Die Macht der Mundart sorgt für Heimatgefühle

Die Macht der Mundart sorgt für Heimatgefühle

Geschichten von Zuhause werden immer beliebter. Aber: Damit, sie zu lesen oder vorgelesen zu bekommen, ist es nicht getan. Den richtigen Pfiff erhalten sie erst durch ihre Sprache. Mundart ist sprichwörtlich wieder in aller Munde.

Der zweite Mundartabend des St. Ingberter Literaturforums war nicht nur hinsichtlich seiner Autoren und ihrer Werke mehr als bunt und vielfältig. In der Stadtbibliothek spannte sich der Bogen von der Elsässer Mundart über lustig-nachdenkliche Verse bis hin zu Kindergeschichten und amüsanten Rückbetrachtungen. Mundart offenbart Vieles.

Naheliegenderweise zeigt sie, wie die Leute einer Region sprechen. Sie weist aber auch oft auf Geschichtliches hin. Da werden Dinge beschrieben, die man heute kaum noch kennt. Immer weniger erlebten noch an die Zeit, als es zu Hause kein Bad, sondern einen Badetag gab. Im Waschzuber in der Küche oder etwas später in einem öffentlichen Waschhaus wurde sich gereinigt. Samstags, genau. Das war damals auch noch ein Arbeitstag und gleichzeitig der letzte Tag der Woche. "Badeda in Hassel" beschreibt die wöchentliche Reinigungsprozedur anno 1951 und stammt aus der Feder des Ur-Bayers Peter M. Loibl, der mit drei Jahren ins Saarland kam. Der Hasseler berichtet mit seiner Geschichte vom zweifelhaften Genuss dieser Prozedur, wenn nach und nach die ganze Familie im gleichen Wasser ihren Schmutz hinterließ. Ernster waren die Themen von Manfred Euler. Der Mann aus dem "krummen Elsass" las Texte auf Deutsch und Französisch und eben auf platt, die sich etwa mit den Kriegsereignissen in Verdun beschäftigten. "Da haben sich die Deutschen und Franzosen niedergemetzelt", meinte der Mann aus Saare-Union.

Kindergeschichten auf Platt

Die Rentrischerin Gerdi Karp, die aus Saarbrücken stammt, hat Kindergeschichten zu ihrem Spezialgebiet auserkoren und liest diese auch auf "Saarbrigger Platt" vor. "Die Fregg, de Gaarde und de Oschderhaas" heißt ihr Buch und daraus trug sie das Gedicht "Mem Klään uff'm Spielplatz" vor. Für dieses Werk erhielt sie vor zwei Jahren beim Wettbewerb in Bockenheim den "Preis für Neie". Den kann Lokal-Matador Manfred Kelleter nicht mehr bekommen. Lange Jahre ist der St. Ingberter Autor schon in der Mundart-Szene zu Hause. Er gab am Mittwoch Kostproben neueren Datums auf St. Ingberter Dialekt und auf Hochdeutsch zum Besten. Unter anderem bekannte er bei "Ironie im Kunstbetrieb", dass er nicht mehr auf Ausstellungen gehe, "weil Tore dort die Leid verarsche": Ein ernstes Thema mit lustigem Gehalt, welches die Vorgehensweise im Kunstmilieu hinterfragt. Jahreszeiten, Natur und eine Hommage waren weitere Schwerpunkte seines Vortrages. Maria Lang hatte die Aufgabe übernommen, aus dem Buch von Rigobert Wilhelm vorzulesen. Der Autor würdigt in "Alles Laute wird leise" den St. Ingberter Dichter Rüdiger Stief, dessen Todestag sich im vergangenen Juli zum 50. Mal jährte.