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Die Hütte am Stiefel in St. Ingbert ist wieder geöffnet

Pfälzerwaldverein : Wanderhütte am Stiefel ist wieder offen

Die Schließung des beliebten Treffpunkts war für den Pfälzerwaldverein St. Ingbert keine Option. Am vergangenen Sonntag wurde unter neuer Leitung wieder eröffnet. Der Andrang war groß.

Wanderfreunde und St. Ingberter Ausflügler konnten nie sicher sein, ob die Hütte auf dem Stiefel für einen stärkenden Trunk geöffnet hat. Schaut man auf die Internetseite des Pfälzerwaldvereins, zu dessen Hüttennetz dieses Rasthaus gehört, dann stehen dort noch immer die alten Öffnungszeiten und die ehemalige Pächterin Daniela Malter, die mittlerweile die Hütte des Wandervereins Frohsinn in Oberwürzbach führt. Seit einigen Monaten war die Wanderhütte, die mit ihrer Lage auf 398 Meter die höchstgelegene Wanderhütte St. Ingberts ist, verwaist. Wanderer waren enttäuscht. Auch im Stadtrat war die Schließung der Hütte und die Frage nach einem Nachfolgepächter Thema in den „Mitteilungen und Anfragen“. „Es tut sich was“, war die Antwort, doch genauere Details blieben im Dunkeln.

Nun, nur ein wenig beworben in einer Vereinsmeldung in der Saarbrücker Zeitung und den sozialen Netzwerken, hat die Heinrich-Kohl-Hütte, wie sie richtig heißt, am vergangenen Sonntag neu eröffnet. Und das bei strahlendem Sonnenschein. Die Hüttenbrüder von der Pfalzsternhütte, die das Ereignis mit dem „Stiefelgrillen“ unterstützten und dafür die eigene Hütte an diesem Tag zu ließen, hatten gut zu tun. So gut, dass schon gegen Mittag das Grillgut ausging. Wie der Vorsitzende des St. Ingberter Pfälzerwaldvereins, Georg Jung, sagte, habe man sich mit 160 Portionen gerichtet. Sie hätten wohl das Doppelte an die Wanderer, Radfahrer und Gassigeher ausgeben können. Vom großen Zuspruch war auch Doris Dietrich-Jung, neue Pächterin und Ehefrau des Vereinsvorsitzenden überrascht. Nachdem das Grillgut alle war, ging man zu selbstgebackenem Kuchen und Kaffee über. Von Engpässen beim Bier ist allerdings nichts bekannt. Viele waren aus Sympathie gekommen und zeigten mit ihrer Anwesenheit, dass die Hütte ein wichtiger Teil der Identität der Stadt ist. Einige Senioren, die in der Vergangenheit regelmäßig die Hütte anliefen und etwas gegen die eingerosteten Knochen und für die Geselligkeit tun wollten, hatten seit Herbst vergangenen Jahres kein Ziel mehr. Nun wünscht man sich einfach nur, dass wenigstens der Sonntag wieder „Hüttenzeit“ auf dem Stiefel ist. „Wir hatten zwei Möglichkeiten: entweder wir lassen die Hütte zu und riskieren den Bestandsschutz, oder wir machen sie wieder auf“, sagte Georg Jung zu den Optionen. Doch sei die Hütte einmal endgültig auf lange Zeit zu, dann wäre wohl ihr Ende besiegelt, so Jung. Also wagte man den Neuanfang, um diese beliebte Hütte zu erhalten.

Viele fleißige Helfer sorgten in den Wochen vor der Neueröffnung mit dafür, den Gastraum wieder herzurichten. „Wir haben geputzt ohne Ende“, sagt der Vereinsvorsitzende und verweist außerdem auf den neuen Farbanstrich. Dann geht sein Blick zu einem Bild an der Wand, das Heinrich Kohl zeigt. „Das ist der Gründer des Pfälzerwaldvereins. Ohne ihn gäbe es uns nicht“, sagt Jung. Auch ihm zu Ehren versucht man immer wieder, die Hütte mit Leben zu füllen. Zwar ist Kohl nur einer der Mitbegründer des 1902 als „Touristenclub Pfalz“ in Ludwigshafen gegründeten Wandervereins. Doch er war es, der einen Monat nach dessen Konstituierung den Namensvorschlag „Pfälzerwaldverein“ machte. Zehn Jahre nach diesem Ereignis wurde die Hütte auf dem Stiefel als Jagdhütte erbaut und später vom Pfälzerwaldverein St. Ingbert übernommen und bewirtschaftet. Auch heute pflegt man hier die Tradition des Wanderns im Zeichen der Pfälzerwaldvereine, denn bis 1920 gehörte St. Ingbert zur bayrischen Pfalz, zu der eben auch diese Vereine gehörten.

Eine weit zurückreichende Geschichte umweht den Stiefel. Georg Jung zeigt in die Landschaft und zeichnet eine nicht sichtbare Grenze zum Preußischen. Doch auch archäologisch hat der „interessanteste Berg“ im Saarland viel zu bieten, wie eine Wanderin erzählt. Steinzeitliche Funde, aber auch solche aus römischer und keltischer Zeit sind keine Seltenheit, aber meist spektakulär. Der Stiefel hat also einiges zu bieten: Einen mittlerweile weltbekannten Felsen, einen guten Namen bei den Ur- und Frühgeschichtlern und eine Hütte, in der die Einkehr wieder lohnt.