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Die Pandemie-bestimmte Jahresbilanz des Literaturforums St. Ingbert

Literaturforum St.Ingbert : Corona schränkt auch Literaturgenuss ein

Die Auswirkungen der Pandemie bestimmten auch die Jahresbilanz des Literaturforums St. Ingbert.

„Das Lesungsjahr 2020 ist völlig anders verlaufen, als wir uns das vorgestellt oder gewünscht hätten“, stellt Jürgen Bost, Sprecher des St.Ingberter Literaturforums, in seiner Jahresbilanz fest. Bei der Ouvertüre im Februar, als Ursula Ochs-Steinfeld, Albrecht Ochs, Professor Gerhard Sauder und Jürgen Bost mit ihren Vorträgen und Rezitationen an den 200. Geburtstag Theodor Fontanes erinnerten, wollte der Zustrom der Literaturbegeisterten gar nicht mehr abreißen, was zu belegen vermag, welches Ansehen und welche Popularität der im kleinen Neuruppin geborene Schriftsteller inzwischen genießt.

Auch die gemeinsame Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen der Reihe „Jazz und Poesie“ erwies sich als voller Erfolg: Michael G. Fritz stellte mit seinem Roman „Auffliegende Papageien“ eine facettenreich gestaltete Liebesgeschichte vor, die einen Zeitraum von fünfzig Jahren umfasst und zwei Gesellschaftssysteme tangiert. Dann kam die Pandemie, und Schutz der Gesundheit war das höchste Gebot. Bereits geplante Lesungen mussten abgesagt werden, bewährte Kooperationen konnten nicht stattfinden.

Einen Lichtblick brachte der Sommer, als Klaus Brabänder, musikalisch begleitet von Tanja Endres-Klemm, im Innenhof des ehemaligen Gefängnisses unter dem Motto „Krimi im Knast“ seinen Titel „Arabella“ präsentierte. Rund hundert Literaturfreunde und Liebhaber seiner bestens etablierten Variante des saarländischen Kriminalromans waren auf Einladung des Literaturforums, der Stadtbücherei St. Ingbert und des Kulturamts in die Alte Bahnhofstraße gekommen, wo sie eine Open-Air-Autorenlesung im Rahmen der Reihe „Kultursommer in der JVA“ mit dem gebotenen Abstand erleben durften. Dieser überwältigende Zuspruch belegte aus der Sicht der Veranstalter den Hunger nach unmittelbarem kulturellen Erleben und die Sehnsucht nach der Wiedergewinnung eines Stücks vertrauten Alltags.

Angesichts der Tatsache, dass online nur ein minimaler Anteil des möglichen Publikums erreicht werden kann, hat man beim ILF dagegen auf digitale Lesungen verzichtet. „Die Autoren brauchen natürlich Aufmerksamkeit, Publikum, Rezensionen und selbstverständlich auch Geld – daher sollte man nach Kräften auch in diesen Zeiten Bücher kaufen, leihen, lesen, diskutieren“, so Jürgen Bost. Deshalb hofft man beim Literaturforum auf einen Neustart in den kommenden Monaten, zumal 2021das vierzigährige Jubiläum des ILF ansteht.

„Es wäre schön, auch im gerade begonnenen neuen Jahr interessierten Bürgern weitere Autorenbegegnungen und Buchpräsentationen zu vermitteln, regionale Autoren und heimische Verlage zu unterstützen und dabei schwerpunktmäßig die Literatur von Schriftstellern aus der Großregion Saar-Lor-Lux in den Fokus zu rücken, und das ganz im Sinne des ILF-Gründers Fred Oberhauser. Diese Lesungen lockern den Bibliotheksalltag auf und verleihen der Stadtbücherei das Profil einer lebendigen Kultureinrichtung“, verweist Jürgen Bost in seiner Jahresbilanz auf einen weiteren Aspekt der ILF-Veranstaltungen.