immer etwas von ihnen zurück", ist die 50-Jährige überzeugt, "und der schönste Dank ist für uns das Lächeln unserer Besuchten."

Informationen zum St. Ingberter Besuchs- und Begleitdienst der Malteser gibt es bei Sabine Grimm unter Tel. (0 68 94) 38 23 06 oder via E-Mail: sabine.grimm@malteser-st.ingbert.de.

"Der schönste Dank ist für uns das Lächeln unserer Besuchten."

Sabine Grimm,

Malteser St. Ingbert