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„Die kleinste Ladenpassage der Welt“ öffnet in Rohrbach

Neuer Laden in Rohrbach : „Kleinste Ladenpassage der Welt“

Die Familie Biedermann übernimmt bald den Tabakladen neben der Rohrbach-Apotheke.

Eine Menge Rohrbacher Geschichte hängt an einem klitzekleinen Geschäft in der Dorfmitte. Unmittelbar neben der Rohrbach-Apotheke, fast mit gleichem Eingang, gibt es seit Jahrzehnten einen Tabakladen. Zurzeit ist der geschlossen. Nicht mehr lange, denn die Familie Biedermann richtet schon mit Hochdruck ein. Momentan wird umgebaut, und in ein paar Wochen wird Neueröffnung sein.

Martin Biedermann ist in Rohrbach bestens bekannt. Gemeinsam mit seiner Tochter Tina wird er den Tabakladen betreiben. Mit Tabak allein ist es nicht getan – wie in den vergangenen Jahrzehnten wird auch eine Toto- und Lotto-Annahmestelle eingerichtet. „Das wird wohl noch ein paar Tage länger dauern, denn vorher müssen Schulungen besucht werden.“ Außerdem werden Zeitungen und Zeitschriften angeboten. Der UPS-Standort, der in den vergangenen Jahren betrieben wurde, bleibt ebenso erhalten.

Hinzu kommt, so Martin Biedermann, ein kleines Stehcafé, es wird Kaffee zum Mitnehmen geben, außerdem belegte Brötchen, Bretzeln und Kleinigkeiten zum Essen. Ein schönes, kleines Lädchen soll entstehen, in dem man sich stärken, mit Lesestoff und Zigaretten versorgen und nicht zuletzt ein Schwätzchen halten kann.

Schon im Krieg war in diesen Räumen ein Geschäft. Außerdem eine Schnapsbrennerei. Mathias Deckarm betrieb sie. Nach dem Krieg wurde daraus ein Kolonialwarenladen. Lebensmittel, nach wie vor Schnaps, der dann allerdings nicht mehr vor Ort gebrannt wurde, und sogar Buchbinderarbeiten wurden hier angeboten. Dann übernahm Hilar Deckarm das Geschäft. Den kennen die alten Rohrbacher noch als Matze Hilar. Er war der Onkel von Christoph Dahlem, der heute Eigentümer des Geschäftes und der Apotheke nebenan ist. Matze Hilar war ein Rohrbacher Original, den jeder kannte. War gerade keine Kundschaft im Laden, fand man Hilar vor dem Geschäft, wo sich immer jemand für ein Schwätzchen fand.

Die Zeiten des Kolonialwarenladens waren vorbei, als die ersten Einkaufsmärkte öffneten. Weil zu dieser Zeit ein paar Häuser weiter der Zigarettenladen von Richard und Mariechen Rohe schloss, übernahm Matze Hilar dieses Sortiment.

Als Tabakladen bestand das Geschäft dann über den Tod von Hilar im Jahr 1991 weiter. Apotheker Christoph Dahlem führte ihn weiter bis vor wenigen Wochen. Dahlem: „Ich wollte ganz einfach nicht mit der Tradition dieses Ladens brechen. Deshalb haben wir das Geschäft mit unserem Personal weiterbetrieben. Aber es ist allmählich Zeit, über Veränderungen nachzudenken. Dass das mit den Plänen der Familie Biedermann zeitlich zusammenfällt ist, wie ich denke, für alle Beteiligten ein Glücksfall,“ so der Apotheker.