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Die Kinowerkstatt zeigt Filme von Eastwood und Fassbinder

Programm der Kinowerkstatt : Zwei Gratulationen mit großer Filmkunst

In der Kinowerkstatt sind in dieser Woche „Der Texaner“ von Clint Eastwood und zwei Werke von Rainer Maria Fassbinder zu sehen.

Im, wie von Virologen empfohlen, gut durchlüfteten Kino gratuliert die Kinowerkstatt St. Ingbert in dieser Woche dem Kinoveteran Clint Eastwood zum 90. Geburtstag mit „Der Texaner“ (Originaltitel: „The Outlaw Josey Wales“) aus dem Jahre 1976. Der Film ist ein wahrhaft großer Western und möglicherweise Clint Eastwoods bester Film als Regisseur und Star. Er kritisiert und thematisiert den Umgang mit den Indianern bei der Besiedlung und der Inbesitznahme des Westens. Clint Eastwood bezeichnet „Der Texaner“ als einen seiner wichtigsten Filme - zu sehen von Donnerstag, 18. Juni, bis Samstag, 20. Juni, am Freitag in der Original-mit-Untertitel-Fassung, immer jeweils um 20 Uhr.

Der gesetzlose Josey Wales ist eine typische Eastwood-Figur – ein vom Leben gezeichneter, rachedurstiger, professioneller, knallharter Revolverheld, der sich nach dem Bürgerkrieg nicht ergeben will. Verfolgt von einer Horde übler Kopfgeldjäger, setzt er sich nach Texas ab. Die Leichen seiner Verfolger säumen seinen Weg, gleichzeitig aber sammelt der Held alle möglichen Streuner auf und beendet damit sein Einzelgängerdasein. Am Ende kann er mit ihnen sogar eine Siedlung gründen und sesshaft werden.

Am 31. Mai 2020 wäre Rainer Werner Fassbinder 75 Jahre alt geworden. Laut Georg Seeßlen „der ikonische deutsche Filmemacher“. Die Kinowerkstatt zeigt am Sonntag, 21. Juni, um 20 Uhr Fassbinders schräges Meisterwerk zur Nachkriegsgeschichte „Die Ehe der Maria Braun“ (BRD 1978) und am Montag, 22. Juni, um 20 Uhr „Angst essen Seele auf“ (BR Deutschland 1973/1974).

Im Mai des Jahres 1945 geboren, hat der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder mit „Die Ehe der Maria Braun“ einen Film mit dem Fokus auf der deutschen Nachkriegszeit inszeniert, der weltweit zu einem beachtlichen Erfolg wurde und ganze Heerscharen von international renommierten Kritikern schwärmen ließ. Es ist zuvorderst die Schauspielerin Hanna Schygulla als Maria Braun die mit ihrem ganz eigenen Stil zwischen energischer Entschlossenheit, verführerischer Verletzlichkeit und robuster Raffinesse, diese sehr persönliche Geschichte innerhalb der deutschen Historie aus weiblichem Blickwinkel prägt. Für die außergewöhnliche darstellerische Leistung wurde die mittlerweile 77-jährige Künstlerin, deren Karriere nach diesem Film auch in internationalen Dimensionen geradezu explodierte, im Rahmen des Wettbewerbs der Berlinale 1979 mit dem Silbernen Bären sowie mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet.

„Angst essen Seele auf“, am Montag, 22. Juni, um 20 Uhr zu sehen, handelt von der Liebe zwischen der verwitweten Putzfrau Emmi und dem zwanzig Jahre jüngeren Gastarbeiter Ali, die schon bald den Anfeindungen durch Nachbarn, Kollegen und der eigenen Familie ausgesetzt ist. Wie aktuell sich der Film von Fassbinder in das gegenwärtige Geschehen einfügt, wird gerade jetzt sehr erschreckend deutlich: „Angst essen Seele auf“ gibt die anhaltende Kontinuität von Rassismus in Deutschland wieder! Schon sehr früh hat sich der geniale Fassbinder fortschrittlich des Themas angenommen, das inzwischen zum Beispiel als Theaterstück, das 2018 im Schauspiel Leipzig zu sehen war und ganz aktuell im Zentraltheater München aufgeführt wird.

Mit der Klarheit einer Fabel veranschaulicht „Angst essen Seele auf“ die Funktionsweisen eines hierarchischen Gesellschaftssystems. Die Botschaft ist unaufdringlich klug und klar rübergebracht: Das hat Fassbinder so stark gemacht, er hat vor Ort hingesehen und hineingehorcht, deshalb hat er authentische Geschichten geschrieben und alltagsrassistische soziale Unterdrückung offen gelegt. Ein nach wie vor hochaktueller Stoff, der auch mehr als vierzig Jahre nach seiner Genese eindringlich die Entstehung und Auswirkung von Ausgrenzung illustriert.

Clint Eastwood als Josey Wales in dem Film “Der Texaner”. . Foto: obs/Kabel 1

Rainer Werner Fassbinder drehte in nur 13 Jahren 44 Kino- und Fernsehfilme und schuf bis zu seinem frühen Tod mit 37 Jahren eines der wichtigsten filmischen Oeuvres der Nachkriegszeit. Fassbinder hat uns mit „Angst essen Seele auf“ ein beklemmendes Gleichnis auf unsere jetzigen Tage hinterlassen, weil er in den 70er Jahren schon wusste: Wir veröden, wenn wir nicht für unsere Vielfalt und Toleranz eintreten.